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Ulmer Cocktail gegen Glioblastom „CUSP9v3“ scheint zu wirken

Seit zwei Jahren testen Ulmer Ärzte einen Cocktail aus neun verschiedenen Medikamenten an Patienten mit Glioblastom. Nun melden die Ärzte erste Erfolge. Jeder zweite Studienteilnehmer spricht offenbar auf CUSP9v3 an.
Glioblastom, CUSP9v3

Neue Therapie gegen das Glioblastom: Ulmer Wirkstoffcocktail CUSP9v3 kann bei 5 von 10 Patienten das Tumorwachstum stoppen

Der als CUSP9v3 bekannte Cocktail aus neun verschiedenen Medikamenten scheint wirksam zu sein. Erste Zwischenauswertungen des Universitätsklinikum Ulm zeigen, dass jeder zweite Patient mit Glioblastom auf die ungewöhnliche Wirkstoffkombination anspricht. Der erste damit behandelte Patient lebt demnach schon seit 24 Monaten, ohne dass der aggressive Hirntumor zurückgekehrt ist.

 

 

5 von 10 Patienten leben bisher ohne Rezidiv

Die Studie wurde am Universitätsklinikum Ulm im November 2016 begonnen. Zehn Patienten wurden seither mit CUSP9v3 plus eine niedrig dosierte Chemotherapie behandelt. Zuletzt wurde vor sechs Monaten eine Patientin eingeschlossen, auch sie ist nach Angaben des Klinikums bislang noch tumorfrei. Alle Patienten hatten vor Teilnahme an der Studie bereits eine Standardtherapie inklusive Operation und Bestrahlung hinter sich gebracht, bevor ein Rezidiv aufgetreten war.

„Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend“, sagt Studienleiter Professor Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm. Halatsch hatte den Cocktail CUSP9v3 zusammen mit dem amerikanischen Psychiater Dr. Richard Kast entwickelt, nachdem beide der Ansicht waren, dass ein Wirkstoff möglicherweise zu wenig sei, um das aggressive Glioblastom zu bekämpfen.

Ungewöhnlicher Medikamentencocktail hält Glioblastom in Schach

Bei ihrer Recherche prüften die Wissenschaftler vor allem auch in der Praxis bewährte, nebenwirkungsarme Wirkstoffe, die normalerweise zur Behandlung anderer Erkrankungen zur Anwendung kommen, zum Beispiel bei Pilzerkrankungen, HIV-Infektionen oder Bluthochdruck. Letztlich konnten Halatsch und Kast neun geeignete Medikamente identifizieren, darunter auch Wirkstoffe, die bei Alkoholabhängigkeit, chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, Depressionen oder zur Linderung von Übelkeit infolge einer Chemotherapie eingesetzt werden.

Die so entstandene Mischung nannten sie "Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3" – kurz CUSP9v3. „Wir sind uns bewusst, dass die Therapie mit einer Kombination von neun Präparaten in Verbindung mit einer Standardbehandlung äußerst ungewöhnlich ist“, sagt Dr. Guy Buyens vom belgischen Anticancer Fund, der die Studie fördert. „Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass das Verwenden von Wirkstoffen zu einem anderen als ihrem ursprünglichen Zweck (Drug Repurposing) ebenso wie kombinierte Therapien hohes Potenzial haben.“

Vorteil des Drug Repurposings ist, dass die verwendeten Medikamente sicher und leicht verfügbar sind. Laut Halatsch wird der Cocktail CUSP9v3 von den Patienten adäquat vertragen.

Folgestudie geplant

In die aktuelle Studie werden keine neuen Patienten mehr aufgenommen. Wenn sich aber die positiven ersten Ergebnisse im Verlauf der nächsten sechs Monate bestätigen, ist eine größere klinische Folgestudie mit Glioblastom geplant.

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 7.000 Menschen an einem Hirntumor, bei mehr als der Hälfte liegt ein Glioblastom vor. Bis heute ist die Erkrankung des zentralen Nervensystems unheilbar. Grund ist, dass sich die Tumorzellen im Gehirn netzwerkartig ausbreiten. Nach der Diagnose leben die Patienten im Schnitt 14 Monate. Ein Langzeitüberleben ist selten.

Foto: © Hanna - Fotolia.com

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Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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