. Studie

Tiefenhyperthermie bei Weichteilsarkom sinnvoll

Bei Weichteilsarkomen gibt es keine Standardtherapie. Nun haben Forscher gezeigt, dass eine Kombination aus Tiefenhyperthermie und Chemotherapie den Behandlungserfolg signifkant verbessern kann.
Krebszelle, Weichteilsarkom, Tumor, Tiefenhyperthermie

Forscher versuchen, mit Tiefenhyperthermie Krebszellen zu Leibe zu rücken

Sarkome können praktisch alle Körperbereiche befallen. Während die Therapie von Knochensarkomen seit Jahren standardisiert ist, sieht es bei den Weichteilsarkomen anders aus. Hier müssen Ärzte oft mehrere Verfahren kombinieren, um die Prognose zu verbessern. Schon seit längerem weiß man, dass zusätzlich zu Operation, Chemotherapie und Bestrahlung auch die Hyperthermie eine sinnvolle Behandlungsoption sein kann. Sie wird allerdings erst in wenigen Zentren angewendet. Nun haben Ärzte die Methode in einer neuen Studie überprüft und dazu ein neuartiges MRT-Tiefenhyperthermie-Hybridsystem zur Anwendung gebracht – mit Erfolg. Die Ergebnisse der Analyse wurden im Fachmagazin Jama Oncology veröffentlicht.

Überlebensvorteil durch Hyperthermie-Verfahren

Die Forscher konnten zeigen, dass eine regionale Überwärmung von Tumoren im Temperaturbereich von 40° bis 43° Celsius in Kombination mit einer prä- und postoperativen Chemotherapie das Langzeitüberleben von Patienten mit Weichteilsarkomen im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie verlängerte. Der signifikante Überlebensvorteil der Patienten wurde durch die längerfristige Tumorkontrolle am Ort der Überwärmung bestätigt.

Die Studie wurde unter der Leitung von Professor Rolf Issels an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) initiiert und mit Beteiligung mehrerer universitärer Hyperthermie-Zentren durchgeführt. Die Resultate wurden bei 329 Patienten mit fortgeschrittenen, bösartigen Weichteilsarkomen in Ergänzung zur Operation und Bestrahlung erreicht. Nach Einschätzung von Professor Lars Lindner, Koordinator des Zentrums für Knochen und Weichteiltumoren (SarKUM) und Leiter der Hyperthermie am Klinikum der Universität München, eröffnen die Ergebnisse Patienten mit Hochrisiko-Weichteilsarkomeneinen einen neuen Behandlungsweg. Inwieweit dieser Therapieansatz auch die Behandlungsergebnisse bei anderen bösartigen Erkrankungen verbessern kann, ist offen.

 

Neues System ermöglicht nicht-invasive Temperaturmessung

Für die Behandlung setzten die Forscher ein neu entwickeltes MRT-Tiefenhyperthermie-Hybridsystem ein, dass eine nicht-invasive Temperaturmessung bei der Therapie ermöglicht. Bisher erfolgte die Temperaturmessung während der Behandlung über Temperatursensoren, die entweder in den Tumor oder in natürliche Körperhöhlen in der Nähe des Tumors eingeführt wurden. „Über die simultane Messung von temperaturempfindlichen MRT-Signalen erhoffen wir uns zukünftig eine möglichst genaue und nicht-invasive Erfassung der Temperatur im gesamten Tumorvolumen während der Behandlung“, erklärt Dr. Bassim Aklan, der als Medizinphysiker das Gerät betreuen wird.

Die fokussierte Erwärmung von Tumoren ermöglicht auch den gezielten Transport von Wirkstoffen über wärmeempfindliche Nanopartikel. Diese zirkulieren so lange in der Blutbahn, bis sie das erwärmte Tumorgewebe erreichen und dort schlagartig ihren Wirkstoff freisetzen. „Mit Hilfe dieser Technologie ist es möglich, eine bis zu 15-fach höhere Wirkstoffkonzentration im Tumorgewebe zu erreichen, ohne dabei Nebenwirkungen auf den Körper zu erhöhen. So konnten in Zusammenarbeit mit der Tierklinik der LMU bereits Katzen, die an einem Weichteilsarkom erkrankt waren, erfolgreich behandelt werden“, so Lindner. Mit Hilfe eines BMBF Förderprojekts soll diese Entwicklung nun in die klinische Erprobung gehen und helfen, die Ergebnisse für Patienten mit Weichteilsarkomen weiter zu verbessern.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sarkome

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Hitze und Sonne belasten den menschlichen Körper auf unterschiedliche Art und Weise. Vor allem die Gesundheit von älteren Menschen, Babys und chronisch Kranken kann dabei gefährdet werden. Kreislaufversagen und Hitzschlag können die Folgen sein.
Henna-Tattoos sind ein beliebtes Urlaubs-Souvenir. Dem rotbraunen Farbstoff sind jedoch oft Chemikalien zugesetzt, die Allergien auslösen können und in Europa verboten sind. Schwarzes Henna gibt es in der Natur nicht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.