. Nierenversagen

Tragbare Niere könnte Dialysetherapie revolutionieren

Für Dialysepatienten könnte es bald eine Alternative geben. Forscher arbeiten zurzeit an einer tragbaren, künstlichen Niere, die den Betroffenen mehr Mobilität ermöglichen soll. Erste klinische Studien sind offenbar erfolgreich verlaufen.
Rund 80.000 Menschen in Deutschland benötigen eine Nierenersatztherapie

Fast 80.000 Menschen in Deutschland benötigen eine Nierenersatztherapie

Neben der Nierentransplantation ist die Dialyse die wichtigste Nierenersatztherapie bei chronischem oder akutem Nierenversagen, und da nicht genug Spendernieren für alle Erkrankten zur Verfügung stehen, ist das Blutreinigungsverfahren für die Betroffenen oft die letzte Hoffnung. Allerdings ist die Dialysepflicht auch mit großen Einschränkungen verbunden, denn die Patienten verbringen viel Zeit damit, an die Apparatur angeschlossen zu sein. Hoffnung könnte da ein neues Verfahren bieten, das zurzeit von Forschern entwickelt wird: Eine tragbare, künstliche Niere soll den Patienten mehr Mobilität und Freiheit ermöglichen.

Künstliche Niere ist weniger als fünf Kilogramm schwer

Erste klinische Studien in Italien und Spanien sind nach Angaben von Dr. Victor Gura, Professor an der University of California in Los Angeles, vielversprechend verlaufen. Er hatte auf der diesjährigen Dialyse-Konferenz der American Society of Nephrology die jüngsten Fortschritte bei der Entwicklung einer tragbaren künstlichen Niere (WAK, wearable artificial kidney) präsentiert.

Bei der künstlichen Niere handelt es sich um eine batteriebetriebene Dialyseeinheit, die wie ein Werkzeuggürtel getragen werden kann. Sie ist etwa 4,5 Kilogramm schwer und benötigt nur etwa 400 Milliliter steriles Wasser – ein großer Fortschritt im Vergleich zu herkömmlichen Dialysemaschinen, die rund 60 Kilogramm wiegen und im Betrieb 120 Liter Wasser verbrauchen.

Trotz der jüngsten Erfolge wird es aber noch eine Weile dauern, bis die tragbare Niere zur praktischen Anwendung kommen kann. Zunächst gilt es, einige technische Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich des Einflusses der verwendeten Ionenaustausch-Absorber auf den Elektrolyt- und Säure-Base-Haushalt sowie die Frage nach der Sicherheit des direkten Blutkreislaufzugangs. Denn im Fall einer versehentlichen Abtrennung besteht das Risiko eines substanziellen Blutverlusts und einer Luftembolie. Dennoch ist Dr. Gura optimistisch: „Ich hoffe, dass in fünf Jahren dieses Gerät landesweit eingesetzt wird.“

Neue Methoden zur Nierenersatztherapie nötig

Wie wichtig die Entwicklung neuer Methoden zur Behandlung des Nierenversagens ist, hat im März 2015 eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift The Lancet gezeigt. Demnach erhält im besten Fall nur die Hälfte derjenigen, die ein Nierenersatzverfahren benötigen, eine entsprechende Therapie. Zudem können auch die derzeitigen Dialyseverfahren die normale Nierenfunktion nicht komplett ersetzen. Denn neben der unpraktischen Anwendung können langfristig Begleiterscheinungen wie Gefäßverkalkungen, Herzerkrankungen, Knochen- und Gelenkschäden entstehen.

Foto: © freshidea - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenversagen

| Anthony Atala ist Direktor des Instituts für Regenerative Medizin an der Wake-Forest-Universität in North Carolina. Ihm und seinem Team gelang es jetzt, eine funktionsfähige Niere mit einem 3D-Drucker herzustellen. Das erzählte er zum Auftakt des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit in einem Interiew mit dem Berliner „Tagesspiegel“.
| Über 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse oder eine Transplantation angewiesen. Experten und Betroffene wollen den heutigen Weltnierentag nutzen, um die Prävention von Nierenerkrankungen ins Bewusstsein zu rücken.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.