. IGeL-Monitor

Ultraschall der Prostata keine Vorsorgeleistung

Ein Ultraschall der Prostata taugt nicht zur Krebsfrüherkennung bei gesunden Männern. Zu diesem Ergebnis kommt der IGeL-Monitor. Damit bleibt die Vorsorge-Sonografie genau wie der PSA-Test eine Selbstzahlerleistung.
Prostatakrebs mit Ultraschall früh erkennen: Wissenschaftler des IGeL-Monitors raten davon ab

Prostatakrebs mit Ultraschall früh erkennen: Wissenschaftler des IGeL-Monitors raten davon ab

Das gesetzliche Programm zur Früherkennung von Krebs sieht für Männer ein Abtasten der Prostata vor. Wenn ein Mann außerdem einen Ultraschall oder einen PSA-Test haben möchte, muss er dies aus eigener Tasche zahlen. Das wird auch vorerst so bleiben: Gerade haben die Wissenschaftler des IGeL-Monitors festgestellt, dass der Ultraschall zur Früherkennung von Prostatakrebs ohne Nutzen ist. Demnach gibt es keine Studien zu Nutzen und Schaden der Untersuchung, also keine wissenschaftliche Evidenz.

Bewertung „Tendenziell negativ“

Der von den Kassen getragene IGeL-Monitor betont ausdrücklich, dass es bei der Beurteilung um die Krebsfrüherkennung bei Männern ohne entsprechende Beschwerden geht. Gebe es einen Verdacht auf eine bösartige Erkrankung, würden die Krankenkassen die Untersuchung selbstverständlich bezahlen, heißt es in einer aktuellen Erklärung.

Da durch  Ultraschall-Untersuchungen auch Krebs gefunden wird, der nie auffällig geworden wäre, bewerteten die Wissenschaftler den Ultraschall sogar als "tendenziell negativ". Das gleiche Urteil hatte vor kurzem der PSA-Test bekommen.  

Obwohl es auch keine Studien zum Schaden gibt, sehen die IGeL-Experten die Gefahr von Überdiagnosen als gegeben an. So könnten Übertherapien zum Teil gravierende Nebenwirkungen mit sich bringen wie Knochenabbau, Impotenz oder Inkontinenz.

Fehldiagnosen könnten Schaden anrichten

Einen weiteren möglichen Schaden sehen die Wissenschaftler in der Gefahr, dass bei der Untersuchung Tumore übersehen werden. „So besteht nach einem unauffälligen Ultraschallbefund die Gefahr, dass Patienten Warnzeichen des Körpers nicht ernst nehmen und deshalb unnötig spät mit einer Behandlung beginnen“, heißt es weiter.

In der Fachwelt wird der Ultraschall deutlich kritischer bewertet als der PSA-Test. Der PSA-Test hat im Gegensatz zum Ultraschall in Studien gezeigt, dass ein Teil der Männer davor bewahrt werden kann, an Prostatakrebs zu sterben. Die aktuelle Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms vom Dezember 2016 empfiehlt, dass Männern, die eine Früherkennung wünschen, der PSA-Test angeboten werden soll. Von einer Früherkennung mithilfe "bildgebender Verfahren", zu denen auch der Ultraschall gehört, rät die Leitlinie dagegen ab.

Das Team des IGeL-Monitors bewertet den PSA-Test dennoch mit "tendenziell negativ", weil seiner Ansicht nach die möglichen Schäden den Nutzen überwiegen.

Der IGeL-Monitor nimmt regelmäßig beliebte Selbtszahlerleistungen unter die Lupe. Von den 44 bewerteten IGeL wird keine einzige als positiv empfohlen, lediglich drei haben das Urteil „tendenziell positiv“ bekommen.

Foto: © Thomas Andreas - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Prostatakrebs Früherkennung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Anlässlich des internationalen Tages der Gehörlosen machen Gehörlosen-Verbände auf die Situation der bundesweit ca. 80.000 gehörlosen Menschen aufmerksam und werben zudem für das Erlernen der Gebärdensprache, um Betroffenen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Hoher Blutdruck ist ein Männerproblem, niedriger Blutdruck eins der Frauen: Das klingt nach Klischee – und trifft im Grundsatz trotzdem zu. Im Alter ziehen die Frauen aber an den Männern vorbei. Der Risikofaktor hat aber nichts mit Bewegungsmangel oder ungesunder Ernährung zu tun.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.