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Theta Burst Stimulation soll Depressionsbehandlung verbessern

Die transkranielle Magnetstimulation hat sich bei Depressionen bereits bewährt, ist aber noch nicht klinische Routine. Mit einer speziellen Form - der sogenannten Theta Burst Stimulation - soll die Therapie nun kürzer und wirksamer werden. In Deutschland läuft gerade eine neue multizentrische Studie dazu an.
Die Theta Burst Stimulation ist ein neues Behandlungsverfahren gegen Depressionen

Die Theta Burst Stimulation ist ein neues Behandlungsverfahren gegen Depressionen

Wenn Patienten mit Depressionen auf Psychotherapie und Medikamenten nicht ausreichend ansprechen, kann ein Therapieversuch mit der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) angezeigt sein. Hierbei werden schwache Stromimpulse durch die Schädeldecke (transkraniell) geleitet, was die Erregbarkeit von Nervenzellen der Hirnrinde beeinflusst. Damit soll unter anderem die verstärkte Wahrnehmung negativer Gedanken und Gefühle unterbunden werden.

Theta Burst Stimulation bei Depressionen vermutlich effektiver

Die TMS-Behandlung ist aber noch keine klinische Routine, da der therapeutische Effekt bislang nur durch vergleichsweise wenige klinische Studien belegt werden konnte. Außerdem ist das Verfahren sehr zeit- und kostenintensiv.

Am Universitätsklinikum Ulm wird nun eine spezielle Form der TMS in einer klinischen Studie untersucht: Die sogenannte Theta Burst Stimulation (TBS). Sie soll nach Angaben von Prof. Thomas Kammer die Aktivität der Nervenzellen mit deutlich kürzerer Stimulationsdauer beeinflussen und möglicherweise sogar länger anhaltend. „Damit kann die Therapie nicht nur schneller durchgeführt werden, sondern es können auch beide Hirnhälften in einer Sitzung behandelt werden“; so Kammer.

 

Studie sucht noch Teilnehmer

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Ulm ist eines von sieben Studienzentren, das an der TBS-D-Studie teilnimmt. Die Federführung hat das Universitätsklinikum Tübingen. Für die Studie werden aktuell noch Teilnehmer zwischen 18 und 70 Jahren gesucht, die an einer moderaten oder schweren unipolaren Depression leiden und deren aktuelle Medikation über mindestens vier Wochen stabil ist. Ausschlusskriterien sind beispielsweise weitere psychische Erkrankung, eine bereits in der Vergangenheit erfolgte repetitive Magnetstimulation, eine Behandlung mit EKT oder Tiefenhirnstimulation, ein Herzschrittmacher oder Implantate im Kopf sowie eine Schwangerschaft.

Behandlung dauert nur 5 Minuten

Das Studiendesign ist randomisierten und placebokontrolliert. Das heißt, die Hälfte der Teilnehmenden erhält in 30 Sitzungen über sechs Wochen eine TBS beider Stirnhirnhälften. Die Behandlung selbst dauert nur etwa fünf Minuten. Bei der anderen Gruppe wird die gleiche Behandlung durchgeführt, jedoch ohne wirksame Stimulation des Gehirns. Durch die Kontrollgruppe soll die Wirksamkeit der TBS sicher ermittelt werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Studie, die der Frage nachgeht, inwieweit die direkte Stimulation des Gehirns mit TBS zu einer Verbesserung der Depression führt. „Sollten wir diesen Nachweis erbringen können, bedeutet dies für die Patientinnen und Patienten eine erhebliche Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten“, betont Studienarzt Thomas Kammer. „Dies wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer noch wirksameren, schnelleren und verträglicheren Behandlung von Depressionen.“

Interessierte erhalten über folgende Kontaktdaten weitere Informationen:

Telefon: 0731 500 61485
Email: studie.tbsd@uniklinik‐ulm.de

Foto: © Adobe Stock/ Kirsty Pargeter

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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