. R+V-Studie „Ängste der Deutschen“

Trump macht den Deutschen am meisten Angst

Mit der florierenden Volkswirtschaft und dem Rechtspopulismus wandeln sich die Ängste. Materielle Sorgen schwinden, die Top Ten der Ängste haben laut einer Studie ausnahmslos mit Politik und Sicherheit zu tun. Und es gibt Unterschiede – nicht nur zwischen Frauen und Männern.
Mann in Schutzhaltung - Schatten einer Draculahand

Horror-Trip: Die Deutschen werden von vielen verschiedenen Ängsten geplagt - eine ist in diesem Jahr neu.

Wenn ein impulsiver US-Präsident damit prahlt und droht, er habe den größeren Atomknopf, dann jagt das auch den Deutschen Angst ein – auch wenn sie vom möglichen Ziel Nordkorea weit entfernt leben. Zwar macht sich die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger erhebliche Sorgen um die Folgen der Zuwanderung und die Überforderung der Politiker im Inland. „Mit Blick auf die Weltpolitik werden diese Sorgen jedoch noch deutlich übertrumpft. Mehr als zwei Drittel der Deutschen haben große Angst davor, dass die Politik von Donald Trump die Welt gefährlicher macht“, sagte Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters, bei der Vorstellung der Ergebnisse der R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2018“ in Berlin. Die Sorge um die Gefährdung der internationalen Lage durch die Politik des US-Präsidenten steht mit Abstand auf Platz eins. „Mit 69 Prozent erreicht sie einen der höchsten Werte, die jemals in der Ängste-Studie gemessen wurden“, sagte Römstedt weiter.

Langzeit-Angstkurve: Die Grundängstlichkeit steigt

Die von der R+V-Versicherung in Auftrag gegebene Studie über die Ängste der Deutschen gibt es seit 1992. Sieht man sich die Angstkurve der Deutschen aus den 27 untersuchten Jahren an, fällt auf: Der Gesamtdurchschnitt aller Ängste steigt über diese Zeit leicht, aber stetig an – begleitet von fünf markanten Ausschlägen nach oben.  Im Jahr 2016 hatte die Angstintensität der Deutschen auf der Langzeitkurve mit 52 Prozent einen Höchstwert erreicht. Dieser Gesamtdurchschnitt aller Ängste war der höchste bisher gemessene Wert (gemeinsam mit dem Jahr 2003 mit ebenfalls 52 Prozent). 2017 dann ging die Angst in einem deutlichen Knick nach unten auf 46 zurück, um nun wieder leicht anzusteigen. Der aktuelle Angstfaktor liegt damit leicht über der Grundtendenz der vergangenen zwei Jahrzehnte.

 

Neue „Top-Ängste“

In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Angstauslöser (die Studie spricht von „Top-Ängsten“) deutlich verändert. Bis 2010 standen ökonomische Aspekte im Vordergrund: steigende Lebenshaltungskosten, Verschlechterung der Wirtschaftslage, Folgen der EU-Schuldenkrise für den Steuerzahler. 2016 dann wendete sich das Blatt: Ab dem Jahr mit den Anschlägen in Brüssel und Nizza sowie auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche rangierte die Angst vor Terrorismus ganz oben und erreichte die mit Abstand höchsten Werte seit Beginn der Langzeitstudie im Jahr 1996. 2018 dann wurde US-Präsident Trump Angstfaktor Nummer eins. Der Klimawandel hat an Bedeutung verloren und rangiert mit dem zwölften Rang nicht unter den Top Ten.

Ängstlicher als die anderen: Frauen, Ostdeutsche – und Süddeutsche

Nachdem sich die Angstkurven von Frauen und Männern vor drei Jahren berührten, sind sie nun auf ihren üblichen Abstand zurückgekehrt. Mit einem Durchschnitt aller Ängste, die die jeweilige Gruppe hat, liegen die Frauen mit 50 Prozent klar vor den Männern mit 43 Prozent.

Während Ostdeutsche von der Wende bis Mitte der 2000er-Jahre im Grundsatz mit Abstand ängstlicher waren als Westdeutsche, nähern sich die Werte seither an oder kreuzten sich sogar. Die R+V-Studie beobachtet aktuell bei Ostdeutschen mit 48 Prozent  nur einen leichten Vorsprung gegenüber den Westdeutschen, die 46 Prozent erreichen.

Norddeutsche: Mehr ums Privatleben besorgt

Im Nord-Süd-Vergleich ist festzustellen, dass bei den Top Ten der Ängste die Süddeutschen in neun Fällen vorne liegen, obwohl es ihnen materiell grundsätzlich besser geht. Auch unterscheiden sich die Dinge, vor denen man Angst hat. Bei den Süddeutschen wiegen die politischen Ängste stärker: Angst vor Überforderung Deutschlands, seiner Politiker und Behörden durch Flüchtlinge; Folgen für Steuerzahler durch EU-Schuldenkrise; politischer Extremismus und Terrorismus. Im Norden dagegen sind solche Ängste stärker ausgeprägt, die den privaten Bereich und die Gesundheit betreffen: Arbeitslosigkeit, Zerbrechen der Partnerschaft, Pflegefall im Alter, schwere Erkrankung.

Auftraggeber der Studie „Die Ängste der Deutschen“ ist die R+V-Versicherung. Das Versicherungsunternehmen der Raiffeisen- und Volksbanken ist eine der größten Versicherungsgesellschaften Deutschlands.  Ausgearbeitet wurde die repräsentative Langzeitstudie vom Institut für Politische Wissenschaften der Universität Heidelberg.

Foto: © fotolia.de/ra2 Studio

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Hauptkategorie: Medizin
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