. Supportive Therapie

Übelkeit bei Krebs nicht ausreichend behandelt

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie. Leitlinien sehen zwar eine prophylaktische Behandlung vor, doch bei der Umsetzung klafft eine gewaltige Lücke.
S3 Leitlinie empfiehlt Krebspatienten Medikamente gegen Übelkeit: Bei zwei von drei Patienten wird die Empfehlung jedoch nicht umgesetzt.

S3 Leitlinie empfiehlt Krebspatienten Medikamente gegen Übelkeit: Bei zwei von drei Patienten wird die Empfehlung jedoch nicht umgesetzt.

Krebstherapien, insbesondere die Chemotherapie, führen oft zu schweren Nebenwirkungen. Nach Fatigue und Haarausfall steht Übelkeit an dritter Stelle. Einer Studie zufolge sind 51 Prozent der Patienten von dieser unangenehmen Begleiterscheinung betroffen, bei 28 Prozent kommt Erbrechen hinzu. In der S3-Leitlinie „Supportive Therapie“ wird ausdrücklich eine prophylaktische medikamentöse Behandlung gegen Übelkeit empfohlen. Doch wie Untersuchungen zeigen, wird die Empfehlung bei zwei von drei Patienten nicht ausreichend umgesetzt. Dabei wird Übelkeit von den Patienten als die stärkste Beeinträchtigung empfunden.

Ärzte haben Übelkeit nicht im Blick

„Es klafft eine Schere zwischen der Erwartungshaltung von Ärzten und Patienten“, erläuterte Prof. Petra Feyer, Vorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft auf dem Krebsaktionstag am Samstag in Berlin diesen Befund. So rechneten viele Ärzte nicht damit, dass Übelkeit nicht nur unmittelbar nach Gabe der Chemotherapie auftreten könne, sondern auch noch Wochen später, zitierte Feyer Studienergebnisse. In der Folge seien über 70 Prozent der Patienten nicht ausreichend versorgt. Die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie am Vivantes Klinikum Neukölln appellierte für eine leitliniengerechte Therapie. „Es gibt wirksame Medikamente gegen Übelkeit“, sagte sie und Patienten sollten diese unbedingt bekommen. Viel versrechende Neuentwicklungen seien sogenannte 5-HT3-Antagonisten und NK1 Antagonisten.

Besonders prädestiniert für Übelkeit und Erbrechen sind der Krebsexpertin zufolge Frauen und Kinder. Daneben haben Patienten mit Krebs im Spätstadium sowie stark psychisch belastete Patienten ein hohes Risiko. Auch wer bereits negative Vorerfahrung gemacht hat, leidet deutlich häufiger unter Übelkeit.

Krebspatienten brauchen körperliche Aktivität

Die S3-Leitlinie Supportive Therapie wurde speziell für Krebspatienten entwickelt. Im Fokus steht die Verbesserung der Lebensqualität. Anders als früher empfiehlt man Krebspatienten heute körperliche Aktivität. Mit gezielten Bewegungstrainings könnten viele Begleiterscheinungen gelindert und die Lebensqualität verbessert werden, sagte Krebsexpertin Feyer. Jeder könne selbst dafür etwas tun, etwa mit dem Fahrrad statt dem Auto fahren. Schonung sei für Krebspatienten nicht mehr zeitgemäß.

Foto: Vadim Guzhva

Hauptkategorien: Berlin , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Maritim proArte Hotel Berlin, Friedrichstraße 150-153, 10117 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.