. Arzneimittelsicherheit

Trotz Warnung: Beta-Interferone bei MS nicht vorzeitig absetzen

Die häufig bei MS eingesetzten Beta-Interferone sollen das Risiko für schwere Nierenschäden erhöhen. Vertreter von MS-Verbänden empfehlen jetzt jedoch, die Therapie mit Beta-Interferonen bei guter Verträglichkeit nicht zu früh abzubrechen.
Beta-Interferne bei MS nicht absetzen

Beta-Interferone gehören zur Standardtherapie bei MS.

Erst kürzlich waren Warnungen des Bundesinstituts für Arzneimittel (BfArM) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bekannt geworden, dass die bei Multipler Sklerose (MS) häufig eingesetzte Therapie mit Beta-Interferonen die Gefahr erhöhe, an zwei gefährlichen Nierenleiden zu erkranken. Einige Patienten waren sogar an den Folgen der Erkrankungen gestorben. Die Behörden forderten behandelnde Ärzte deshalb dazu auf, künftig bei ihren Patienten stärker auf Anzeichen für die Nierenerkrankungen zu achten und diese unverzüglich zu behandeln.

MS-Verbände halten Beta-Interferone für sicher

Nun haben sich Vertreter des KKNMS (Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose) und der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) zu Wort gemeldet. Sie empfehlen Ärzten und Patienten, eine wirksame und gut vertragene Beta-Interferon-Therapie bei multipler Sklerose nicht ohne Not abzubrechen. Die jüngsten Warnungen ergäben „keine Änderung der Nutzen- Risiko-Bewertung von Interferon-beta-Präparaten, deren Sicherheitsprofil über mehr als 20 Jahre der breiten Anwendung bei der multiplen Sklerose gut bekannt ist“, hieß es aus den beiden Gesellschaften.

Die Warnungen der Arzneimittelagenturen beruhten laut Experten auf Meldungen, die teilweise bereits einige Jahre zurückliegen, insbesondere aus England. Die Fachinformationen zu den Medikamenten enthielten bereits Angaben zu der Möglichkeit von Nierenerkrankungen. Die Frage, ob spezielle Zubereitungen von Interferon-beta mit einer Häufung der sehr seltenen Nebenwirkungen verbunden sind, sei nicht geklärt.

 

Blutwerte regelmäßig kontrollieren

Dennoch empfehlen die Vertreter der MS-Verbände, bei MS-Patienten, die Beta-Interferone anwenden, mindestens halbjährliche Verlaufskontrollen einschließlich Blut- und Urinuntersuchungen durchzuführen. Insbesondere wenn Fieber ohne bekannte Ursache oder Bluthochdruck oder Ödeme neu auftreten, sollten die Ärzte achtsam sein.  

Beta-Interferone gehören seit Jahren zur Standarttherapie bei MS. In Deutschland sind aktuell fünf Beta-Interferone zur Behandlung der Nervenkrankheit zugelassen. Dazu zählen die umsatzstarken Arzneimittel Betaferon von Bayer sowie Rebif des Pharmakonzerns Merck. Auch die Präparate Extavia von Novartis sowie die Mittel Plegridy und Avonex des US-Biochtechkonzerns Biogen Idec gehören zu der Medikamentengruppe. Neben Beta-Inferonen gibt es mittlerweile auch mehrere andere Wirkstoffe, die zur Behandlung von MS zugelassen sind. Heilen kann die Erkrankung jedoch bisher kein Medikament.

Foto: © sharryfoto - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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