. Neue Therapieoption

Tremor erfolgreich mit Ultraschall behandelt

Eine neue Therapie verspricht Hilfe gegen das unaufhörliche Zittern. Das Verfahren aus hochfokussiertem Ultraschall und MRT wurde jetzt erstmals auch in Deutschland bei zwei Patienten mit therapieresistentem Tremor angewendet. Die behandelnden Ärzte sprechen von einem großen Erfolg.
Tremor, neue Behandlung

Tremor verschwunden: Am Universitätsklinikum Bonn wurde der MRT-gesteuerte, hoch fokussierte Ultraschall innerhalb des Schädel bereits erfolgreich angewendet

Essentieller Tremor und Parkinson-Tremor sind zermürbend. Betroffene können oft nicht einmal mehr eine Tasse halten, weil die Hände zu stark zittern. Jetzt macht eine neue Behandlungsmöglichkeit Hoffnung: Nach den ersten internationalen Studien lässt sich durch die Kombination aus fokussiertem Ultraschall und MR-Steuerung der Tremor signifikant verbessern.

Inzwischen wird das nicht-invasive Verfahren mit dem korrekten Namen Magnet-Resonanztomographisch gesteuerte fokussierte Ultraschallkoagulation (MRgFUS) auch in Deutschland erprobt. Das Universitätsklinikum Bonn nutzt das deutschlandweit erste Gerät dieser Art bei schwerem, nicht-therapierbarem essentiellem Tremor sowie Parkinson Tremor. Die ersten zwei Patienten wurden bereits erfolgreich behandelt, wie das Klinikum meldet.

Das Zittern war weg

„In 25 Jahren Neurologie habe ich es noch nicht erlebt, wie eine so starke Bewegungsstörung so deutlich gebessert werden kann“, sagt der klinische Studienleiter Prof. Dr. Ullrich Wüllner, Leiter der Sektion Bewegungsstörungen an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikum Bonn mit Blick auf die ersten Behandlungsergebnisse.

Beide Patienten waren demnach nach der Behandlung vollkommen beschwerdefrei. „Ich kam aus der Röhre und meine Hand war ruhig“, wird einer der beiden Patienten zitiert, der seit etwa fünf Jahren unter schwerem, nicht-therapierbarem essentiellem Tremor litt. „Endlich kann ich wieder ein Glas halten“.

 

Gehirngewebe wird irreversibel zerstört

Bei dem Verfahren schalten hoch-intensive Schallwellen die für den Tremor verantwortlichen Gehirn-Areale ab. Ist die rechte Hand betroffen erfolgt der Eingriff an der rechten Gehirnhälfte – und umgekehrt.

Die Ultraschallwellen werden von über 1.000 Positionen aus punktgenau auf den Zielpunkt gesendet und dort wie bei einem Brennglas gebündelt. Eine MRT-gesteuerte Neuronavigation stellt sicher, dass nur der gewünschte Bereich in der Tiefe des Gehirns inaktiviert wird. Zusätzlich kontrollieren die Ärzte während der rund dreistündigen Behandlung, ob der Tremor abnimmt. Ist der Zielpunkt schließlich gefunden, wird die Temperatur bis auf etwa 55 bis 60 Grad Celsius erhöht „Nur dort wird das Hirngewebe zerstört und so inaktiviert. Dabei ist die Präzision dank MR-Kontrolle sehr hoch“, sagt Prof. Dr. Hans Schild, Direktor der Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Bonn.

Einseitige Behandlung ohne größere Nebenwirkungen

Während der rund dreistündigen in einer MRT-Röhre sind die Patienten wach und tragen einen wassergekühlten Helm. Im Gegensatz Tiefen Hirnstimulation muss der Schädel nicht geöffnet werden, um Elektroden im Gehirn zu platzieren. Der Eingriff erfolgt von außerhalb. Diesem großen Vorteil steht jedoch ein entscheidender Nachteil gegenüber: Die Zerstörung des Gehirngewebes ist unumkehrbar. Zudem könnte eine beidseitige Behandlung des Tremors mit MRgFUS nach derzeitigen Erkenntnissen möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Sprechstörungen verbunden sein.

Bei einseitigem essentiellen Tremor und beim Parkinson-Tremor war das Verfahren bisher jedoch nur mit geringen Nebenwirkungen verbunden und sehr wirksam. „Laut den bisherigen weltweit erzielten Ergebnissen, hat die Methode durchaus das Potential eine Alternative zur bereits etablierten Tiefenhirnstimulation zu werden – vor allem für Patienten mit erhöhtem OP-Risiko oder diejenigen, die eine Tiefen Hirnstimulation aufgrund des dafür erforderlichen chirurgischen Eingriffs ablehnen“, sagt Prof. Dr. Hartmut Vatter, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn. „Es bedarf jedoch weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen wie wir sie hier in Bonn auch durchführen.“

Foto: © Johann Saba / UK Bonn

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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