. Körperhygiene

Übertriebenes Duschen schadet der Haut

Gerade im Sommer ist ein Leben ohne Dusche unvorstellbar. Es erfrischt und dient der Körperhygiene. Übermäßiges Duschen jedoch kann den Säureschutzmantel der Haut angreifen – und schadet ihr mehr, als es ihr nützt.
Dunkelhaarige Frau unter Dusche wäscht sich die Haare

Das beste "Körperreinigungsmittel" ist Wasser, sagen Dermatologen. Waschaktive Substanzen wie Duschgels oder Shampoos sollten nur gezielt und sparsam verwendet werden.

Die oberste Schicht der Haut besteht aus abgestorbenen Hornzellen, verklebt mit Eiweiß und Fett. Ein zusätzlicher, dünner Film darauf aus Schweiß, Talg und Wasser lässt auf jedem Quadratzentimeter Millionen von Bakterien, Viren und Milben gedeihen. Schnell duschen gehen? Keineswegs! Was für uns hygienebedachte Zivilisationsmenschen bekämpfenswert klingen mag: So sieht gesunde Haut aus. Sie schützt den Körper vor Austrocknung und schirmt das keimempfindliche Körperinnere hermetisch gegen Krankheitserreger ab. Schweiß und Fett halten die Haut geschmeidig. Wer es mit der Körperhygiene übertreibt, kann den natürlichen Säureschutzmantel aber beschädigen. Krankheitserreger, Allergene und auch Chemikalien können so leichter in den Körper eindringen. Mögliche Folgen: Juckreiz, Hautreizungen, Kontaktallergien, Ekzeme.

Zu viel Hygiene kann Körpergeruch sogar verstärken

Der „Säureschutzmantel“ der Haut hat seinen Namen daher, dass die Hautoberfläche von Natur aus leicht sauer ist – bei einem pH-Wert von 4,8 bis 5,3. Seifen aber besitzen einen alkalischen pH-Wert von 8 bis 11. Wer sich kräftig einseift, tötet damit auch einen Teil der guten Hautbakterien ab und entfernt auch die körpereigenen Schutzfette. Bei gesunder Haut kann sich der pH-Wert innerhalb einiger Stunden regenerieren. Aber wer ihn durch übermäßiges Duschen oder Waschen zerstört, bewirkt das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist: Es vermehren sich Bakterien, die ungesund sind für die Haut – und die unangenehmen Körpergeruch sogar verstärken.

 

Bei gesunder Haut: Einmal Duschen am Tag ist okay

Was ist beim Duschen das gesunde Maß? „Aus dermatologischer Sicht ist es durchaus empfehlenswert, jeden Tag zu Duschen – zumindest, wenn man eine normale Haut hat“, heißt es beim Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Wer viel schwitzt, körperlich arbeitet oder Sport treibt, kann demnach ohne Bedenken bis zu zwei Mal am Tag duschen. Für eine gute Körperhygiene und eine geschmeidige Haut reicht es Dermatologen zufolge aus, täglich die Zonen mit der jeweils höchsten Dichte an Schweißdrüsen und Bakterien mit warmem Wasser zu reinigen. Zu diesen Körperstellen gehören neben den Achselhöhlen Hände, Füße und der Intimbereich.

Empfindliche Haut: Kurz duschen und nie zu heiß

Bei Menschen mit empfindlicher Haut sieht das schon anders aus. Bei einer gestörten Hautfunktion empfehlen Ärzte, das Duschen vorsichtig zu handhaben. Zu dieser Risikogruppe gehört man, wenn die Haut oft trocken ist und spannt, schnell juckt oder sich rötet. Dann empfiehlt es sich, möglichst kurz zu duschen und möglichst kühl oder lauwarm, denn: Heißes Duschen beeinträchtigt den feinen Wasser-Fett-Film, der die Hautoberfläche schützt. Manche Experten sagen sogar:  Kaltes Wasser entfernt Keime genauso gut wie heißes. Eine Alternative für Hautempfindliche kann auch sein: Nicht den ganzen Körper, sondern gezielt besonders verschwitzte oder verschmutzte Partien Waschen. Es gibt sogar Experte, die Menschen mit empfindlicher Haut raten: „Zwei- bis dreimal pro Woche duschen reicht vollkommen aus.“

Waschaktive Duschgels: Nur für die muffelnden Stellen

Waschaktive Duschgele haben die Aufgabe, die Haut an den Stellen zu reinigen, die stark mit Schweiß-, Talg- oder Duftdrüsen besetzt sind. Das sind die Regionen Kopfhaut, Gesicht, Achseln, Intimregion und Füße. An Armen und Beinen sollte die Kontaktzeit für Duschgels wesentlich kürzer sein. Vorsicht gilt auch gegenüber Peeling-Mitteln, die nicht nur den beschriebenen Hydro-Lipid-Film, sondern auch die 0,01 Millimeter dünne oberste Hautschicht entfernen können. Haarshampoos wirken noch stärker entfettend als Duschgels. Deshalb: Nur kurz einwirken lassen und nur über den Kopf abspülen, damit das Produkt nicht am ganzen Körper wirkt.

Tipps für hautfreundliches Duschen

  • Nicht länger als sieben bis zehn Minuten duschen
  • Nicht zu heiß duschen (max. 36 Grad), um den Wasser-Fett-Schutzfilm nicht zu schädigen
  • Milde Flüssigseife mit dem natürlichen pH-Wert der Haut (5,5) bevorzugen
  • Möglichst keine antiseptischen (= Bakterien abtötenden) Reinigungsmittel verwenden.
  • Hautpeelings meiden. Sie entfernen die natürliche Schutzschicht.
  • Haut nicht mit dem Badetuch abrubbeln (wirkt wie ein Peeling und trocknet die Haut aus)
  • Die zweite Dusche am Tag (im Sommer, nach dem Sport etc.): ohne Reinigungsmittel
  • Trockene Haut nach dem Duschen eincremen (Pflegemilch, Cremes mit Harnstoff)
  • Allergiker: auf allergene Bestandteile in Duschgels achten

(Quelle: hautarzt-senger.de)

Foto: Fotolia.de/Yakobchuk Olena

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Hauptkategorie: Medizin
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