Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.07.2020

Über den Darm ins Gehirn: Probiotika können Depressionen lindern

Probiotika sind Bakterien, die das Mikrobiom im Verdauungstrakt positiv beeinflussen. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Probiotika auch Symptome von Depressionen lindern können, vor allem wenn sie mit Präbiotika kombiniert werden.
Antientzündlich, antidepressiv: Probiotika werden zahlreiche positive Effekte nachgesagt

Antientzündlich, antidepressiv: Probiotika werden zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit nachgesagt

Die Schleimhaut im Darm beherbergt ein komplexes mikrobielles Ökosystem. Dieses Mikrobiom unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie Menschen Nährstoffe verarbeiten, vor Krankheitserregern geschützt sind und wie sich das Immunsystem entwickelt. Ernährungsweisen, Stress, Antibiotika-Behandlungen, Infektionen und andere Faktoren können dieses Ökosystem jedoch stören. Aus einem ausgewogenen Mikrobiom wird dann eines, das Schaden anrichtet. Stoffwechsel-, Entzündungs- und Autoimmunkrankheiten können die Folge sein bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen. Denn Zwischen dem Gehirn und dem Verdauungstrakt besteht eine wechselseitige Beziehung. Man spricht von der Darm-Hirn-Achse.

Lebende Bakterien boomen

Probiotika sollen helfen, das aus dem Gleichgewicht geratene Darmmikrobiom wieder in Ordnung zu bringen. Probiotika kommen vor allem in fermentiertem Essen wie beispielsweise Kimchi vor (gibt es in asiatischen Supermärkten.) Die lebende Bakterien gibt es aber auch in unterschiedlicher Zusammensetzung in der Apotheke zu kaufen. Die Präparate erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens IQVIA stieg der Umsatz von Probiotika, deren Ziel der Verdauungstrakt ist, innerhalb der vergangenen 5 Jahre um durchschnittlich 15 Prozent auf zuletzt 152 Millionen Euro im Jahr 2018. Vor allem werden Probiotika immer häufiger parallel oder nach einer Antibiotikatherapie eingenommen und zum Teil auch von Ärzten verschrieben. In der Wissenschaft sind Probiotika allerdings umstritten, manchmal wird sogar von schädlichen Wirkungen berichtet.

 

Probiotika lindern depressive Symptome

Anders eine neue Meta-Studie aus England. Wissenschaftler der Brighton & Sussex Medical School haben die Ergebnisse von 7 Studien aus den vergangenen 15 Jahren zum Thema Wirkung von Probiotika und Präbiotika analysiert. Präbiotika fördern die Entwicklung probiotischer Bakterien und sind zum Beispiel in Chicorée enthalten.

Die Anlayse zeigte, dass insbesondere eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika gegen Depression hilft. Vor allem, wenn die Depression mit Magen-Darm-Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom verbunden war, konnte der Ansatz die Symptome der Depression lindern. Präbiotika alleine hatten dagegen keine signifikante Wirkung. Keinen Effekt hatten die Bakterien außerdem auf Angstzustände.

Die Behandlung des Mikrobioms durch Probiotika und Präbiotika sei ein möglicherweise hilfreicher Zusatz zur klassischen Therapie bei Depressionen, schreiben die Autoren der Meta-Analyse.

Probiotika gut fürs Herz

Die Mikrobiomforschung steht indes noch ganz am Anfang. Und wie immer bei neuen Ansätzen gibt es Skeptiker und Befürworter. Prof. Ingrid Fleming vom „Institute for Vascular Signaling“ der Goethe Universität in Frankfurt am Main, die über Gefäßentzündungen im Herz-Kreislaufsystem forscht, gehört zu den Befürwortern. Fleming vermutet, "dass es künftig zur Entwicklung einer Welle von Probiotika kommen wird, die die Darmflora und die Bildung von Stoffwechselprodukten verändern sollen, um das Herz zu schützen."

Foto: © Adobe Stock/ magele-picture

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Probiotika , Depression
 

Weitere Nachrichten zum Thema Probiotika

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Sommerhitze kann Spaß und Freibad bedeuten –aber auch in der Notaufnahme enden. Der Körper trocknet aus, mit der Folge, dass der Kreislauf verrücktspielt, Menschen verwirrt sind oder die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr sinkt. Das Wichtigste ist: viel trinken, aber nicht zu Kaltes. Denn das verstärkt das Schwitzen – und damit das Problem.


Covid-Patienten scheinen schneller zu genesen, wenn sie ACE-Hemmer vorübergehend absetzen. Entsprechende Hinweise liefert eine klinische Studie. Vor allem ältere Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen profitieren demnach von einer Pause.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin