. Studie EF-14

TTF verbessert Lebenserwartung bei Glioblastom

Eine Therapie mit elektrischen Feldern (TTF) kann die Lebenserwartung von Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom offenbar deutlich verbessern. Das zeigen die Zwischenergebnisse einer internationalen Studie.
TTF verbessert Lebenserwartung bei Glioblastom

Jeder Monat zählt: Mit der TTFields-Therapie konnten Ärzte das Gesamtüberleben beim Glioblastom verbessern

Die Lebenserwartung bei einem Glioblastom ist mit durchschnittlich 15 Monaten immer noch gering. Umso mehr lassen die Zwischenergebnisse einer internationalen Studie hoffen, in der seit 2009 die TTF-Therapie (Tumor-Treating-Fields) bei neu diagnostiziertem Glioblastom in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Temozolomid getestet wird. Die lokale, nicht-invasive Therapie macht sich elektrische Felder zu Nutze, mit denen das Tumorwachstum ausgebremst wird.

Daten der ersten 315 Patienten zeigen, dass die zusätzliche Behandlung mit NovoTTF-100A (Optune) sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben um jeweils drei Monate verlängert. Für einen so tödlichen Tumor wie das Glioblastom ist das viel. Studienarzt Dr. David Schiff von der Virginia School of Medicine (USA) war von den Ergebnissen selbst überrascht. „Seit den 1960er Jahren hat sich das Überleben von Glioblastom-Patienten lediglich um wenige Monate verbessert und jeder, der in diesem Feld tätig ist, weiß, wie viele neue Ansätze schon fehlgeschlagen sind“, sagt der Neuroonkologe. „Diese Studie konnte indes zeigen, dass nicht nur das Fortschreiten des Hirntumors hinausgezögert, sondern auch das Gesamtüberleben verlängert werden kann.“

Glioblasto: Knackpunkt ist das Gesamtüberleben

In die Studie EF-14 werden insgesamt rund 700 Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom aus 80 Zentren in den USA, Kanada, Europa und Israel eingeschlossen. Alle Patienten erhalten eine Standardtherapie, einschließlich Operation und Chemotherapie mit Temozolomid. Unter den ersten 315 Studienteilnehmern wurden 210 Patienten zusätzlich mit TTF behandelt. Ihre Überlebenszeit war laut Zwischenauswertung mit durchschnittlich 19,6 Monaten um gut drei Monate länger als bei den Patienten aus der Kontrollgruppe, die nur mit Temozolomid behandelt wurden. Das progressionsfreie Überleben, also die Zeit, in der der Tumor nicht wächst, war mit 7,1 Monaten im Vergleich zur Kontrollgruppe (4 Monate) ebenfalls um drei Monate länger. 43 Prozent der TTF-Patienten überlebten zwei Jahre, im Kontrollarm waren es dagegen nur 29 Prozent. „Solche dramatischen Verbesserungen haben wir lange nicht gesehen“, betont US-Arzt David Schiff.

 

Drei Monate mehr sind beim Glioblastom eine echte Verbesserung

Bereits im Dezember hatte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA erlaubt, auch die Kontrollgruppe mit TTF zu behandeln. Angesichts der Zwischenergebnisse dieser Studie sei es eine ethische Pflicht, die TTFields für die Kontrollpatienten zugänglich zu machen, begrüßte Studienleiter Dr. Roger Stupp vom Tumorzentrum des Universitätsspitals Zürich die FDA-Entscheidung. Der Züricher Neuroonkologe bezeichnete die Ergebnisse als sensationell und überzeugend. „Ein neue Standardtherapie für Glioblastom-Patienten ist geboren“, meinte er.

Die Therapie ist allerdings nicht jedermanns Sache. Die Patienten müssen sich den Kopf kahl rasieren lassen und dauerhaft eine Haube tragen, plus eine Batterie in der Größe eines Laptops mit sich führen. An der Haube sind Elektroden fixiert, die elektrische Impulse an das betroffene Areal im Gehirn übertragen. „Es gab einige Patienten, die aus kosmetischen Gründen eine Teilnahme an der Studie abgelehnt haben“, erläutert Schiff die vielversprechende Hirntumortherapie. „Andere wiederum waren begeistert von der Idee, insbesondere weil es etwas Neues war und sie wenige Nebenwirkungen zu befürchten hatten.“

Studienteilnehmerin Violet Horst hatte keine Bedenken. Für sie sei die Therapie eine neue Chance gewesen, wird die Amerikanerin in einer Mitteilung der Virginia University zitiert. Außerdem habe sie sich nach ihrer Glioblastom-Diagnose verantwortlich gefühlt, die Forschung zu unterstützen. Nebenwirkungen traten laut der zweifachen Mutter keine auf. Ab und zu habe sie am Kopf einen Juckreiz verspürt, ansonsten sei sie im Alltag nicht beeinträchtigt gewesen.

TTF-Therapie ist für das neu diagnostizierte Glioblastom noch nicht zugelassen

Die neue Hirntumortherapie NovoTTF-100A (Optune) des Medizintechnikunternehmens Novocure ist derzeit nicht für das neu diagnostizierte Glioblastom zugelassen und darf nur zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Hersteller Novocure strebt mit der Studie aber eine Zulassung auch bei dieser Indiktion an. In den USA, Europa und Japan ist die TTF-Therapie bislang für die Behandlung von Glioblastom-Rezidiven zugelassen.

Foto: © Syda Productions - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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