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Tödliche Fixierungen

Nach wie vor werden Menschen in Altenheimen oder Krankenhäusern häufig fixiert, um sie vor Stürzen zu schützen. Doch nicht selten hat diese Vorgehensweise tödliche Folgen.
Tödliche Fixierungen

CHW, Fotolia.com

Etwa 100.000 freiheitsentziehende Massnahmen ordnen deutsche Gerichte pro Jahr an. Noch häufiger sind Fixierungen ohne gerichtlichen Beschluss, denn kurzfristige Anordnungen wie das Anbringen von Bettgittern über Nacht bedürfen keiner richterlichen Genehmigung. Im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit an der Fachhochschule Frankfurt geht man davon aus, dass täglich etwa 400.000 Fixierungen  vorgenommen werden. Betroffen sind meist alte und demente Menschen oder psychisch Kranke.

Risiken bei Fixierungen

Eine Fixierung ist nicht nur ein schwerer Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte und führt häufig zu erheblichen psychischen und physischen Schäden. Sie kann für die Patienten auch lebensbedrohlich werden. So versuchen die meisten alten Menschen, die mit Gurten ans Bett gefesselt werden, aus dieser Fixierung herauszukommen. Sie drehen und winden sich dann so lange, bis sie mit dem Oberkörper aus dem Bett herausfallen. Unter Umständen bleiben sie dann kopfüber in ihren Fesseln hängen, wodurch die Sauerstoffversorgung im Gehirn massiv beeinträchtigt wird, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Oder die Patienten geraten mit dem Hals so in den Gurt, dass sie sich daran strangulieren. Etwa 30 Todesfälle dieser Art werden pro Jahr in Deutschland registriert. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich etwa zehnmal so hoch.

Die Hersteller der Spezialgurte sind sich dieser Gefahren bewusst und drucken bereits Warnhinweise auf ihre Produkte. Fixierte Patienten sollen demnach engmaschig beobachtet werden, um Verletzungen zu vermeiden. Dies wird aber in Heimen häufig nicht getan, denn die Fixierung soll das Personal ja gerade davon entlasten, ständig nach den Patienten sehen zu müssen.

 

Weitere Gefahren

Fixierungen sind aber nicht nur aufgrund ihrer potenziell tödlichen Folgen gefährlich. Werden Menschen über mehrere Wochen in ihrer Bewegung eingeschränkt, sind die körperlichen Konsequenzen erheblich: Muskeln werden abgebaut, Inkontinenz entsteht, und es bilden sich Liegegeschwüre. Besonders schwerwiegend sind auch die psychischen Belastungen, denn Menschen, die noch laufen können, wollen dies meist auch tun, und eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit wird häufig als Quälerei empfunden.

Initiativen gegen Fixierung in der Pflege

Seit einiger Zeit bilden sich nun Initiativen, die für eine Pflege mit möglichst wenigen Fixierungen plädieren und andere Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. So hat sich der "Werdenfelser Weg", ein Konzept, dem sich rund 30 Landkreise in Bayern angeschlossen haben, als äusserst erfolgreich erwiesen. Durch verschiedene Massnahmen wie der Einführung eines unabhängigen Pflegefachmanns in das Gremium, das über die freiheitsbeschränkenden Massnahmen entscheidet, konnten die Anträge auf Fixierung um zwei Drittel gesenkt werden. Ein ähnliches Projekt ist das vom Familienministerium geförderte "Redufix", das gezielte Schulungen des Personals vornimmt, wodurch die Zahl der Fixierungen um 20 Prozent verringert werden konnte. Als wichtigstes Ergebnis zeigte sich dabei, dass bei entsprechender Schulung die Einschränkung von Fixierungen nicht zu einer höheren Zahl von Stürzen führt - und das ohne höheren Zeitaufwand für die Pflegekräfte.

Hauptkategorie: Pflege
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