. Herz-Kreislauf-System

Überraschend viele jüngere Frauen mit Vorstufe der Herzinsuffizienz

Die Vorstufen von Herzinsuffizienz treten in der Bevölkerung häufiger auf als gedacht. Überraschend ist, dass viele jüngere Frauen betroffen sind, die keine Risikofaktoren für eine mögliche Herzerkrankung aufweisen.
Atemnot, Herzschwäche, Kurzatmigkeit, Herzinsuffizienz

Atemnot kann Anzeichen einer Herzinsuffizienz sein

Die Vorstufen von Herzinsuffizienz treten in der Bevölkerung häufiger auf als gedacht. Auffällig ist, dass viele jüngere Frauen betroffen sind, die keine Risikofaktoren für eine  mögliche Herzerkrankung aufweisen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg.

Die STAAB-Studie startete vor sieben Jahren. Eine repräsentative Stichprobe von 5.000 Würzburgern wurden seither mindestens einmal, die meisten bereits zweimal umfassend untersucht. Die erste große Auswertung wurde nun im Fachmagazin European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht.

Wie häufig treten die Stadien A und B auf?

In der Studie wird erforscht, wie häufig die Vorstufen der Herzinsuffizienz, die Stadien A und B, in der Bevölkerung im Alter von 30 bis 79 Jahren auftreten. Untersucht wird auch, wie die Vorstufen mit Risikofaktoren wie Lebensstil und Vorerkrankungen zusammenhängen und wie oft und wie schnell Betroffene in ein höheres Stadium der Herzinsuffizienz übergehen.

Von den Untersuchten befanden sich 42 Prozent im Stadium A. Das heißt: Sie haben einen oder mehrere Risikofaktoren für Herzschwäche, aber ihr Herz sieht im Ultraschall normal aus. Mit 45 Prozent am meisten verbreitet ist der Risikofaktor Bluthochdruck. An zweiter Stelle steht mit 20 Prozent starkes Übergewicht.

 

Vorstufen werden nicht zwingend zur Herzschwäche

17 Prozent der Studienteilnehmer sind schon im Stadium B. Bei ihnen wurde im Ultraschall eine strukturelle Veränderung am Herzen gefunden, die aber noch keine Symptome verursacht wie verdickte Herzwände, erweiterte Herzkammern oder Einschränkungen der Pump- oder Füllungsfunktion. Zusammengenommen bedeutet das aber noch nicht, dass 59 Prozent der Bevölkerung herzkrank sind.

"Eine Vorstufe der Herzinsuffizienz mündet nicht zwingend in eine klinische Herzschwäche. Aber die Stadien A und B der Herzinsuffizienz sind Warnzeichen, die ernst genommen werden und ärztlich abgeklärt werden sollten, zumal diese Risiken auch zahlreiche andere gesundheitliche Folgen haben können", so Prof. Götz Gelbrich vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie in einer Pressemitteilung.

Überraschend viele jüngere Frauen mit Vorstufe der Herzinsuffizienz

Erstaunlich war, dass etwa jeder dritte Proband, der sich im Stadium B befand, keinen der bekannten Risikofaktoren hatte, der ihn für Gruppe A qualifiziert hätte (Bluthochdruck, Übergewicht u.a.). Diese Untergruppe war mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren auffällig jung und vorwiegend weiblich (78 Prozent). Überraschend viele jüngere Frauen weisen also Vorstufen der Herzinsuffizienz auf.

Was schädigt vor allem die Herzen jüngerer Frauen? "Wir können uns derzeit nicht erklären, was dazu beiträgt, dass so viele überwiegend jüngere Frauen eine vergrößerte linke Herzkammer haben, ohne dass wir einen der bekannten Risikofaktoren finden", so Dr. Caroline Morbach, Kardiologin und Studienärztin am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz DZHI.

Frauen in Stadium B lebten sogar tendenziell gesünder

"Wir haben sehr viele Faktoren unter die Lupe genommen, Alkohol, Bewegung, Depression, eine Anämie, also einen Mangel an rotem Blutfarbstoff, der den Sauerstoff transportiert. Aber wir haben keine eindeutige Ursache gefunden. Die B-Gruppe ohne klassischen Risikofaktor lebt sogar tendenziell gesünder als die Studienteilnehmer, die eine normale Größe und Funktion des Herzens aufweisen", erläutert Morbach weiter.

Prof. Stefan Störk, Leiter der klinischen Forschung am DZHI, ergänzt: "Es liegt nahe, dass es Risikofaktoren gibt, die bislang nicht als solche bekannt sind und nach denen daher bisher auch in der Vorsorge nicht gesucht wird. Das zeigt uns, dass bei dieser Gruppe die derzeitigen Präventionsmaßnahmen nicht greifen."

Suche nach bislang unbekannten Risikofaktoren

Prof. Peter U. Heuschmann, Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie, resümiert: „Im Rahmen der geplanten Folgeuntersuchungen aller Studienteilnehmer werden wir untersuchen, ob diese spezielle Gruppe wirklich ein höheres Risiko hat, eine Herzschwäche zu entwickeln. Und wir gehen der Frage nach weiteren möglichen Risikofaktoren detailliert nach.“ Die Folgeuntersuchungen sollen im Abstand von drei bis vier Jahren stattfinden.

Foto: Adobe Stock/RFBSIP

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzinsuffizienz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzinsuffizienz

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.