. Deutschland

Täglich 300 Tote durchs Rauchen

Jeden Tag sterben in Deutschland 300 Menschen am Rauchen. Damit geht jeder siebte vorzeitige Todesfall auf Tabakgenuss zurück. Diese und andere erschreckende Zahlen hat jetzt eine Studie ermittelt.
110.000 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr: Zum Weltnichtrauchertag gibt Deutschland kein gutes Bild ab:

110.000 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr: Zum Weltnichtrauchertag gibt Deutschland kein gutes Bild ab:

Kurz vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai ist im „Lancet“ eine Studie zum Rauchen erschienen. In der Studie „Death, disease and tobacco“ kommt Deutschland schlecht weg. „Bei der Tabakkontrolle liegen wir auf einem der letzten Plätze in Europa“, kommentiert Prof. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) die neue Studie von John Britton.

Danach sind Folgeschäden des Rauchens hierzulande die häufigste Todesursache. 110.000 tabakbedingte Todesfälle gibt es in Deutschland pro Jahr, das heißt 300 Menschen sterben pro Tag vorzeitig an den Folgen des Rauchens. In anderen Worten: Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen.

16,3 Millionen Raucher in Deutschland

Zwar sinkt die Zahl der Raucher in Deutschland seit 1990 stetig, jedoch deutlich weniger als im Durchschnitt aller Länder weltweit. Die Zahl der Rauchenden ging in Deutschland bei den Männern in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um 0,9 Prozent pro Jahr zurück, bei den Frauen lediglich um 0,3 Prozent. „Deutschland ist ein Tabakhochkonsumland: Eine Prävalenz von 25 bis28 Prozent abhängigen Raucherinnen und Rauchern wird nur noch in wenigen Ländern Europas zum Beispiel Österreich und Griechenland übertroffen“, sagt Stöver mit Blick auf die 16,3 Millionen aktiven Raucher.

 

Schaden von 21 Milliarden Euro pro Jahr

Der Gesundheitswissenschaftler schätzt die tabkabedingten Folgekosten wie Arzt-, Therapie- und Krankenhauskosten, Arbeitsausfälle sowie Nichtraucherschädigungen auf rund 21 Milliarden Euro pro Jahr. Vergleichsweise wenig werde für effektive Tabakprävention getan.  „Rauchreduktionsprogramme und E-Zigaretten sollte hier bedeutendere Rollen einnehmen, wie es in anderen Ländern – etwa in England – bereits erfolgt ist“, fordert Stöver. Tabakkontrollpolitik müsse endlich wirksame Maßnahmen gegen das Rauchen ergreifen und konsequent Gesundheitsinteressen über wirtschaftliche Interessen der Tabakindustrie stellen. Auch Verluste durch Steuereinnahmen dürften hier keine Rolle spielen, meint Stöver.

Doch derzeit scheint die Politik taub gegenüber solcher Kritik zu sein. Während zum Weltnichtrauchertag die Gesundheitsminister von Bund und Ländern eifrig vor den Folgen des Rauchens warnen, ist Deutschland das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt. Und es ist Weltmeister bei den Zigarettenautomaten: 330.000 Automaten gibt es sonst nirgendwo.

Foto: #145269995 | © mbruxelle - Fotolia.com

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Nach dem Wunsch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollen flächendecke Fieber-Ambulanzen die Praxen entlasten, wenn die Corona-Infektionen in den Wintermonaten wieder zunehmen werden. Kinder- und Jugendärzte halten diese Idee für schädlich.
Im Vorfeld des World Health Summit sprechen Christian Drosten und Detlev Ganten über das Coronavirus im Speziellen und die globale Ausbreitung im Allgemeinen. Für den Virologen steht fest: Deutschland hat nichts besser gemacht als andere Länder. Und: Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen.
Der Verzehr roher Karotten löst bei vielen Menschen Allergien aus. Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung können aber auch gekochte Karotten diesen Effekt haben. Das ergibt sich aus einer Studie der Universität Bayreuth. Personen, die hier sensibel reagieren, raten die Wissenschaftler deshalb dazu, auf den Verzehr von Karotten ganz grundsätzlich zu verzichten.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.