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Übersterblichkeit in Deutschland viel geringer als offizielle Zahl der Covid-Toten

Die Übersterblichkeit in Deutschland liegt bisher bei 40.000. Das ist weniger als die Hälfte der gemeldeten Corona-Toten.
Deutschland verzeichnet eine relativ geringe Übersterblichkeit

Deutschland verzeichnet eine relativ geringe Übersterblichkeit

Das „World Mortality Dataset“ - eine Globale Studie zur Sterblichkeit in der COVID-19-Pandemie zeigt weltweit große Unterschiede. Während die Todeszahlen in einigen lateinamerikanischen Ländern in der Pandemie um mehr als die Hälfte stiegen, starben in Australien und Neuseeland sogar weniger Menschen als in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie. In Deutschland blieb die Übersterblichkeitsrate – also die Zahl der Toten über die zu erwartende Sterblichkeitsrate hinaus – unter der der europäischen Nachbarländer.

Übersterblichkeit von 40.000 in Deutschland

Die Studie basiert auf der aktuell größten Sammlung weltweiter Sterbedaten, die Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Hebräischen Universität Jerusalem aufgebaut haben. Die Ergebnisse werden regelmäßig aktualisiert. Nach der jüngsten Auswertung – soeben als Preprint veröffentlicht im Fachjournal eLife - lag die Übersterblichkeit in Deutschland in der Pandemie bisher bei rund 40.000 Verstorbenen. Das Robert-Koch-Institut meldete zum Zeitpunkt der Auswertung mehr als doppelt so viele, nämlich 90.000 Covid-Tote.

 

Schutzmaßnahmen haben vermutlich Todeszahlen gedrückt

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Studienautor Dr. Dmitry Kobak von der Uni Tübingen vermutet, dass die Corona-Schutzmaßnahmen andere Todesfälle verhindert haben könnten. „Wahrscheinlich sind die Sterbezahlen bei anderen Atemwegserkrankungen während der Wintermonate gesunken.“ Auf die Grippe trifft dies auf jeden Fall zu – eine Grippewelle gab es während der Pandemie praktisch nicht. Versicherer melden zudem weniger Unfalltote – weil viel mehr Menschen als sonst zu Hause geblieben sind.

Polen hat sechsmal so viele Coronatote wie Deutschland

Im Vergleich zu seinen Nachbarländern steht Deutschland relativ gut da. Die 40.000 Verstorbenen der Übersterblichkeitsstatistik entsprechen 50 zusätzlichen Toten pro 100.000 Einwohner. In den Niederlanden; Österreich und Frankreich lag diese Zahl hingegen jeweils bei 110; in Belgien bei 140; in der Schweiz bei 100; in Tschechien bei 320 und in Polen bei 310. Nur Dänemark verzeichnete als einziges Nachbarland keine Übersterblichkeit.

Weltweit am schlimmsten von COVID-19 betroffen waren vor allem Peru, Ekuador, Bolivien und Mexiko – die Übersterblichkeit lag in diesen Ländern bei mehr als 50 Prozent über der zu erwartenden jährlichen Sterblichkeitsrate.

„Insgesamt erhalten wir durch unsere Ergebnisse ein umfassendes Bild der Folgen der COVID-19-Pandemie. Wir hoffen, dass wir so ein besseres Verständnis der Pandemie erlangen und sich der Erfolg verschiedener Eindämmungsmaßnahmen besser erfassen lässt“, sagt Kobak. „Unser Datenbestand soll auch anderen Forschern helfen, ihre Fragen zur Pandemie zu beantworten.“

Der World Mortality Dataset soll noch ausgebaut und weiterhin aktualisiert werden, kündigten die Forscher an. Aktuell umfasst er 103 Länder.

Foto: © Adobe Stock/ Photographee.eu

Autor: ham
 

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