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Übliche Thromboseprophylaxe reicht bei COVID-19-Patieten offenbar nicht

Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden, erleiden oft Thrombosen. Eine Fallstudie aus der Schweiz zeigt nun, dass die üblichen Heparinspritzen thromboembolische Ereignisse nicht verhindern können. Die Ärzte mahnen darum eine bessere Prophylaxe an.
COVID-19-Patieten benötigen eine intensivierte Thromboseprophylaxe

COVID-19-Patieten benötigen eine intensivierte Thromboseprophylaxe

Kritische Verläufe von COVID-19 gehen mit einer schweren Lungenentzündung einher. Die Erfahrungen der letzten Wochen haben gezeigt, dass Patienten außerdem Thrombosen und Embolien erleiden. Experten nehmen deshalb an, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 auch die Zellschicht an der Innenseite der Blutgefäße, das sogenannte Endothel, angreift. Die Folge ist eine unkontrollierte Blutgerinnung.

Am Kantonsspital Freiburg (Schweiz) haben die Ärzte deshalb Anfang April begonnen, alle Patienten mit COVID-19 regelmäßig mit einem Duplex-Ultraschall auf Thromben im Halsbereich sowie an Armen und Beinen zu untersuchen. Bestand ein Verdacht auf Lungenembolie wurde eine Angiografie mittels Computertomografie durchgeführt, die eine Blockade von Lungenarterien durch Blutgerinnsel sichtbar macht. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Fachjournal „TH Open“ des Thieme, Verlags erschienen.

Thrombose bei mehr als jedem zweiten Intensivpatienten gefunden

Bei 17 von 29 Intensivpatienten entdeckten die Ärzte tatsächlich eine Thrombose. Das sind knapp 60 Prozent. Zwei Patienten hatten sogar eine Lungenembolie. Bei den Patienten mit Thrombosen war der D-Dimer-Wert erhöht, das ist jener Wert, der den Abbau von Blutgerinnseln anzeigt. Bei einigen Patienten war auch der LDH-Wert erhöht. Das Enzym tritt bei einer Schädigung des Gewebes aus den Zellen ins Blut. Von 29 weiteren Patienten, die auf einer Normalstation wegen COVID-19  behandelt wurden, wiesen sechs eine venöse Thromboembolie auf. Das sind immerhin 20 Prozent.

 

Thrombose trotz Prophylaxe

Das Erstaunliche: Die meisten COVID-19 Patienten hatten bei Diagnosestellung bereits die in der Klinik übliche Thromboseprophylaxe erhalten: entweder einmal täglich eine Injektion von Enoxaparin oder zwei Injektionen unfraktionierter Heparine am Tag erhalten. Da es trotz dieser Schutzmaßnahmen zu Thrombosen kommen kann, sollten nach Ansicht der Studienärzte alle COVID-19-Patienten eine erhöhte medikamentöse Prophylaxe erhalten und regelmäßig mittels Duplex-Ultraschall untersucht werden.

Mehr blutgerinnunsghemmende Medikamente nötig

Die Schweizer Ärzte hatten daraufhin ihr Therapieschema geändert und alle Intensivpatienten, bei denen eine Thrombose entdeckt wurde, mit einer therapeutischen Dosis Enoxaparin oder unfraktionierter Heparine behandelt. Auf den Normalstationen kam Rivaroxaban zum Einsatz, das ebenfalls die Blutgerinnung hemmt. „In den ersten vier Wochen nach der Einführung des neuen Schemas ist es an der Klinik zu einem deutlichen, aber nicht vollständigen Rückgang von neuen Venenthrombosen und Lungenembolien gekommen", berichtet der leitende Arzt der Angiologie, Daniel Périard.

Ergänzende Kompressionstherapie empfohlen

Seiner Ansicht nach sollte die medikamentöse Prophylaxe durch eine Kompressionstherapie ergänzt werden. Kompressionsverbände reichten auf Normalstationen aus, dagegen sollten Intensivpatienten eine intermittierende Kompressionstherapie erhalten. Dabei werden die Beine von Luftkissen umschlossen, deren Druck regelmäßig verändert wird. Diese Behandlung soll die Muskelpumpe ersetzen, die bei gesunden Menschen die Bildung von Thrombosen in den Beinvenen verhindert.

Fazit der Studienautoren: Bei klinischen COVID-19-Patienten sollte mittels bildgebender Verfahren gezielt nach Thrombosen gesucht und eine intensivierten Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten durchgeführt werden. Darüber hinaus könnte auch eine Kompressionstherapie hilfreich sein.

Foto: © Adobe Stock/felipecaparros

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
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