Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.08.2013

Transparency-Studie sieht Einladung zur Korruption

Zu wenig Transparenz und Kontrollen, zu viel Bürokratie: In der Pflege und bei der rechtlichen Betreuung werden in Deutschland Einfallstore für Betrug und Korruption geöffnet. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Transparency Deutschland.

Fehlende Kontrollen laden dazu ein, das System auszuplündern

In der Pflege und Betreuung gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Abhängigkeit von Menschen mit Pflegebedarf wirtschaftlich auszubeuten – und sie werden genutzt. So lautet das Fazit der Studie „Transparenzmängel, Betrug und Korruption im Bereich der Pflege und Betreuung“, die in dieser Woche in Berlin vorgestellt wurde.

Für die Untersuchung geführte Expertengespräche hätten gängige Betrugsstrukturen offengelegt, die aus den Milliardenausgaben für die soziale Pflegeversicherung viel Geld abzweigen. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland hält eine Vielzahl von  Verbesserungen für notwendig, um die wirtschaftliche Ausbeutung der Abhängigkeit pflegebedürftiger Menschen zu verhindern.

Transparency-Studie: mehr Rechte für Heimbewohner und Angehörige

Heimbewohner und Angehörige hätten laut der Studie als eigentliche Geldgeber der Pflege bis heute keine  durchsetzbaren Mitbestimmungsrechte, sondern lediglich Informations- und  Anhörungsrechte. Zudem erschweren landesspezifische Heimgesetze Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen.

Transparency Deutschland fordert deshalb, im Bereich der Pflege durchsetzbare Mitbestimmungsrechte der Heimbewohner und Angehörigen einzuführen. Die Ergebnisse der Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sollen künftig für von stationärer Pflege betroffene Menschen und Angehörige einsehbar sein. Zudem fordert die Antikorruptionsorganisation, die sogenannten Transparenzberichte über die Pflegeheime auf einer deutschlandweit einheitlichen Website zu veröffentlichen.

 

Mehr Kontrolle der Betreuer

Die Transparency-Studie deckt auch erhebliche Defizite bei der Kontrolle der rechtlichen Betreuung auf: Für die selbstständige Tätigkeit als Berufsbetreuer gibt es keine berufsrechtlich definierten Zugangskriterien. Es gebe weder ein eindeutiges Berufsbild noch  eine besondere Qualifikation und es sei auch für Dritte nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien Betreuer von den Betreuungsbehörden ausgewählt würden, so die Autoren der Studie.

Berufsbetreuer unterstehen lediglich der gerichtlichen Kontrolle durch Rechtspfleger, der im Durchschnitt für die Aufsicht von fast 1.000 Verfahren zuständig ist. Bei einer Haushaltsauflösung, Immobiliengeschäften oder der Vermögensverwaltung während einer Betreuung sehen die Transparency-Autoren deshalb Möglichkeiten für Betrug und Korruption .

Foto: © Peter Atkins - Fotolia.com

 

Autor:
Hauptkategorie: Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Bei der Bewältigung der Coronakrise in Deutschland sind deutliche Schwächen erkennbar geworden. Insbesondere die Digitalisierung des Gesundheitssystems und eine bessere Nutzung medizinischer Daten zur Versorungssteuerung müssen vorangetrieben werden. Eine erste Bewertung zur Bewältigung der Pandemie hat Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit dem Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, vorgenommen.
 
Interviews

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin