. Krebsimmuntherapie

Uni Tübingen erprobt neue Impfung gegen Krebs

Ein an der Uni Tübingen entwickelter Impfstoff gegen Chronisch Lymphatische Leukämie wird nun an Patienten erprobt. Da die neue Immuntherapie maßgeschneidert wird, erwarten die Forscher kaum Nebenwirkungen.
Impfung gegen Chronische Leukämie: Die Tübinger Phase-II-Studie ist gerade angelaufen und noch offen.

Impfung gegen Chronische Leukämie: Die Tübinger Phase-II-Studie ist gerade angelaufen und noch offen

Mit einer neuen Immuntherapie gegen Krebs wollen Wissenschaftler der Uni Tübingen die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) heilbar machen. Die CLL verläuft zwar meist langsam, ist jedoch bisher unheilbar. Bei dem neuen Therapieansatz handelt es sich um eine Impfung, die für jeden Patienten maßgeschneidert wird und das Immunsystem aktivieren soll. Die individualisierte Peptid-Vakzinierung wird nun in einer klinischen Phase-II-Studie erprobt. Teilnehmen können Patienten, deren Leukämiezellen zuvor mit einer Standardtherapie zurückgedrängt wurden.  „In der klinischen Studie wollen wir prüfen, ob es gelingen kann, das Immunsystem des Patienten so gezielt gegen die Leukämie zu aktivieren, dass die Erkrankung geheilt wird und nicht zurückkehrt“, erläutert Prof. Helmut Salih, Leiter der klinischen Prüfung, das Studienziel.

Impfung soll Immunsystem gegen Krebszellen mobilisieren

Vor Therapiebeginn wird den Patienten Blut entnommen. Das Blut wird und anschließend auf spezifische Merkmale hin analysiert, so genannte HLA-Ligandomanalyse, damit der Impfstoff individuell zusammengestellt werden kann. Danach erhalten die Patienten zunächst eine Chemotherapie, acht bis 14 Wochen später dann mehrere Impfungen. Der Impfstoff besteht aus tumor-assoziierten Eiweißen. Sie sollen die Abwehrzellen, die so genannten T-Zellen des Patienten aktivieren, damit diese die verbliebenen Leukämiezellen zerstören, und so das sonst regelhafte Wiederauftreten der Erkrankung verhindern. Die Peptidvakzinierung wird ein Jahr lang einmal monatlich ambulant durchgeführt.

„Durch die Impfung sollen die körpereigenen Abwehrzellen aktiviert, eine Immunantwort gegen die Tumorpeptide ausgelöst und dadurch die verbliebenen Leukämiezellen zerstört werden“, erklärt Studienleiter Salih. Da der Impfstoff spezifisch für die Leukämiezellen „maßgeschneidert“ werde, seien keine relevanten Nebenwirkungen zu erwarten. Studien bei anderen Tumorerkrankungen hätten gezeigt, dass die Vakzinierung in die Haut meist lediglich eine Rötung an der Impfstelle verursache.

Ergebnis akademischer Forschung

Das Tübinger Immunisierungsverfahren ist in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) entstanden und kommt nach Auskunft von Prof. Salih ganz ohne Unterstützung der Pharmaindustrie aus. „Mit dieser Initiative wird das Feld der Medikamentenentwicklung wieder ein wenig mehr für die Akademie zurückerobert“, freut sich der Krebsforscher.

Foto: © designer491 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin

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