Tripper: Englischer Patient bleibt wohl kein Einzelfall

England meldet einen Fall von antibiotikaresistentem Tripper (Gonorrhoe). Doch der Mann dürfte kein Einzelfall bleiben: Wissenschaftler beobachten schon seit längerem eine Zunahme von Tripper-Stämmen, die auf Antibiotika nicht mehr ansprechen.
antibiotikaresistenter Tripper

Dank Antibiotika war die Behandlung von Tripper lange kein Thema mehr. Doch jetzt zeigt ein Fall aus England, wovor Wissenschaftler seit geraumer Zeit warnen – dem postantibiotischen Zeitalter

Mit der Einführung von Penicillin 1943 stand erstmals eine Behandlung für die Gonorrhoe umgangssprachlich „Tripper“ zur Verfügung. Seither wurden Millionen Menschen mit der infektiösen Geschlechtskrankheit erfolgreich behandelt. Doch nun wird die segensreiche Erfindung allmählich wirkungslos.

England meldet gerade einen Fall von antibiotikaresistentem Tripper. Medienberichten zufolge greift bei dem Mann kein Antibiotikum mehr, auch nicht Azithromycin und Ceftriaxon. Die Kombinationstherapie wurde eingeführt, um die Entwicklung von Resistenzen der Gonokokken gegen die Medikamente zu verhindern. Finden die Ärzte kein Antibiotikum für den englischen Patienten, könnten die Bakterien auch andere Organe befallen und schlimmstenfalls zum Tode führen. Der heterosexuelle Mann soll sich in Südostasien beim Geschlechtsverkehr mit den Gonokokken angesteckt haben.

Zunahme von Antibiotikaresistenzen in Studie bestätigt

Nach Auskunft der britischen Behörden wurde bislang weltweit kein vergleichbarer Fall gemeldet. Allerdings könnte die Dunkelziffer hoch sein. Denn Wissenschaftler beobachten schon seit längerem eine Zunahme von Tripper-Stämmen, die auf Antibiotika nicht mehr ansprechen.

Eine Studie bestätigte bereits 2016 diese Befürchtung: Die Untersuchung von über 5.000 Gonorrhoe-Isolaten ergab, dass bereits viele Bakterienstämme Resistenzen gegen unterschiedliche Antibiotika aufwiesen: 25,3 Prozent der Stämme waren resistent gegen Tetrazyklin, 19.2 Prozent gegen Ciprofloxacin, und 16,2 Prozent der untersuchten Isolate wiesen eine Resistenz gegen Penicillin auf. Da diese Resistenzen zum großen Teil bekannt sind, wird die Gonorrhoe zurzeit leitliniengerecht mit einer Kombination aus zwei Antibiotika behandelt: Azithromycin und Ceftriaxon oder Cefixim.

 

Sorge um Kombinationstherapie

Doch die Studienergebnisse zeigen, dass die potente Kombinationstherapie möglicherweise wirkungslos werden könnte, wie es jetzt offenbar in England der Fall ist: Die Resistenzen gegen Azithromycin sind demnach innerhalb von nur einem Jahr von 0,6 auf 2,5 Prozent angestiegen. Die Zahl der Ceftriaxon-Resistenzen hat sich von 0,4 auf 0,8 Prozent verdoppelt. Das erscheint zwar auf den ersten Blick noch relativ gering, doch die Studienautoren sind besorgt. „Es ist unklar, wie lange die kombinierte Therapie aus Azithromycin und Ceftriaxon noch effektiv sein wird, sollte die Zunahme der Resistenzen weiter andauern“, kommentierte seinerzeit Gail Bolan, Direktor der Abteilung für STI-Prävention des Centers for Disease Control and Prevention in den USA, die Ergebnisse.

Experten empfehlen schon seit längerem vor jeder Gonorrhoe -Behandlung den spezifischen Erreger festzustellen sowie eine Resistenztestung anhand einer Kultur vorzunehmen. Auch Sexualpartner des Patienten sollten mitbehandelt werden, denn werden die Keime nicht restlos beseitigt, können sie sich weiter ungehindert ausbreiten.

Foto: © fotoliaxrender - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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