. Diagnostik

Troponin-Schnell-Test erkennt Herzinfarkt in 60 Minuten

Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist schnelle Hilfe geboten. Der 1-Stunden-Troponin-Test sichert die Diagnose in 60 Minuten. Eine neue Studie bestätigt nun seine Zuverlässigkeit.
Herzinfarkt, Schnellest, Troponin

Herzinfarkt? Studie mit 1.500 Patienten bestätigt präzise Diagnose des 1-Stunden-Troponin-

Engegefühl in der Brust, Schweißausbruch, Übelkeit – Anzeichen, die auf einen Herzinfarkt deuten. Patienten sollten dann umgehend die 112 anrufen bzw. so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Um die Diagnose Herzinfarkt zu sichern, schreiben die Ärzte ein Elektrokardiogramm und analysieren die elektrischen Herzströme. Das zentrale Kriterium ist jedoch die Messung des Tropinin-Spiegels im Blut.  Mit einem neuen Schnelltest, dem 1-Stunden-Troponin-Test, können Ärzte die Diagnose Herzinfarkt binnen einer Stunde sichern. Eine Studie mit 1.500 Patienten des Universitäts-Herzzentrum Freiburg, Bad Krozingen zeigt seine Zuverlässigkeit.

Test misst das kardiale Troponin

Kardiales Troponin ist ein Proteinkomplex, der dazu beiträgt, dass Herzmuskelzellen kontrahieren und das Herz seine Aufgabe als Blutpumpe erfüllen kann. Erhalten die Muskelzellen des Herzens zu wenig Sauerstoff und werden sie nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sterben sie ab. Dann wird kardiales Troponin aus den Zellen freigesetzt und gelangt ins Blut. Dies ist beim Herzinfarkt der Fall, aber auch andere Erkrankungen können zu einem Sauerstoffmangel im Herzen führen und den Troponin-Spiegel erhöhen, etwa eine Lungenembolie, ein septischer Schock oder bestimmte Herzrhythmusstörungen. Ärzte sprechen in diesen Fällen von einem Myokardinfarkt Typ 2.

 

Steckt wirklich ein Herzinfarkt hinter den Symptomen?

Da der klassische Herzinfarkt (Myokardinfarkt Typ 1) anders behandelt werden muss  – das verschlossene Gefäß muss mit einem Ballon wiedereröffnet und ein Stent implantiert werden – ist es wichtig die Ereignisse voneinander zu unterscheiden. Kann der 1-Stunden-Troponin-Test das?

Die neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfehlen bei Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt den 1-Stunden-Troponin-Diagnose-Algorithmus durchzuführen, um einen Herzinfarkt zu bestätigen – oder auszuschließen. Bislang wurde der Algorithmus jedoch lediglich bei Patienten in allgemeinen Notaufnahmen getestet, wo der Anteil der Patienten mit einem akuten Herzinfarkt relativ gering ist.

Prof. Willibald Hochholzer vom Universitäts-Herzzentrums Freiburg, Standort Bad Krozingen haben den Test nun an 1.500 Hochrisikopatienten im Alter von durchschnittlich 72 Jahren auf Herz und Nieren geprüft. „Der Test funktioniert hervorragend für den Ausschluss eines Herzinfarktes auch bei diesen Hochrisikopatienten“, fasst Prof. Hochholzer das Ergebnis der Fast-MI-Studie zusammen. „Auch bei den meisten Patienten im Herzzentrum liefert der 1-Stunden-Troponin-Algorithmus eine schnelle und sichere Diagnose.“

Die Studie wurde von der Deutschen Herzstiftung mit über 80.000 Euro gefördert.

Hochholzer und sein Team überprüfen derzeit, ob sich Troponin-Grenzwerte und weitere diagnostische Schritte festlegen lassen, die es erlauben, frühzeitig einen „klassischen“ Myokardinfarkt Typ 1 vom Myokardinfarkt Typ 2“, abzugrenzen.

Jeder vierte Herzinfarkt tödlich

In Deutschland ereignen sich jedes Jahr rund 220.000 Herzinfarkte. Jeder vierte Patient stirbt daran. Die Patienten klagen meist über schwere Schmerzen überwiegend im Brustkorb, die länger als fünf Minuten anhalten und als brennend mit Engegefühl in der Brust und drückend beschrieben werden. Die Schmerzen können auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten und in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen. Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen. Aber nicht immer sind die Symptome so eindeutig, vor allem bei Frauen.

Foto: Schlegelfotos - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzinfarkt
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzinfarkt

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Niedriger Blutdruck gilt im Vergleich zu Bluthochdruck als weniger gefährlich. Eine Hypotonie kann aber die Lebensqualität erheblich einschränken. Und: Hinter zu niedrigem Blutdruck können auch ernsthafte Krankheiten stecken.
Fertiggerichte - also stark verarbeitete Lebensmittel - machen dick. Liegt es am höheren Gehalt an Fett, Salz, Zucker und anderen Kohlenhydraten? Oder an den zugesetzten Aroma- und Farbstoffen? Das wollten US-Forscher herausfinden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.