. Fernbehandlungsverbot aufgehoben

Telemedizin-Anbieter erwarten Aufwind in Deutschland

Der Deutsche Ärztetag hat in der vergangenen Woche den Weg für mehr Telemedizin in Deutschland freigemacht. Nicht nur Telemedizin-Anbieter begrüßen diesen Schritt.
Ärztetag erfreut Telemedizin-Anbieter

Der Ärztetag ebnet den Weg für mehr Telemedizin in Deutschland.

David Meinertz, Jurist und Chef der Online-Arztpraxis DrEd mit Sitz in England freut sich: „Wir begrüßen die Entscheidung der Bundesärztekammer, den deutschen Gesundheitsmarkt für die telemedizinische Erstbehandlung von Patienten zu öffnen. So können endlich auch Ärzte in Deutschland Patienten aus der Ferne behandeln, ohne dass diese erst in die Arztpraxis kommen müssen.”

Bisher sah das Fernbehandlungsverbot in der Musterberufsordnung der Ärzte vor, dass ein Arzt einen Patienten nur dann per Telefon, Videosprechstunde oder online behandeln darf, wenn er ihn vorher mindestens einmal persönlich gesehen hatte.

Ärztetag lockert Fernbehandlungsverbot

Der Deutsche Ärztetag in Erfurt hat diese Regelung in der vergangenen Woche aufgehoben. Die bundesweite Rahmenbestimmung regelt nun, dass eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien im Einzelfall erlaubt ist. Voraussetzungen sind, dass die ausschließliche Fernbehandlung ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt wird. Zudem müssen die Patienten über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt werden.

„Es gibt viele Indikationen, die sich erwiesenermaßen sehr gut aus der Ferne behandeln lassen“, meint Meinertz. Mit dieser Meinung steht er bei weitem nicht allein. Der Beschluss des Ärztetages lockte zahlreiche weitere Telemedizin-Anbieter wie patientus oder Medi24 aus der Reserve.

Telemedizin-Anbieter und Krankenkassen nähern sich an

Doch auch Krankenkassen in Deutschland begrüßten die Lockerung der Rahmenbestimmung. So kündigte etwa die AOK Nordost an, dass sie die psychotherapeutischen Videosprechstunden in ihrem Berliner Centrum für Gesundheit deutlich ausweiten will. Barmer-Chef Dr. Christoph Straub erwartet durch den Beschluss „große Chancen für eine weitere Säule der Versorgung“. Sie fördere die rasche Abklärung allgemeiner Beschwerden, aber vor allem die intensivere Betreuung immobiler Patienten. Straub forderte allerdings auch, dass eine bundesweit einheitliche Regelung in Kraft treten müsse.

Denn maßgeblich für das Berufsrecht der Ärzte in Deutschland ist letztendlich nicht der Beschluss des Ärztetages. Bevor er in der Praxis greifen kann, müssen die Landesärztekammern ihre Berufsordnungen entsprechend ändern. Ob alle Landesärztekammern den Bundesvorgaben folgen bleibt abzuwarten. Die Brandenburger Kammer etwa hatte im Vorfeld laut vor einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots gewarnt.

Derweil ist David Meinertz mit seinen Plänen schon einen Schritt weiter: „Die Erstattung telemedizinischer Leistungen ist der nächste logische Schritt, um Patienten den Zugang zu Online-Beratungen und Behandlungen zu erleichtern”, so der DrEd-CEO.

Foto: Zerbor – fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bundesärztekammer , Telemedizin , E-Health

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Telemedizin-Anbieter

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.