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Umstrittene Antikörpertherapie bei Migräne wird weiter erforscht

Antikörper sind schon seit längerem als neue Wirkstoffklasse in der Migränetherapie im Gespräch. Aus Sicherheitsgründen wurde die Entwicklung der so genannten CGRP-Antagonisten jedoch schon mehrfach abgebrochen. Eine neue Phase-II-Studie der Mayo Clinic berichtet jetzt dennoch von Erfolgen.
Umstrittene Antikörpertherapie bei Migräne wird weiter erforscht

Antikörper als neue Wirkstoffklasse in der Migränetherapie: Neurologen mahnen zur Vorsicht

Bei der jetzt veröffentlichten Studie handelt es sich bereits um die zweite Arbeit von David W. Dodick, Professor für Neurologie an der Mayo Clinic Arizona, und Kollegen, in der von einer signifikanten Reduktion der Migränetage durch einen CGRP-Antikörper berichtet wird. An der aktuellen Studie hatten 163 Patienten zwischen 18 und 55 Jahren teilgenommen, die in einem Zeitraum von 28 Tagen jeweils zwischen 5 und 14 Tagen an Migräne litten. Während der einen Hälfte der Patienten randomisiert eine einmalige intravenöse Dosis von 1000 Milligramm des Antikörpers ALD403 verabreicht  wurde, erhielt die andere Hälfte ein Placebo. Die Wirksamkeit des Antikörpers beträgt etwa drei Monate. In Woche 5 bis 8 nach dieser Intervention hatte sich der Antikörper als signifikant wirksamer erwiesen. Er reduzierte die Zahl der Migränetage in diesem Zeitraum um 5,6 gegenüber 4,6 Migränetagen unter Placebo.

Antikörper wurden zur Akuttherapie der Migräne entwickelt, kam aber nie auf den Markt

Schon länger wird vermutet, dass eine Blockade dieses „Calcitonin-Gen verknüpften Peptids“ (CGRP) Migräne-Attacken verhindern könnte. Zuvor hatten bereits mindestens fünf Firmen orale CGRP-Antagonisten primär zur Akuttherapie der Migräne entwickelt. „Diese Entwicklung wurde aber eingestellt, womöglich weil es bei einigen der CGRP-Antagonisten nach längerem Gebrauch Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Leberfunktion bei wenigen Studienteilnehmern gegeben hatte“, erläutert Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen und Direktor des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums, in seinem Kommentar zur Studie.

 

Unklar, ob das Medikament die Blut-Hirn-Schranke durchbricht

Die aktuelle Untersuchung hat nun primär die Sicherheit von ALD403 getestet. Dabei fanden sich keine Unterschiede in den Nebenwirkungen, Vitalzeichen oder Laborwerten zwischen der Verum- und der Placebo-Gruppe. Diener mahnt dennoch zur Vorsicht: „CGRP kommt in allen Organen einschließlich des Gehirns in hohen Konzentrationen vor. Deshalb könnte ein Antikörper gegen CGRP langfristig unerwünschte Nebenwirkungen haben.“ Der Hersteller geht zwar davon aus, dass der Antikörper die Blut-Hirn-Schranke normalerweise nicht überwinden kann, allerdings ist noch nicht klar, ob diese Barriere bei heftigen Migräneattacken intakt bleibt.

Auch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sieht einen geringfügigen Nutzen des Antikörpers durch die Studie bestätigt, warnt aber vor voreiligen Schlüssen. „Die Daten legen nahe, dass ALD403 als Antikörper gegen CGRP eine gewisse Migräne-prophylaktische Wirkung haben könnte“, sagt PD Dr. Förderreuther, Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Was die Sicherheit dieser Strategie über einen längeren Zeitraum angeht, so müssten allerdings noch weitere Daten erhoben werden.

Foto: © Piotr Marcinski - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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