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Trotz Corona: Niedrigster Krankenstand seit acht Jahren

Dienstag, 1. Februar 2022 – Autor:
Ausgerechnet im zweiten Jahr der Corona-Pandemie ist der Krankenstand in Deutschland weiter gesunken – und so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr. Das zeigt eine Analyse von Versichertendaten der Techniker Krankenkasse (TK) für 2021. Allerdings: Die Zahl der Krankschreibungen wegen Covid-19 ist fast um die Hälfte gestiegen. Hauptursache für Krankschreibungen zum vierten Mal in Folge: psychische Erkrankungen.
Mann und Frau sitzen mit Coronamasken auf einer Parkbank und lesen ein Buch - jeder am anderen Ende.

Weniger Erkältungen dank der Corona-Schutzmaßnahmen: Dies ist der Hauptgrund dafür, dass in Deutschland der Krankenstand ein Acht-Jahres-Tief erreicht hat. – Foto: AdobeStock/Kzenon

Erkältungen gehen zurück,  Covid-19 legt zu – und psychische Erkrankungen liegen weiter ganz vorn: Dies sind derzeit die Haupttrends bei den Ursachen für Krankschreibungen. Statistisch haben die Krankschreibungen in Deutschland im zurückliegenden Kalenderjahr 2021 einen neuen Tiefstand erreicht. Das ergibt sich aus vorab veröffentlichen Zahlen des TK-Gesundheitsreports 2022. Der weitere Rückgang an Fehltagen – ausgerechnet im zweiten Corona-Jahr – wird mit einem Rückgang bei den Erkältungskrankheiten erklärt, die den Hygienemaßnahmen der Pandemie geschuldet sind.

Niedrigster Krankenstand seit 2013

Der Krankenstand der bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbspersonen, der auch Rückschlüsse auf den der Gesamtbevölkerung zulässt, war 2021 mit 3,97 Prozent so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr. „Das ist nochmal ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 mit einem Krankenstand von 4,13 Prozent“, heißt es in einer Mitteilung der TK. „Vor acht Jahren (2013) befand sich der Krankenstand mit 4,02 Prozent das letzte Mal auf so niedrigem Niveau. Damit war im Schnitt jede TK-versicherte Erwerbsperson im vergangenen Jahr 14,5 Tage krankgeschrieben. Im Jahr 2020 waren es noch 15,1 Tage.“

 

Dank Corona-Maßnahmen: Weniger Erkältungen

„Bereits im ersten Corona-Jahr 2020 haben wir einen starken Rückgang der Krankschreibungen im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt", erklärt Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK. „Hauptgrund dafür sind deutlich weniger Krankmeldungen aufgrund von Erkältungskrankheiten - wie schon im Vorjahr." So fehlte jede Erwerbsperson 2021 durchschnittlich nur 1,64 Tage aufgrund von Grippe und Co. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 2,30 Tage (2019: 2,37; 2018: 2,55). „Das zeigt, dass die Abstands- und Hygieneregeln nach wie vor sehr wirksam sind", so der TK-Chef.

Covid-19-Krankschreibungen steigen deutlich an

Allerdings: Mit gut 37.625 Krankschreibungen gab es eine deutliche Zunahme bei den Fehltagen aufgrund einer Covid-19-Diagnose. Im letzten Jahr waren es noch 26.833. Insgesamt verzeichnete die TK im Jahr 2021 rund 5,13 Millionen Krankschreibungen.

Wichtige Ursachen für Krankmeldung: Psyche, Rücken, Schnupfen

Den Spitzenplatz bei den Krankmeldungen nehmen mit 21,8 Prozent zum vierten Mal in Folge die Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen ein. Es folgen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 18,4 Prozent noch vor den Krankheiten des Atmungssystems mit einem Anteil von 11,3 Prozent.

Stichwort TK-Gesundheitsreport

Die Zahlen stammen aus den Vorabdaten des TK-Gesundheitsreports 2022. Grundlage dafür bilden die rund 5,5 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen (Berufstätige und ALG 1-Empfängerinnen und Empfänger), Stand Januar 2022. Der Krankenstand ist eine betriebswirtschaftliche Größe. Darunter versteht man den prozentualen Anteil der Fehltage zur Sollarbeitszeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund einer Krankschreibung. Unter Fehltagen versteht man die Krankheitstage aufgrund von Krankschreibungen.

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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