Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
16.05.2017

Umgang mit Scham in der Pflege

Pflegebedürftigkeit ist für viele Menschen mit Scham verbunden. Wie Pflegebedürftige und pflegende Angehörige im Alltag damit umgehen können, zeigt jetzt ein neuer Ratgeber.
Scham in der Pflege

Wenn Kinder Eltern füttern, schämen sich manchmal beide.

Das Zentrum für Qualität in Der Pflege (ZQP) hat den Ratgeber „Umgang mit Scham“ gemeinsam mit einem Pflege-Experten erarbeitet, um pflegende Angehörige in schambesetzten Pflegesituationen zu unterstützen. Denn im Pflegealltag gibt es viele Anlässe für Schamgefühle. Nacktheit und Gebrechlichkeit, Unterstützung bei intimen Dingen wie etwa dem Ganz zur Toilette oder das Waschen im Genitalbereich sind einige Klassiker, die im Pflegealltag Scham hervorrufen. Für viele Menschen ist schon die Vorstellung davon hochpeinlich.

Das ZQP weist zunächst darauf hin, dass Schamgefühle prinzipiell positiv sind. Denn sie helfen, ganz persönliche Dinge zu schützen und Grenzen zu wahren. Diese Intimgrenzen müssen in der Pflege mitunter überschritten werden, etwa wenn jemand inkontinent ist. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige entwickeln dann mitunter beide ausgeprägte Schamgefühle. Den Pflegenden zeigt das an, dass sie nun besonderes feinfühlig vorgehen müssen, um den Gepflegten nicht zu verletzen. Zugleich haben sie selbst dabei häufig auch mit Ekel zu kämpfen.

Lösen Scham in der Pflege aus: Umgekehrte Rollen und Demenz

Vor einer besonderen Herausforderung stehen Pflegende mit Angehörigen, wenn die Pflegesituation das Rollenverhältnis umkehrt und die Kinder die Eltern pflegen. „Gerade veränderte Rollen, wie zwischen pflegebedürftigen Eltern und pflegenden Kindern, können anfangs zu Unsicherheiten und Schamgefühlen auf beiden Seiten führen. Dann kann es helfen, sich mit Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zum Beispiel in einer Angehörigengruppe“, so der ZQP-Vorstandsvorsitzende Dr. Ralf Suhr.

Doch auch bei Demenzerkrankungen kann Scham eine Rolle spielen. Denn es kann unangenehm sein, wenn ein Angehöriger sich nicht so verhält, wie Bekannte es von ihm vor der Demenz gewohnt waren oder wie es die Gesellschaft erwartet. Das ZQP rät, andere frühzeitig und offen über die Erkrankung und über eventuell irritierendes Verhalten zu informieren.  Das könne helfen Berührungsängste abzubauen und sich selbst sicherer zu fühlen.

 

Scham in der Pflege ist natürlich

„Scham ist ganz natürlich und kommt sowohl bei Pflegebedürftigen als auch bei Pflegenden regelmäßig vor. Beherrschen jedoch Schamgefühle dauerhaft den Alltag, kann das zu psychischen oder sozialen Problemen führen“, erklärt Suhr. Für eine respektvolle und möglichst entspannte Pflege sei es daher wichtig zu wissen, wie man peinlich empfundene Situationen meistert. „Einen hilfreichen Umgang mit Scham kann man tatsächlich lernen“, so der ZQP-Chef.

Der ZQP-Ratgeber zeigt, woher Schamgefühle kommen, wodurch sie ausgelöst werden, wie man damit umgehen kann, aber auch, wann fremde Hilfe sinnvoll ist. Zudem gibt er Tipps, wie Angehörige ihr Selbstwertgefühl und das des Pflegebedürftigen schützen können - wie also die Würde auf beiden Seiten gewahrt bleibt. Auch Schamgefühle in Bezug auf Demenz werden thematisiert.

Foto: picture alliance – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegende Angehörige , Demenz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Scham in der Pflege

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin