Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.03.2018

Tuberkulose-Impfung rückt näher

Zehn Millionen Menschen stecken sich jedes Jahr mit Tuberkulose an. Doch die Chancen stehen gut, dass es bald eine TB-Impfung gibt. Ein Impfstoff-Kandidat hat bereits die klinische Phase II erreicht.
Tuberkulose-Forschung nimmt Fahrt auf: Impfstoffkandidat in Phase II

Tuberkulose-Forschung nimmt Fahrt auf: Impfstoffkandidat in Phase II

Seit fast einhundert Jahren gibt es den BCG-Impfstoff, der Säuglinge vor heftig verlaufenden Tuberkulose-Formen schützt. Gegen die weit verbreitete Lungen-Tuberkulose kann das Vakzin Bacillus Calmette–Guérin jedoch nichts ausrichten. Angesichts von 10 Millionen Neuinfektionen jährlich ist die Entwicklung einer Impfung für Kinder und Erwachsene also dringend geboten. Außerdem sind an Tuberkulose sin den letzten 200 Jahren mehr Menschen gestorben als an Pocken, Malaria, Pest, Grippe, Cholera und AIDS im gleichen Zeitraum zusammen.

Und tatsächlich hat die Forschung derzeit rund ein Dutzend Impfstoff-Kandidaten in der klinischen Pipeline. Einer davon hat jetzt die Zulassung für eine klinische Wirksamkeitsstudie erhalten. Der am Berliner Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie entwickelte Impfstoff VPM1002 soll darin seine Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten beweisen, bei denen die Erkrankung nach einer erfolgreichen medikamentösen Behandlung wieder aufflackert (Rekurrenz).

Studie in Indien mit 2.000 Probanden

VPM1002 wird seit Anfang des Jahres an rund 2.000 Probanden in Indien getestet. 2020 soll die Studie beendet sein. Die Studienteilnehmer waren bereits einmal an Tuberkulose (TB) erkrankt und erfolgreich behandelt worden sind. Jedoch haben sie einen Rückfall erlitten. Dieses Phänomen tritt etwa bei zehn Prozent dieser Patienten auf.

In der Studie wird ein Teil der Probanden wenige Wochen, nachdem sie als geheilt entlassen wurden, mit VPM1002 geimpft. „Wenn VPM1002 die Wiederansteckung dieser besonders schwierigen Gruppe mit wieder aufflackernder Tuberkulose senken kann und sich als gut verträglich erweist, hat er eine entscheidende Hürde auf dem Weg zur Zulassung genommen“, erklärt Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, der das wissenschaftliche Konzept für VPM1002 maßgeblich entwickelt hat.

Bei Neugeborenen war VPM1002 bereits erfolgreich

Dass der Impfstoffkandidat aus Berlin, der seit 2015 vom Serum Institute of India hergestellt wird, wirksam und sicher ist, wurde bereits an 400 Neugeborenen von HIV-infizierten und nicht infizierten Müttern gezeigt. HIV ist ein großes Risiko für eine Co-Infektion mit TB. „Erste Ergebnisse legen nahe, dass VPM1002 gut verträglich ist und die Infektionsrate unter den Neugeborenen innerhalb des ersten Jahres senken kann“, erklärt Infektionsforscher Kaufmann.

Sobald die Daten dieser Studie vollständig ausgewertet sind, sollen die Ergebnisse in einer Phase-III-Studie an mindestens 5000 Neugeborenen bestätigt werden. „Diese groß angelegte Studie im südlichen Afrika soll feststellen, ob der Impfstoff für HIV exponierte und nicht exponierte Neugeborene sicher ist und ob er auch schützt.“

VPM1002 hat von allen Impfstoff-Kandidaten am erfolgreichsten klinische Studien bis zur Wirksamkeitstestung durchlaufen. Er wurde auf der Grundlage des Tuberkulose-Impfstoffes BCG entwickelt.

Foto: Pixabay freie Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Tuberkulose , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Tuberkulose

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Der Anteil der jungen Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten, geht immer weiter zurück. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach bekam im vergangenen Jahr nur noch ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen das hormonelle Verhütungsmittel verschrieben.

Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung kann rasch zum Tod führen. Die Vergiftung kann aber auch schleichend verlaufen. Betroffene haben anfangs grippeähnliche Symptome, im Verlauf kann es schweren gesundheitlichen Schäden wie Herzinfarkten, Lähmungen bis hin zu Psychosen kommen. Mit dem Beginn der Kaminsaison warnen Experten nun vor den Gefahren.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin