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Tropischer Milzbrand-Erreger könnte auch Menschen gefährlich werden

Sonntag, 6. August 2017 – Autor:
Eine neue Form von Milzbrand droht, Schimpansen an der Elfenbeinküste auszurotten. Wissenschaftler sehen auch Gefahren für den Menschen.
Im Taï-Nationalpark sind fast 40 Prozent aller toten Tiere dem tropischen Milzbrand-Erreger zum Opfer gefallen

Im Taï-Nationalpark sind fast 40 Prozent aller toten Tiere dem tropischen Milzbrand-Erreger zum Opfer gefallen

Tote Tiere im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste geben Anlass zur Sorge: Fast die Hälfte (40 Prozent) war mit einem atypischen Milzbrand-Erreger infiziert. Forscher nennen den 2004 entdeckten Erreger „Bacillus cereus biovar anthracis.“ Untersuchungen, an denen auch das Robert Koch-Institut und das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie beteiligt waren, zeigen, dass das ungewöhnliche Bakterium in Afrika weit verbreitet ist. 2004 haben Wissenschaftler um Fabian Leendertz ein bis dahin unbekanntes Milzbrand-Bakterium bei toten Schimpansen im Regenwald des Taï-Nationalparks entdeckt. Weitere Untersuchungen zeigten, dass der Erreger auch für den Tod wildlebender Schimpansen, Gorillas und Elefanten in Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik verantwortlich ist. „Auf lange Sicht könnte das Bakterium sogar dazu führen, dass die lokale Schimpansenpopulation ausstirbt“, sagen die Forscher.

Schimpansen am stärksten betroffen

Wenn Menschenaffen betroffen sind, droht in der Regel auch den Menschen eine Gefahr. „Gerade Infektionen bei Menschenaffen sind Indikatoren für Krankheiten, die auch dem Menschen gefährlich werden könnten“, sagt RKI-Präsident Lothar H. Wieler, Co-Autor der Studie. Die Arbeit stehe darum ganz im Zeichen des One-Health-Ansatzes, „wonach die Gesundheit von Mensch und Tier eng mit einander verknüpft sind und gemeinsam betrachtet werden müssen.“

Menschliche Infektionen mit dem atypischen Milzbrand-Erreger sind bislang nicht bekannt. Dennoch sind die Forscher alarmiert, da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich auch Menschen damit infizieren können. Milzbrand kann beim Menschen lebensbedrohlich verlaufen. Wenn die Infektion mit dem Bacillus anthracis frühzeitig erkannt wird, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Von dem tropischen Erreger weiß man das allerdings noch nicht genau.

 

Knochen von toten Wildtieren analysiert

In ihrer Studie haben die deutschen Forscher zusammen mit ihren britischen und afrikanischen Kollegen nun die Verbreitung des tropischen Milzbrand-Erregers untersucht sowie das Risiko für Wildtiere. Dabei wurden Knochen und Gewebeproben analysiert, die im Laufe der vergangenen 28 Jahre verendeten Säugetieren im Taï-Nationalpark entnommen und tiefgefroren worden waren. Außerdem analysierten sie den Mageninhalt von Aasfliegen, die den Milzbrand-Erreger aufnehmen und so Hinweise liefern, wo und bei welchen Tierarten er zirkuliert. Tierknochen und Aasfliegen wurden auch aus 16 weiteren Regionen Sub-Sahara-Afrikas untersucht.

„Im Taï-Nationalpark sind fast 40 Prozent aller toten Tiere, die wir analysiert haben, dem tropischen Milzbrand-Erreger zum Opfer gefallen“, berichtet Emmanuel Couacy-Hymann vom ivorischen Tiergesundheitsinstitut. Der Erreger sei bei verschiedenen Affenarten, Waldantilopen, Mangusten und einem Stachelschwein gefunden worden. Am gravierendsten seien jedoch die Schimpansen betroffen: 31 der 55 untersuchten toten Schimpansen sind an dem Erreger gestorben. „Unseren Hochrechnungen zufolge könnte der Erreger langfristig dazu beitragen, dass die Population im Taï-Nationalpark ausstirbt“, sagt Roman Wittig, Leiter des Taï-Schimpansenprojektes am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie.

Die Suche geht weiter

Unklar ist bislang noch, warum der Erreger ausgerechnet im Taï-Nationalpark so aktiv ist wie sich die Tiere überhaupt infizieren. Das wollen die Forscher nun herausfinden. Ebenso wollen sie nach Möglichkeiten suchen, die Schimpansen zu schützen, etwa durch Impfungen.

Die Studie „Persistent anthrax as a major driver of wildlife mortality in a tropical rainforest“ ist am 3. August in “Nature” erschienen. 

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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