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Transkranielle Magnetstimulation könnte helfen, mit dem Rauchen aufzuhören

Freitag, 19. November 2021 – Autor:
Es gibt neue Hoffnung für Raucher, die aufhören wollen, aber die Entwöhnung nicht schaffen: Die transkranielle Magnetstimulation könnte helfen.
Die Hirnstimulation half Rauchern bei der Entwöhnung

– Foto: DGKN/A. Zangen/Brainsway Inc.

Es gibt neue Hoffnung für Raucher, die aufhören wollen, aber die Entwöhnung nicht schaffen: Die transkranielle Magnetstimulation könnte helfen. Die Wirksamkeit wurde jetzt in einer Studie belegt. Darüber informiert die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN).

Jedes Jahr sterben deutschlandweit mehr als 120.000 Menschen an den gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Nach wie vor werden Alternativen zu pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Ansätzen zur Raucherentwöhnung gesucht.

Erfolglose Versuche der Rauchentwöhnung

In einer Studie mit 262 Patienten wurde die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), eine nicht invasive Methode der Hirnstimulation, getestet. Die Probanden stammten aus zwölf US-amerikanischen und zwei israelischen Behandlungs-Zentren. Alle Patienten hatten mindestens einen erfolglosen Versuch hinter sich, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei zwei Dritteln der Teilnehmenden waren drei oder mehr Anläufe gescheitert.

Es wurde eine spezielle Form der rTMS, eine sogenannte deep TMS, eingesetzt. Unmittelbar vor der Behandlung wurden fünf Minuten lang suchtspezifische Symptome provoziert: Die Studienteilnehmersollten sich die Auslöser ihres Suchtverlangens vorstellen und wurden mit einer Audiodatei und Bildern zum Rauchen konfrontiert.

 

Jeder zweite erhielt nur Scheinstimulation

Danach erfolgte die Hirnstimulation (in jeder Sitzung 60 Einheiten von je drei Sekunden Dauer mit jeweils 30 Pulsen) mittels einer Magnetspule, die über dem lateralen präfrontalen Kortex und der Inselrinde platziert wurde. In den ersten drei Wochen erfolgte die Behandlung werktäglich, in den folgenden drei Wochen einmal wöchentlich.

Jeder zweite Teilnehmende wurde dabei aber nur zum Schein stimuliert - diese Placebogruppe diente zum Vergleich. Nach der Stimulation wurde ein Motivationsgespräch als zweiminütige Kurzintervention geführt.

Transkranielle Magnetstimulation könnte helfen, mit dem Rauchen aufzuhören

Ergebnis: Nach 18 Wochen hatten es in der Gruppe der mit rTMS behandelten laut Fragebogen 19,4  Prozent geschafft, mindestens vier Wochen durchgehend nicht zu rauchen, was die Forscher mittels Urinproben auf Nikotinabbauprodukte kontrollierten. In der Vergleichsgruppe lag der Anteil bei lediglich 8,7 Prozent.

Nach den ersten sechs Wochen hatten sich sogar 28 Prozent der mit rTMS behandelten von den Zigaretten befreien können, in der Placebogruppe waren es nur 11,7 Prozent. Durchschnittlich rauchten die Patienten der Verumgruppe weniger Zigaretten und hatten ein vermindertes Verlangen danach. Die transkranielle Magnetstimulation könnte demnach helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

In den USA bereits als Therapie zugelassen

Für die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA waren die Daten hinlänglich überzeugend, um diese rTMS-Methode erstmals als Hilfe bei der Raucherentwöhnung Erwachsener zuzulassen.

"Da es sich um einen ganz speziellen rTMS-Ansatz handelt, ist das Verfahren hierzulande noch nicht einfach verfügbar. Zur genauen Beurteilung des Stellenwertes bedarf es weiterer Forschung", kommentiert Prof. Frank Padberg von der Psychiatrischen Uniklinik München in einer Pressemitteilung. Padberg ist Koordinator des German Center for Brain Stimulation. Die Studie erschien im Fachmagazin World Psychiatry.

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