. Adipositas

Übergewicht hängt vom Lebensstil der Mutter ab

Falsche Ernährung und Bewegungsmangel gelten als die Übeltäter von Übergewicht schlechthin. Jetzt haben Charité-Forscher in einer internationalen Studie gezeigt, dass die Veranlagung zu Übergewicht bereits vor der Geburt geprägt wird.
Übergewicht hängt vom Lebensstil der Mutter ab

Essen für zwei begünstigt Übergewicht der Kinder

Laut Robert Koch-Institut (RKI) haben 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Übergewicht, bei sechs Prozent ist es so ausgeprägt, dass man von Adipositas also Fettleibigkeit spricht. Über die Hälfte der erwachsenen Frauen ist mittlerweile übergewichtig, bei Männern sind es sogar zwei Drittel.

Dass die Veranlagung zu Übergewicht schon im Mutterleib entsteht, haben Wissenschaftler der Charité jetzt in einer internationalen Studie gezeigt: Babies mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm haben demnach in ihrem späteren Leben ein doppelt so hohes Risiko, übergewichtig zu werden, wie normalgewichtige Neugeborene. Den Wissenschaftlern zufolge hängt das Risiko für Übergewicht entscheidend vom Lebensstil der Mutter während der Schwangerschaft ab. „Übergewicht, Überernährung, Bewegungsmangel und daraus resultierende Stoffwechselerkrankungen während der Schwangerschaft können zu einem hohen Geburtsgewicht führen“, sagt Studienleiter Prof. Andreas Plagemann von der Klinik für Geburtsmedizin an der Charité Berlin. „Der Verlauf der Schwangerschaft erweist sich noch mehr als bisher als entscheidender Weichensteller für die Gesundheit des Kindes in seinem ganzen Leben.“

Ab vier Kilo Geburtsgewicht verdoppelt sich das Risiko für lebenslanges Übergewicht

Um den Zusammenhang zwischen dem individuellen Gewicht bei der Geburt und dem Risiko einer späteren Übergewichtigkeit zu untersuchen, hat das Forscherteam um Plagemann 66 Studien ausgewertet, die hierzu weltweit durchgeführt wurden. Insgesamt wurden die Daten von mehr als 640.000 Probandinnen und Probanden im Alter von bis zu 75 Jahren aus 26 Ländern und fünf Kontinenten in die Meta-Analyse einbezogen.

„Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass eine Prävention von Übergewicht für das gesamte spätere Leben schon vor der Geburt möglich ist“, betont Prof. Plagemann mit Blick auf werdende Mütter. Denn die legen ihren Kindern nicht nur ein erhöhtes Risiko für Übergewicht in die Wiege, sondern auch für Folgeerkrankungen. Altersdiabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen treten bei stark übergewichtigen Kindern später im Erwachsenenalter deutlich häufiger auf, werden aber auch schon im Kindesalter zunehmend beobachtet. Außerdem finden die Betroffenen ihr Übergewicht häufig als psychosoziale Belastung.

Wie die Gesundheitsstudie DEGS des RKI zeigt, nimmt der Anstieg von Diabetes insbesondere bei stark übergewichtigen Männern und Frauen zu. Gegenüber 1998 ist der Anteil der diabeteskranken Menschen von damals 5,2 Prozent der Gesamtbevölkerung auf heute 7,2 Prozent angestiegen. Außerdem gehen die RKI-Forscher davon aus, dass noch einmal bis zu zwei Prozent der Bevölkerung einen unerkannten Diabetes haben. Auch wenn sie - noch - nichts von ihrer Krankheit wissen, werden auch diese Patienten irgendwann unter den Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden leiden.

Wann ist ein Kind zu dick?

Ein Kind gilt als zu dick, wenn es 20 Prozent mehr wiegt als der Durchschnitt der Kinder in seinem Alter. Wo dieser Durchschnitt für die einzelnen Altersgruppen liegt, zeigt die Gewichtskurve im gelben Vorsorgeheft. Übersteigt die individuelle Gewichtskurve die 90. oder gar die 97. so genannte Perzentile der Durchschnittskurve, gilt das Kind als übergewichtig oder fettleibig.

Foto: © Light Impression - Fotolia.com

Hauptkategorien: Prävention und Reha , Berlin , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Schwangerschaft

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Kinderärzte fordern eine bessere Versorgung von chronisch kranken Kindern. Schon die jüngsten leiden an Diabetes, Rheuma und anderen Erkrankungen, die ihr Leben massiv beeinträchtigen. Hinzukommen immer öfter psychische Auffälligkeiten.
Eine Umfrage der Siemens-Betriebskrankenkasse zeigt: Mutter-/Vater-Kind-Kuren helfen den Familien langfristig, ihr Wohlbefinden zu stärken. Noch Monate nach der Kur schätzen 72 Prozent der Befragten ihre Gesundheit als „gut“ oder „sehr gut“ ein.
Rauchen und schlechte Mundhygiene gelten gemeinhin als Auslöser von Parodontitis. Doch auch die genetische Veranlagung spielt bei der chronischen Zahnfleischentzündung eine Rolle. Das konnten Wissenschaftler der Charité jetzt in einer Studie zeigen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.