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TU-Forscher haben neues Antibiotikum gegen multiresistente Keime in der Pipeline

Vor der wachsenden Zahl multiresistenter Bakterien wird händeringend nach neuen Antibiotika-Klassen gesucht. Hoffnung kommt nun aus den Laboren der TU-Berlin. Dort verfeinern Wissenschaftler gerade einen Wirkstoff, der die gefährlichen gram-negativen Bakterien bekämpfen soll.
Vom Zuckerrohr zu einem neuen Antbiotikum: TU-Forscher Roderich Süssmuth (li.) und Daniel Petras bei der Arbeit

Vom Zuckerrohr zu einem neuen Antbiotikum: TU-Forscher Roderich Süssmuth (li.) und Daniel Petras bei der Arbeit

In der Antibiotika-Forschung herrscht seit Jahren Ebbe. Es fehlen neue Antibiotika-Wirkstoffklassen, die der Vielzahl multiresistenter Bakterien das Handwerk legen könnten. Eine Meldung der TU-Berlin macht nun Hoffnung auf eine neuen antibiotischen Wirkstoff. Es ist ein Stoffwechselprodukt des pathogenen Bakteriums Xanthomonas albilineans, Albicidin genannt. Das Bakterium befällt Zuckerohrpflanzen. Sein Stoffwechselprodukt wurde 1985 entdeckt und soll besonders gut gegen die schwer zu bekämpfenden gram-negativen Bakterien wie Kolibakterien, Salmonellen, Klebsiella oder Legionellen wirken. Um es zu einem antibiotischen Medikament zu entwickeln, wird es nun intensiv im Forschungsprojekt „AlbiPharm“ beforscht. Das Bundesforschungsministerium steuert 1,6 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren bei.

Neuer Wirkstoffkandidat bekämpft gram-negative Bakterien

„In der heutigen Antibiotikaforschung muss die Bekämpfung der Gram-negativen Bakterien ein Schwerpunkt sein“, sagt Projektleiter Prof. Roderich Süssmuth, Leiter des Fachbereichs Biologische Chemie. „Denn was das Reservoir an Wirkstoffen gegen diese Keime anbelangt – da ist die Pipeline praktisch leer.“

Süssmuths Arbeitsgruppe hatte im vergangenen Jahr bereits die Struktur des Stoffwechselproduktes Albicidin aufklären können. Auf dieser Grundlage will das Team jetzt die Wirksamkeit des antibiotischen Wirkstoffs Albicidin optimieren und als Wirkstoff in einem Medikament vorbereiten.

Albicidin greift ein für Bakterien lebenswichtiges Enzym an, die sogenannte Gyrase. „Als besonders vorteilhaft erweist sich, dass Gyrase-Hemmer wie die auf dem Markt befindlichen Fluor-Chinolone, die weltweit Millionen Menschen das Leben gerettet haben, besonders effiziente Antibiotika sind“, erklärt Süssmuth. Da das natürliche Vorkommen des Wirkstoffs nicht ausreichend für eine Optimierung ist, wird es mittlerweile synthetisch hergestellt. Die TU Berlin hat ein Patent darauf.

Ziel ist ein neues Medikament

Süssmuth meint, der Wirkstoff lasse sich verhältnismäßig einfach und kostengünstig herstellen. Dadurch könnten nun auch Strukturvariationen vorgenommen werden, die die Wirkstoffeigenschaften des Albicidins verbessern. Mittelfristig soll ein pharmazeutisch aktiver Wirkstoff dabei herausspringen, der zunächst am Tiermodell getestet werden muss. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines Medikaments, das beim Menschen wirksam gegen multiresistente Keime eingesetzt werden kann.

Foto: © TU Berlin/PR/Ulrich Dahl 

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
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