HEALTH + SECURITY
Magazin für KRITIS und Gesundheit
Die HEALTH + SECURITY vermittelt Informationen zu Hintergründen und Trends im Bereich Gesundheit und IT-Sicherheit. Die Zeitschrift versteht sich als Einladung zum Dialog und ist ein Beitrag zur Debatte um die künftige Sicherheit in Deutschland.
Das gedruckte Magazin erscheint halbjährlich und wird von der Gesundheitsstadt Berlin GmbH in Kooperation mit der KRITIS & cyber GmbH herausgegeben.
Online finden Sie wöchentlich neue Beiträge.
Gesundheit und Sicherheit gehören zusammen
03/2026 | EDITION 01
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren findet sich Europa unvorbereitet in einen hybriden Abnutzungskrieg wieder. Diese Form der Kriegsführung ist spezialisiert auf den Einsatz gegen Demokratien. Sie zielt auf Erschöpfung, Verunsicherung, Destabilisierung und Zerstörung von Vertrauen.
Hybride Bedrohungen, Cyberangriffe, Sabotageakte und bewaffnete Konflikte zeigen, dass Versorgungssicherheit keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das Gesundheitswesen steht dabei im Fokus: als kritische Infrastruktur, als Rückgrat des Zivilschutzes und als unverzichtbarer Bestandteil einer gesamtstaatlichen Verteidigung.
Der jüngste Angriff auf das Berliner Stromnetz zeigte auf drastische Weise, wie verletzlich unsere Kliniken und Versorgungsstrukturen tatsächlich sind. Die Zeitenwende hat den zivilen Bereich erreicht. Krankenhäuser, Rettungsdienste, ambulante Versorgung und öffentliche Gesundheitsstrukturen sind integraler Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur und der gesellschaftlichen Stabilität und Resilienz. Entsprechend sind sie von der hybriden Kriegsführung besonders betroffen.
Um die Resilienz zu stärken, braucht es klare Maßstäbe und Metriken für Auslösemechanismen, ein bundeseinheitliches Lagebild, dezentrale Bevorratung von Arzneimitteln und Sanitätsmaterial, verbindliche Regeln zur länderübergreifenden Patientenverteilung sowie rechtssichere Instrumente für Personal und kritische Infrastruktur. Eine neue Studie zur Resilienz deutscher Krankenhäuser nennt fünf Schwachstellen: Personalkapazitäten, Cybersicherheit, physische Sicherheit, Lieferengpässe und CBRN-Ereignisse (chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefährdungen).
Resilienz wird zur dauerhaften kritischen Fähigkeit und zur verbindlichen Organisations- und Organpflicht. Staat, Institutionen und Bevölkerung müssen gemeinsam in der Lage sein, Krisen zu bewältigen. Gesundheitssicherheit und Gesamtverteidigung, das Zusammenspiel von zivilem und militärischem Gesundheitswesen, gehören zusammen. Auch Deutschland braucht eine integrierte Health Security-Strategie als Bestandteil der nationalen Sicherheit und Souveränität.
Unsere Städte müssen krisenfester werden, das heißt gesünder und sicherer. Der militärische Sektor hat seit zwei Jahren einen Operationsplan; der zivile Sektor, Wirtschaft und Gesellschaft, brauchen jetzt einen Resilienzplan.