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28.10.2020

Thrombektomie bei schweren Schlaganfällen sinnvoll

Ein Kathetereingriff, die Thrombektomie, bringt Patienten mit schweren und mittelschweren Schlaganfällen Vorteile. Das hat eine Meta-Analyse gezeigt. Anlässlich des Weltschlaganfalltags am 29. Oktober fordern Experten nun, diese Therapieoption allen Patienten zugänglich zu machen.
Schlaganfall, Thrombektomie

Bei der Suche nach dem geeigneten Therapieverfahren bei Schlaganfall kommte es auch auf eine sorgfältige Patientenauswahl an

Die häufigste Ursache für einen Schlaganfall ist ein Gefäßverschluss. Schon 4,5 Stunden danach entstehen bleibende Schäden, daher muss der Blutfluss so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Dies geschieht entweder durch eine medikamentöse Therapie (Lysebehandlung) oder durch einen Kathetereingriff (Thrombektomie). Eine Meta-Analyse hat nun zeigt, dass eine Thrombektomie vor allem bei schwerer Symptomatik (ASPECT-Score <6) vorteilhaft ist. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).  Für die Analyse wurden insgesamt 15 randomisierte kontrollierte Studien mit 3.694 Patienten und 37 Observationsstudien mit 9.090 ausgewertet.

Thrombektomie kann zu Hirnblutungen führen

Wie sich zeigte, war die Thrombektomie in den randomisierten Studien der Lysebehandlung überlegen. Doch in den „real life“-Settings der Observationsstudien profitierten nicht alle Patienten gleichermaßen von dem Eingriff. Dort war die Thrombektomie bei Patienten mit mittelschweren Schlaganfällen zwar mit einem geringeren Behinderungsausmaß und einer niedrigeren Mortalität assoziiert. Allerdings gab es bei diesen Patienten nach dem Eingriff mehr Hirnblutungen.

Bei Patienten mit schweren Hirninfarkten führte die Thrombektomie ebenfalls zu weniger Behinderungen und niedrigerer Mortalität. Hier gab es hinsichtlich der Hirnblutungen jedoch keinen Unterschied zur Lysebehandlung. Diese Patienten profitierten also besonders von der invasiven Methode.

 

Bei schweren Schlaganfällen bringt Thrombektomie Vorteile

Patienten mit leichten Schlaganfällen hatten hingegen keine Vorteile im Hinblick auf das Ausmaß der Behinderung durch die Thrombektomie. Darüber hinaus ging der Eingriff in dieser Gruppe mit einer höheren Mortalität und Hirnblutungsrate einher.

Die Studienautoren leiten aus den Ergebnissen ab, dass der Einsatz der endovasalen Thrombektomie bei Patienten mit schweren und mittelschweren Schlaganfällen als Verfahren der ersten Wahl zu werten ist. Anders als die aktuellen Leitlinien eitlinienunterstützen die Daten der Metaanalyse aber nicht den Einsatz des Verfahrens bei Patienten mit leichten Schlaganfällen (MSG; NIHSS-Score <6).

Allen Patienten müssen Kathetereingriff erhalten können

„Wichtig ist also eine kluge Patientenstratifizierung, in die neben der Schwere des Insults auch andere Faktoren eingehen sollten, beispielsweise das mögliche Narkoserisiko bei älteren Menschen“, erklärt Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN. „Die Studie zeigt aber auch die Notwendigkeit, die Versorgungsstrukturen zu verbessern und Netzwerke zu bilden, mit dem Ziel auch Menschen in ländlichen Regionen den Zugang zur mechanischen Thrombektomie in einem erfahrenen Zentrum zu ermöglichen. Bei schweren Schlaganfällen müssen Betroffene auf dem Land die gleiche Chance auf eine vollständige Genesung haben wie Patienten in Ballungsgebieten“, so Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

„Während wir für die Lysebehandlung nur ein Behandlungsfenster von 4,5 Stunden haben, profitieren schwerer Betroffene auch noch später von einer Thrombektomie“, so Berlit. Unverändert gelte bei Schlaganfällen aber die Regel „Time is brain.“

 

Foto: Adobe Stock / Khunatorn

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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