Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.02.2020

Typ-1-Diabetes: Früherkennung könnte schwerwiegende Folgen verhindern

Forscher haben in einer groß angelegten Studie den weltweit ersten Früherkennungstest für Typ-1-Diabetes erfolgreich getestet. Die Wissenschaftler plädieren nun für eine Aufnahme der Früherkennung in die Regelvorsorge. Damit ließen sich schwerwiegend Folgen wie die diabetische Ketoazidose verhindern.
Typ-1-Diabetes, Früherkennungstest, Diabetes

Forscher haben einen Früherkennungstest auf Diabetes Typ 1 entwickelt; damit soll schwerwiegenden Folgen wie der diabetischen Ketoazidose entgegengewirkt werden

Es ist der weltweit erste Früherkennungstest auf Diabetes Typ 1, den Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in einer großen, bayernweit angelegten Bevölkerungsstudie eingesetzt haben. Damit werden Insel-Autoantikörper entdeckt, die darauf hinweisen, dass das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift – die Ursache für Typ-1-Diabetes. Diese Antikörper können bereits Jahre, bevor erste Erkrankungssymptome auftreten, im Blut erkannt werden. Mit dem Screening ist es damit erstmals möglich, bereits präsymptomatische Stadien von Typ-1-Diabetes zu diagnostizieren.

Frühdiagnostik wichtig für rechtzeitige Behandlung

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen. „Wir arbeiten an einer Welt ohne Typ-1-Diabetes“, erklärt Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. Damit Typ-1-Diabetes jedoch früh genug behandelt werden kann, muss die Krankheit rechtzeitig erkannt werden. „Dazu brauchen wir eine entsprechende Diagnostik in Kindesalter“, so Ziegler.

Gemeinsam mit ihrer Forschungsgruppe rief die Expertin die Studie „Fr1da“ ins Leben. Insgesamt 90.632 Kinder nahmen daran teil. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Screening das Fortschreiten von präsymptomatischem Typ-1-Diabetes zur gefährlichen diabetischen Ketoazidose verhindern kann.

 

Diabetische Ketoazidose soll verhindert werden

„Ein potenzieller klinischer Nutzen der Früherkennung von präsymptomatischem Typ-1-Diabetes besteht in einer Reduktion der gefährlichen diabetischen Ketoazidose“, erklärt Ziegler. In der aktuellen Studie lag die Prävalenz dafür bei weniger als fünf Prozent. In Deutschland erleiden aktuell noch mehr als 20 Prozent der nicht-getesteten Kinder eine diabetische Ketoazidose, in den USA sind es 40 Prozent.

Dies lässt vermuten, dass durch Screenings die Schwere des Krankheitsverlaufs nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gemindert werden kann. Nach Ansicht der Autoren liefert die Studie damit auch eine Grundlage, neue Richtlinien für künftige Diagnoseverfahren zu formulieren und eine Empfehlung hinsichtlich einer Aufnahme der Screenings in den Leistungskatalog der Regelvorsorge zu diskutieren.

Früherkennungstest als Kassenleistung?

In einem nächsten Schritt werden die Forscher eine Kosten-Nutzen-Analyse des Screenings durchführen. Sie könnte die Aufnahme des Screenings für präsymptomatischen Typ-1-Diabetes in die Regelvorsorge der Gesetzlichen Krankenkassen weiter unterstützen. „Die frühzeitige Diagnose würde uns den Weg hin zu einer Welt ohne Typ-1-Diabetes deutlich erleichtern“, so Ziegler.

Zusammen mit einem internationalen Team arbeitet sie intensiv an der Entwicklung einer effektiven Präventionstherapie, mit der der Ausbruch von Typ-1-Diabetes verhindert werden soll. Die frühzeitige Diagnostik ist eine wichtige Voraussetzung für dieses Ziel.

Foto: © Daniel Ernst - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Diabetes , Gesundheitssystem
 

Weitere Nachrichten zum Thema Typ-1-Diabetes

10.11.2016

40 Prozent der jungen Diabetes-Typ-1-Patienten werden nach dem Übergang ins Erwachsenen-Alter nicht mehr richtig medizinisch betreut. Fallmanager können helfen. Das berichtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld des Weltdiabetestages am 14. November.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.


In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Anteil der Geburten per Kaiserschnitt in Deutschland fast verdoppelt – auf zuletzt fast 30 Prozent. Der Richtwert der WHO liegt bei 15 Prozent. Geburtsspezialisten der Medizinischen Hochschule Hannover raten jedoch, pro und contra in jedem Einzelfall besonnen gegeneinander abzuwägen. Ein Kaiserschnitt sei „nicht automatisch besser“ und „in vielen Fällen medizinisch nicht notwendig“.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin