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Tabuthema: Brustkrebs bei Männern

Kaum einer weiß es, wenige Wissenschaftler erforschen es, Früherkennungsprogramme und Behandlungsstrategien fehlen: Dabei können auch Männer Brustkrebs bekommen. Erkrankte sind Einzelkämpfer – und erleben es als besondere psychische Belastung, von einer „Frauenkrankheit“ betroffen zu sein.
arzt hört oberkörper eines alten mannes ab

Brustkrebs bei Männern: Das Risiko zu erkranken, steigt mit dem Alter an. Brustkrebsfälle in der Familie können ein Risikofaktor sein.

Brustkrebs bei Männern? Das gibt’s doch nicht! Doch, das gibt es. Insgesamt erkranken jedes Jahr in Deutschland 72.000 Personen neu an Brustkrebs – die allermeisten davon sind Frauen. Von der mit Abstand häufigsten Krebserkrankung sind aber auch Männer betroffen – etwa 700 pro Jahr. Das sind gemessen an den Frauen nicht viele. Weil die Behandlungs- und Hilfsangebote für betroffene Männer aber offenbar völlig unterentwickelt sind oder fehlen, haben sich die „Deutsche Krebshilfe“ und die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ (FSH) entschlossen, das Thema jetzt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Der Welt-Männertag ist ein Aktionstag zur Männergesundheit und findet jährlich am 3. November statt. Im Fokus stehen eine rechtzeitige Gesundheitsvorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen gesundheitlichen Verfassung und Risiken.

Männer mit Brustkrebs: Schlechtere Heilungschancen als Frauen

So sieht das Lagebild aus, das Krebshilfe und FSH für Männern mit Brustkrebs aktuell zeichnen: Das öffentliche Bewusstsein ist gering, die Wissenschaft hat das Thema nur wenig erforscht, für Männer gibt es kein passendes Früherkennungsprogramm, die Medizin tut sich schwer damit, Symptome richtig zu deuten und überhaupt die Möglichkeit der Diagnose Brustkrebs in Betracht zu ziehen. „Symptome wie Verhärtungen der Brust oder Flüssigkeitsaustritt aus der Brustdrüse können auf Brustkrebs hinweisen, werden aber meist nicht richtig gedeutet“, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Krebshilfe. Daher diagnostizieren Ärzte Mammakarzinome bei Männern häufig erst in fortgeschrittenen Stadien. Die Folge: Frauen haben im Vergleich immer noch bessere Heilungschancen. "Um die optimale Versorgung Betroffener besteht derzeit eine große Wissenslücke", sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. "Diese gilt es möglichst rasch zu schließen."

Neben dem körperlichen Leiden, den Sorgen und Ängsten, die die Diagnose Brustkrebs generell auslöst, kommt bei den Männern noch eine geschlechtsspezifische psychische Belastung hinzu: nämlich die, von einer typischen "Frauenkrankheit" betroffen zu sein. "Aus Scham und Unsicherheit fällt es Männern meist schwer, mit Verwandten und Freunden über diese Diagnose zu sprechen und sich so seelische Unterstützung zu holen", erläutert Sylvia Brathuhn, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH). „Da die Erkrankung beim Mann sehr selten ist, gab es bislang auch kaum entsprechende Selbsthilfegruppen vor Ort."

 

Selbsthilfe: Punktuell ja, flächendeckend nein

Immerhin: Die FSH als eine der ältesten und größten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland, unterstützt das weiter im Aufbau befindliche Netzwerk „Männer mit Brustkrebs e.V.“ Es ist eine Hilfsorganisation für Männer und dem Dach der großen Frauenselbsthilfeorganisation, die Männer auffängt, informiert und begleitet und sich bemüht, die Interessen der Betroffenen auch nach außen zu vertreten.

Ärzte ohne Konzept: Männer-Brustkrebs wird behandelt wie bei Frauen

"Wir werden aktuell genauso behandelt wie erkrankte Frauen“, sagt Peter Jurmeister, der Vorsitzende des Männer-Netzwerks. „Dabei ist noch gar nicht bekannt, ob Männer im gleichen Maße von der Therapie profitieren und wie die optimale Behandlungsdauer ist." Viele Ärzte wüssten nicht einmal, dass auch Männer sinnvollerweise in zertifizierten Brustzentren behandelt werden sollten, weil sie nur dort optimal versorgt werden können. Die Deutsche Krebshilfe, die FSH und das Netzwerk "Männer mit Brustkrebs e.V." setzen sich gemeinsam dafür ein, dass künftig auch männliche Brustkrebspatienten in ganz Deutschland nach dem aktuellen Stand medizinischen Wissens behandelt und neue Erkenntnisse für die Versorgung erarbeitet werden.

Brustkrebs bei Männern: die Risikofaktoren

Nach Zahlen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) erkranken jährlich etwa 700 Männer neu an Brustkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Zu den Risikofaktoren gehören ein höheres Lebensalter, das Vorkommen von Brustkrebserkrankungen in der Familie, Hoden- und Nebenhodenentzündungen, hormonelle Veränderungen durch Lebererkrankungen und andere hormonelle Einflüsse, Strahlenbelastungen des Brustgewebes, aber auch Übergewicht und Bewegungsmangel.

Website des Selbsthilfenetzwerks: www.brustkrebs-beim-mann.de

Foto: fotolia.com/YakobchukOlena

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Hauptkategorie: Medizin
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