. Psychologische Studie

Testosteron im Kopf

Testosteron steht für Muskeln und Männlichkeit. Das Hormon wirkt aber auch im Kopf. Einer neuen Studie zufolge mindert ein hoher Testorsteronspiegel die Fähigkeit, reflektierte Entscheidungen zu treffen.
Hoher Testosteronspiegel: verhindert kritisches Nachdenken, fördert impulsives Verhalten

Hoher Testosteronspiegel: verhindert kritisches Nachdenken, fördert impulsives Verhalten

Machos sind ein Sinnbild für Testosteron. Das Hormon fördert die Muskelkraft, stimuliert die männliche Sexualfunktion und fördert aggressives Verhalten. Evolutionär waren diese Eigenschaften überlebenswichtig. Das Männlichkeitshormon macht aber noch mehr mit den Männern, und zwar im Kopf.

Forscher vom California Institute of Technology in Pasadena hatten rund 120 meist junge Männern einmalig mit einem Testosteron-Gel behandelt, so dass sich ihr Testosteronspiegel nachweislich erhöhte. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo.

Die schnelle Lösung ist seltener richtig

Anschließend mussten sich alle 243 Probanden einem Kognitiven Reflexionstests unterziehen. Dabei waren einfache Rechenaufgaben zu lösen gelöst, die auf den ersten Blick aber in die Irre führen. Obwohl es keine Zeitbeschränkung gab, gaben die mit Testosteron behandelten Männer ihre Antworten deutlich schneller ab – mit dem Resultat, dass sie schlechter abschnitten als die Kontrollgruppe: Mit 20 Prozent weniger richtigen Antworten gilt das Ergebnis als signifikant. Dabei blieben die Abweichungen von der Placebo-Gruppe auch bei Unterschieden in Alter, Laune, mathematischen Fähigkeiten und dem Einfluss von 14 anderen Hormonen konstant.

 

Testosteron hemmt offenbar reflektiertes Nachdenken

Macht ein hoher Testosteronspiegel Männer also dümmer? Für Studienautor Colin Camerer vom California Institute of Technology in Pasadena deuten die Ergebnisse eher darauf hin, dass Testosteron reflektiertes Nachdenken unterdrückt. „Unsere Studie zeigt, dass Testosteron diverse Effekte auf das Urteilsvermögen und das Treffen von Entscheidungen hat“, so Camerer. Dieses Ergebnis sei neu, die dahinter steckenden neurologischen Prozesse noch weitgehend ungeklärt.

Bisherige Studien konnten bereits einen Zusammenhang zwischen Testosteron und verminderter Impulskontrolle nachweisen. Die neue Studie ist keineswegs ein Widerspruch, sondern zeigt ergänzend, dass selbst in Testsituationen kritisches Nachdenken auf der Strecke bleibt. Laut Forscher Camerer könnte aber auch das Bauchgefühl, Recht zu haben, das Ergebnis erklären.

Die Studie "Single dose testosterone administration impairs cognitive reflection in men“ ist im Fachblatt Psychological Science erschienen.

Foto:  © Fxquadro - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hormone
 

Weitere Nachrichten zum Thema Testosteron

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Auch wenn eine Impfung mit „Nicht-Lebendimpfstoffen“ in der Stillzeit nach dem Stand der Dinge weder für die Mutter noch für den Säugling ein besonderes Risiko darstellt: Eine Routineimpfung aller Stillenden wird von den Fachgesellschaften nicht empfohlen. Anders verhält es sich bei Müttern, die wegen bestimmter Grunderkrankungen zu einer Risikogruppe zählen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.