. Psychische Hilfen

Trauma-Ambulanzen für Gewaltopfer

Die Charité eröffnet zu Jahresbeginn eine Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrungen an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Campus Virchow. Erwachsene Gewaltopfer können sich an die Trauma-Ambulanz in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus wenden.
Trauma-Ambulanzen bieten schnelle Hilfe für Gewaltopfer (Foto: © Willi Schewski/ pixelio)

Trauma-Ambulanzen bieten schnelle Hilfe für Gewaltopfer (Foto: © Willi Schewski/ pixelio)

 

Die Aufgabe der beiden Ambulanzen ist es, sich um Opfer oder Zeugen von Überfällen, Messerstechereien, aber auch häuslicher Gewalt und Kindesmisshandlung zu kümmern. "In den ersten Wochen nach einer Gewalttat kann man noch sehr viel tun, um psychische Spätfolgen bei den Opfern abzuwenden", erklärt Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. "Wir bieten Erstgespräche zur Krisenintervention und können in Absprache mit dem LAGeSo die Betroffenen auch an andere Einrichtungen vermitteln." Sinnvoll und wichtig seien solche Gespräche für Menschen, deren Gewalterfahrung erst wenige Tage oder Wochen zurückliege. Dabei komme es nicht darauf an, ob das Opfer selbst Verletzungen davongetragen oder eine Gewalttat beobachtet hat. "Beides kann traumatische Folgen haben", sagt Prof. Heinz.

Opfern von Gewalt falle es häufig schwer, therapeutische Angebote zeitnah in Anspruch zu nehmen, berichtet Dr. Olaf Schulte-Herbrüggen, der die Trauma-Ambulanz der Erwachsenenpsychiatrie leitet. "Scham- und Schuldgefühle, tragen erheblich dazu bei, dass Patienten häufig erst dann in die Klinik kommen, wenn die Folgestörungen eines Traumas bereits chronisch sind. Die neue Ambulanz bietet mit ihrem therapeutischen Konzept, schneller Terminvergabe und unkomplizierter Kostenübernahme ein auf diese Patientengruppe speziell zugeschnittenes Angebot." Bei Kindern und Jugendlichen werden die Bezugspersonen ebenfalls in die Therapie integriert. "Das ist von zentraler Bedeutung", erklärt die verantwortliche Fachärztin Dr. Sibylle Winter. "Wenn die Bezugspersonen unterstützt werden, können auch Kinder traumatische Erlebnisse besser verarbeiten."
 
Die Gründung der neuen Trauma-Ambulanzen hatten die Charité und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) beschlossen, nicht zuletzt um den Vorschriften des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) nachzukommen. Ziel des Gesetzes ist es, die körperliche und seelische Gesundheit von Gewaltbetroffenen so weit wie möglich wiederherzustellen. Das LAGeSo trägt zunächst die Kosten für bis zu fünf Termine, bei denen speziell ausgebildete Ärztinnen und Ärzte oder Psychologen den genauen Sachverhalt ermitteln und eine Diagnose stellen. Danach wird über weitere Behandlungsmöglichkeiten entschieden.

Ab sofort sind die Trauma-Ambulanzen wie folgt erreichbar:

Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche, Charité Campus Virchow: (030) 450-566-229
Montag und Dienstag: 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr
Mittwoch: 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Donnerstag und Freitag: 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Trauma-Ambulanz für Erwachsene, St. Hedwig Krankenhaus: (030) 23 11 - 18 80 
Montag bis Freitag: 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr

Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Trauma , Kinder , Charité , Krankenhäuser
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gewalt

| Die Gewalt gegen Rettungskräfte hat ein beachtliches Ausmaß angenommen: Einer neuen Studie aus NRW zufolge wurden im vergangenen Jahr 92 Prozent der Einsatzkräfte angepöbelt, beschimpft und manche sogar Opfer von körperlicher Gewalt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Dank Corona-Krise ist die Luft in Städten besser geworden. Die Verwendung von umwelt- und klimaschädlichen Einwegverpackungen ist dagegen in die Höhe geschnellt. Jeder Kaffee aus einem plastikbeschichteten Pappbecher ist ein Kontakt zu Chemikalien, die gesundheitsschädlich sind, warnt die Deutsche Umwelthilfe: für Erwachsene und Jugendliche – und sogar für ungeborene Kinder.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.