. Pflege

Transparency-Studie sieht Einladung zur Korruption

Zu wenig Transparenz und Kontrollen, zu viel Bürokratie: In der Pflege und bei der rechtlichen Betreuung werden in Deutschland Einfallstore für Betrug und Korruption geöffnet. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Transparency Deutschland.

Fehlende Kontrollen laden dazu ein, das System auszuplündern

 

In der Pflege und Betreuung gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Abhängigkeit von Menschen mit Pflegebedarf wirtschaftlich auszubeuten – und sie werden genutzt. So lautet das Fazit der Studie „Transparenzmängel, Betrug und Korruption im Bereich der Pflege und Betreuung“, die in dieser Woche in Berlin vorgestellt wurde.

Für die Untersuchung geführte Expertengespräche hätten gängige Betrugsstrukturen offengelegt, die aus den Milliardenausgaben für die soziale Pflegeversicherung viel Geld abzweigen. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland hält eine Vielzahl von  Verbesserungen für notwendig, um die wirtschaftliche Ausbeutung der Abhängigkeit pflegebedürftiger Menschen zu verhindern.

Transparency-Studie: mehr Rechte für Heimbewohner und Angehörige

Heimbewohner und Angehörige hätten laut der Studie als eigentliche Geldgeber der Pflege bis heute keine  durchsetzbaren Mitbestimmungsrechte, sondern lediglich Informations- und  Anhörungsrechte. Zudem erschweren landesspezifische Heimgesetze Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen.

Transparency Deutschland fordert deshalb, im Bereich der Pflege durchsetzbare Mitbestimmungsrechte der Heimbewohner und Angehörigen einzuführen. Die Ergebnisse der Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sollen künftig für von stationärer Pflege betroffene Menschen und Angehörige einsehbar sein. Zudem fordert die Antikorruptionsorganisation, die sogenannten Transparenzberichte über die Pflegeheime auf einer deutschlandweit einheitlichen Website zu veröffentlichen.

Mehr Kontrolle der Betreuer

Die Transparency-Studie deckt auch erhebliche Defizite bei der Kontrolle der rechtlichen Betreuung auf: Für die selbstständige Tätigkeit als Berufsbetreuer gibt es keine berufsrechtlich definierten Zugangskriterien. Es gebe weder ein eindeutiges Berufsbild noch  eine besondere Qualifikation und es sei auch für Dritte nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien Betreuer von den Betreuungsbehörden ausgewählt würden, so die Autoren der Studie.

Berufsbetreuer unterstehen lediglich der gerichtlichen Kontrolle durch Rechtspfleger, der im Durchschnitt für die Aufsicht von fast 1.000 Verfahren zuständig ist. Bei einer Haushaltsauflösung, Immobiliengeschäften oder der Vermögensverwaltung während einer Betreuung sehen die Transparency-Autoren deshalb Möglichkeiten für Betrug und Korruption .

Foto: © Peter Atkins - Fotolia.com

 

Autor:
Hauptkategorie: Pflege

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

| Hohe Arbeitslosigkeit und Kurzzeitjobs im Süden Europas, Pflegenotstand in Deutschland: Mit spanischen Pflegekräften wollen deutsche Altenheime dem Fachkräftemangel entgehen. Die ersten Spanier beenden im Sommer ihre Sprachkurse und arbeiten dann als examinierte Pflegefachkräfte.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Tollwut-Impfstoffe ohne Wirkstoff, gepfuschte Kombi-Impfstoffe für Kinder – China wird von einem Impfstoffskandal erschüttert. Deutschland ist davon nicht betroffen, versichert das Paul-Ehrlich-Institut. Das chinesische Unternehmen Changchun Changsheng habe keine Zulassung in Europa.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.