Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Test soll bei Wahl des richtigen Antidepressivums helfen

Mittwoch, 11. November 2015 – Autor:
Ein neuer Test soll Ärzten bei der Auswahl des richtigen Antidepressivums für Patienten mit Depressionen helfen. Es wurde von dem Unternehmen HMNC Brain Health gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie entwickelt.
Nicht jedes Antidepressivum schlägt bei Patienten an

Die Suche nach dem geeigneten Antidepressivum kann bislang dauern – Foto: rcfotostock - Fotolia

Welches Antidepressivum bei einem Patienten anschlägt, müssen Ärzte teilweise über mehrere Behandlungsversuche herausfinden. Ein vor allem für die Betroffenen belastender Zustand. Bei rund zwei Drittel aller Menschen mit Depressionen bleibt in den ersten Monaten der Heilerfolg aus, zugleich leiden sie unter den unerwünschten Nebenwirkungen der Medikamente.

Das soll sich nach Angaben des Unternehmens mit dem Test ändern. Der gibt Auskunft über den Aktionsradius der P-Glykoproteine, das sind Transportermoleküle an der Blut-Hirn-Schranke. Ungefähr siebzig Prozent aller erhältlichen Antidepressiva werden von diesen P-Glykoproteinen am Übergang ins Hirngewebe gehindert und können dort nicht ihre Wirkung entfalten.

Test analysiert Gen-Varianten, die Blut-Hirn-Schranke beeinflussen

Der genetische Bauplan der P-Glykoproteine liegt auf dem ABCB1-Gen, das beim Menschen in verschiedenen Varianten vorkommt. Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie wurde ein Zusammenhang zwischen bestimmten ABCB1-Genotypen und der Effektivität des Transportermoleküls nachgewiesen. Danach ist der Übergang von Antidepressiva ins Gehirn entweder vermindert oder erleichtert. 



Wenn das Protein wenig aktiv ist, sollte eine Überdosis vermieden werden. Wenn das Protein effektiv arbeitet, ist eventuell eine höhere Dosis nötig. Wenn es sehr aktiv ist, sollte eventuell auf Wirkstoffe zurückgegriffen werden, die von den P-Glykoproteinen nicht erkannt werden, so genanntenNon-Substrate.

 

ABCB1-Testergebnis empfiehlt geeignetes Antidepressivum und Dosis

Auf Basis einer Blutprobe analysiert der ABCB1-Test die Gen-Varianten und gibt danach Empfehlungen für bestimmte Wirkstoffe und die Dosis sowie für ergänzende Maßnahmen wie Psychotherapie.

Erfasst sind dabei gängige Medikamente wie Paroxetin, Citalopram, Escitalopram, Venlafaxin, Amitriptylin, Amitriptylinoxid, Nortriptylin, Trimipramin und Sertralin sowie Fluoxetin, Mirtazapin, Agomelatin und Bupropion, letztere zählen zu den Non-Substraten.

Der ABCB1-Test ist nur einmal erforderlich, das Testergebnis lebenslang gültig. Bislang wird er nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, er wird über die Private Krankenversicherung oder als Selbstzahlerleistung (Igel) abgerechnet.

Foto: rcfotostock

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antidepressiva

08.06.2018

Patienten mit Depressionen haben zurzeit die Wahl zwischen einer Vielzahl verschiedener Antidepressiva, die unterschiedlich wirken und unterschiedliche Nebenwirkungsprofile haben. Eine amerikanische Studie hat nun gezeigt, dass ein EEG bereits im Vorfeld der Therapie Hinweise liefern kann, welches Medikament für einen Patienten am besten geeignet ist.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Die Lockdowns 2020 sorgten dafür, dass sich die Menge an gesundheits- und klimaschädlichem Ruß in der Atmosphäre fast halbierte. Das zeigt eine Studie von sechs deutschen Universitäten und Instituten, die dafür ein Messflugzeug in die Luft über Europa schickten.

Das Herz erwachsener Säugetiere kann kaum neue Herzmuskelzellen bilden. Mit dem Alter sinkt die Regenerationsfähigkeit weiter, die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Jetzt konnten Forscher nachweisen, dass sich mit Sport gegensteuern lässt.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin