Tamponkrankheit: Toxisches Schocksyndrom selten, aber gefährlich

Das Risiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) durch die Verwendung von Tampons ist äußerst gering. Frauenärzte raten grundsätzlich zu einer sorgfältigen Menstruationshygiene. Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit kann auch andere Ursachen als die Tamponkrankheit haben.
Tampons lösen nur ganz selten ein toxisches Schocksyndrom aus

Tampons lösen nur ganz selten ein toxisches Schocksyndrom aus

Von der Tamponkrankheit haben viele erst durch das Model Lauren Wasser gehört. Die heute 30-jährige US-Amerikanerin verlor zwei Beine, weil sie 2012 am Toxischen Schocksyndrom (TSS) erkrankte. Vermutlich wegen eines Tampons.

Das Toxisches Schocksyndrom wird ausgelöst von zwei Bakterienarten: dem Staphylococcus aureus oder dem Streptokokkus pyogenes. Beide Erreger kommen in der Natur häufig vor. Rund 30 Prozent aller Menschen tragen einen Staphylococcus aureus im Nasen-Rachenraum. Da die meisten schon mal mit den Erregern in Kontakt gekommen sind, besteht in der Bevölkerung eine hohe Immunität. Mehr als 90 Prozent der älteren Erwachsenen besitzen Antikörper gegen die beiden Erreger.

Bakterien schütten Giftstoffe aus

Doch wenn die Keime in hoher Zahl in den Organismus eintreten und dabei auf ein Immunsystem treffen, das noch keine Antikörper gebildet hat, kann es gefährlich werden. Die von den Erregern ausgeschütteten Giftstoffe kann der Körper dann nicht neutralisieren und es kann zum Toxischen Schocksyndrom kommen.

Die Symptome ähneln einer Grippe: rasende Kopfschmerzen, Schwindel, hohes Fieber und Blutdruckabfall kennzeichnen das Toxischen Schocksyndrom. Darüber hinaus kann es zu Bewusstlosigkeit und Wundbrand kommen – einem sonnenbrandähnlichen Hautausschlag. Das Toxischen Schocksyndrom kann lebensbedrohlich sein und wie im Fall von Lauren Wasser zu Amputationen führen.

 

Das Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene Komplikation

Wird die Infektionskrankheit über ein Tampon ausgelöst, wo es zu einer hohen Bakterienkonzentration kommen kann, spricht man von Tamponkrankheit.

Frauenärzte im Netz geben jedoch Entwarnung: Das Toxisches Schocksyndrom infolge von Tampons sei äußerst selten.

So schätzt das Robert Koch-Institut, dass von  100.000 sexuelle aktiven Frauen rund 3 bis 6 am toxischen Schocksyndrom erkranken (Zahl für 2015). In über 90 Prozent der Fälle wird ein Zusammenhang mit der Menstruation vermutet. In den USA geht man von einem Fall von Toxischem Schocksyndrom pro 200.000 Einwohner aus.

Schutz vor der Tamponkrankheit

Die Frauenärzte raten grundsätzlich zu einer sorgfältigen Menstruationshygiene. Hier die vier wichtigsten Regeln:

·         Hände sollten vor und nach dem Tamponwechsel gründlich mit Seife gewaschen werden

·         Die Tampons sollten alle 3 bis 6 Stunden gewechselt werden und nie länger als 8 Stunden verwendet werden

·         Die kleinst notwendige Tampongröße wählen

·         Tampons nach dem Aufwachen am Morgen sofort wechseln

Die Tamponkrankheit ist aber die nicht die einzige Ursache für ein toxisches Schocksyndrom. Auch Hautwunden, Abszesse, Verbrennungen, Insektenstiche oder chirurgische Wunden können Eintrittspforte für die Erreger sein. Darum sind auch Männer vom toxischen Schocksyndrom betroffen, allerdings seltener als Frauen.

Foto: © New Africa - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sepsis

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD, gilt als typische Raucherkrankheit. Doch auch Nichtraucher können daran erkranken. Forscher haben nun eine mögliche Ursache gefunden.
Mindestens 192 Menschen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden in deutschen Gewässern ertrunken. Angesichts der Hitzewelle rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit einem Anstieg der Fälle und gibt Tipps, damit aus dem Badespaß kein Ernst wird. An Flüssen, Seen und am Meer lauern ganz unterschiedliche Gefahren.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.