. Welttuberkulosetag 2015

Tuberkulose in Deutschland immer noch eine Bedrohung

Man hielt sie in Deutschland schon fast für besiegt, doch nach wie vor stecken sich hierzulande jedes Jahr Tausende von Menschen mit Tuberkulose an. Experten machen am heutigen Welttuberkulosetag auf das Problem aufmerksam.
Tuberkulose in Deutschland

Am 24. März ist Welttuberkulosetag.

Für viele Menschen ist Tuberkulose ein Problem, das vor allem die Entwicklungsländer betrifft. Doch auch in Deutschland ist die Lungenerkrankung eine ernste Bedrohung. Während die Zahlen der Neu-Infektionen mit Tuberkulose hier viele Jahre rückläufig waren, stagnieren sie seit einiger Zeit. Vom Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Erkrankung bis zum Jahr 2050 zu eliminieren, ist Deutschland noch weit entfernt. „Daher ist eine Intensivierung der Tuberkulosebekämpfung erforderlich, um weitere Fortschritte erzielen zu können“, erklärte Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, kürzlich bei einer Tuberkulose-Tagung.

Mit dem Jahr 2015 startet auch die „End TB-Strategie“ der WHO. Für Niedriginzidenzländer mit weniger als zehn Tuberkulosefällen pro 100.000 Einwohnern soll bis 2035 eine „Präelimination“ mit weniger als einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner erreicht sein, bis 2050 dann die Elimination mit weniger als einer Erkrankung pro einer Million Einwohner. Deutschland gehört zu diesen Niedriginzidenzländern. Um die Quote zu erfüllen, wäre von jetzt an ein jährlicher Rückgang der Tuberkulose-Inzidenz von mehr als zehn Prozent erforderlich.

Tuberkulose-Kontrolle verstärken

Die Erkrankungszahlen gehen jedoch in der Bundesrepublik seit einigen Jahren nicht mehr zurück. Über 4000 Menschen infizieren sich jährlich in Deutschland neu mit dem Tuberkulose-Bakterium. Auch der Anteil der multiresistenten Tuberkulosen ist gestiegen.

Basis für eine erfolgreiche Tuberkulose-Kontrolle ist eine umfassende Surveillance, die zeitliche Entwicklungen, mögliche Einflussfaktoren und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen aufzeigt. Für die Surveillance gewinnen zudem molekularbiologische Verfahren für die Erkennung von Ausbruchsgeschehen und die Aufklärung von Infektionsketten an Bedeutung.

Mit der Erfassung und Übermittlung der Meldedaten und der Durchführung von Umgebungsuntersuchungen zur raschen Unterbrechung von Infektionsketten leisten auch die Gesundheitsämter einen wesentlichen Beitrag zur Tuberkulosekontrolle. „Dafür müssen sie ausreichend personell und finanziell ausgestattet sein“, unterstreicht Professor Wieler. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten medizinischen Einrichtungen und Gesundheitsämtern sowie Informations- und Unterstützungsangebote für Patienten sind von zentraler Bedeutung.

1,6 Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose

Am stärksten verbreitet ist Tuberkulose nach wie vor in den Ländern der Dritten Welt. Jedes Jahr sterben rund 1,6 Millionen Menschen an der Infektion mit dem Tuberkulose-Bakterium. Neben Malaria und Aids ist Tuberkulose damit die weltweit häufigste Infektionskrankheit.

Der Welttuberkulosetag wird jedes Jahr am 24. März begangen, um das Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Das Datum wurde gewählt, weil Robert Koch am 24. März 1882 erstmalig die Entdeckung des Tuberkulose-Bakteriums bekanntgab. Zu dieser Zeit war die Tuberkulose in Europa und Amerika derart weit verbreitet, dass jeder siebte daran starb. 100 Jahre später wurde der Welttuberkulosetag von der WHO und der Internationalen Union gegen Tuberkulose und Lungenerkrankungen ins Leben gerufen.

Foto: © Coloures-pic - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Tuberkulose

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.