. Gehirnentzündung

Tod nach Masern: Mädchen stirbt an SSPE

In Hessen ist ein sechsjähriges Mädchen an einer Masern-Gehirnentzündung SSPE verstorben. Der Fall zeigt, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind.
Mehr als nur ein Hautauschlag: Masern können das Gehirn befallen und tödlich sein, wie der jüngste Fall aus Hessen zeigt

Mehr als nur ein Hautauschlag: Masern können das Gehirn befallen und tödlich sein, wie der jüngste Fall aus Hessen zeigt

Nach Jahren schwerster Behinderung ist in Hessen ein sechsjähriges Mädchen an den Folgen einer Masern-Infektion gestorben. Bei der kleinen Aliana hatte das Masern-Virus das Gehirn befallen und zu einer chronischen Gehirnentzündung SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) geführt. Eine SSPE endet immer tödlich.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie gefährlich Masern sein können. Alianas Mutter hatte schon im letzten Jahr die Krankheit ihrer Tochter öffentlich gemacht und auf die Wichtigkeit der Masernimpfung hingewiesen. Sie selbst war nach eigenen Angaben nicht geimpft. Auch Erwachsene können sich mit Masern infizieren und andere anstecken. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, die noch keinen vollständigen Impfschutz haben, sind extrem gefährdet.

Impfung hätte Tod verhindern können

Experten mahnen deshalb, den eigenen Impfschutz zu überprüfen. Gerade junge Erwachsene sind oft nicht ausreichend oder gar nicht gegen Masern geimpft. Wegen derartiger Impflücken kommt es in Deutschland immer wieder zu Masernausbrüchen. Erst im vergangenen Jahr gab es in Berlin eine große Masern-Welle: Zwischen Oktober 2014 und Februar 2015 wurden 600 Masern-Fälle gemeldet. Dabei war auch ein kleiner Junge aus Reinickendorf gestorben. Der Eineinhalbjährige war nach Senatsangaben nicht gegen Masern geimpft.

Die Ausrottung der Masern kann nur gelingen, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Deutschland liegt unter dieser Quote. So sind bei Schulbeginn nur 92 Prozent der Kinder zweimal gegen Masern geimpft. Die zweite Impfung ist aber entscheidend, um den Körper vollständig gegen das hoch ansteckende Virus zu immunisieren. In den 1970er Jahren war das noch nicht bekannt. Viele, die in den 1970er und 1980er Jahren geboren wurden, sind allenfalls einmal und damit unzureichend gegen Masern geimpft. Daher sind junge Erwachsene bei Masern-Ausbrüchen überproportional häufig betroffen. Fast alle Menschen, die davor geboren wurden, haben eine Masern-Infektion im Kindesalter durchgemacht und sind dadurch grundimmunisiert.

Einer von 1.000 Masern-Erkrankten stirbt

Impfgegner nutzen gerne das Argument, dass die meisten eine Masern-Infektion gut überstehen. Damit wollen sie die schwereren und tragischen Verläufe herunterspielen. Dabei kommt es immerhin bei einem Drittel der Erkrankten zu Komplikationen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen und mehr. Und es kann wie im Falle der kleinen Aliana zu der gefährlichen Gehirnetzündung SSPE kommen, für die es keine Heilung gibt. Gehirnzellen werden dabei unwiderruflich zerstört. 

Laut Robert-Koch-Institut endet eine von 1.000 Masern-Infektionen tödlich. Das Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten der EU geht sogar von drei Todesfällen pro 1.000 Masernfälle aus.

Foto: © uwimages - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Masern , Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Masern

| Maserninfektion überstanden – alles gut? Von wegen. Forscher haben herausgefunden, dass Masernviren einen Teil des Immungedächtnisses löschen, und zwar über Jahre. Masern sind also noch gefährlicher als man bislang dachte.
| Die Zahl der Masernerkrankungen hat sich im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr innerhalb Europas verdreifacht. Erwartungsgemäß kommen die Masern in den Ländern am häufigsten vor, in denen die Impfquoten besonders niedrig sind. Das ist zum Beispiel in der Ukraine der Fall.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Nach dem Wunsch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollen flächendecke Fieber-Ambulanzen die Praxen entlasten, wenn die Corona-Infektionen in den Wintermonaten wieder zunehmen werden. Kinder- und Jugendärzte halten diese Idee für schädlich.
Im Vorfeld des World Health Summit sprechen Christian Drosten und Detlev Ganten über das Coronavirus im Speziellen und die globale Ausbreitung im Allgemeinen. Für den Virologen steht fest: Deutschland hat nichts besser gemacht als andere Länder. Und: Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.