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Tabakkonsum schadet der Gesundheit – und der Umwelt

Montag, 30. Mai 2022 – Autor:
127.000 Tote durchs Rauchen gibt es in Deutschland pro Jahr. Tabakproduktion und -konsum schaden der Gesundheit – aber genauso der Umwelt. Jedes dritte Müllobjekt im Meer ist eine Zigarettenkippe – schwer abbaubar und giftig für Pflanzen und Tiere.
Zigarettenstummel im Aschenbecher.

Zigarettenkippen sind biologisch nur schlecht abbaubar. Zugleich enthalten sie krebserzeugende, erbgutverändernde und toxische Substanzen, die in Böden, Grundwasser, Flüsse und Meere gelangen und so Tieren und Pflanzen schaden. – Foto: Fotolia.com/BillionPhosos.com

Beim Strandurlaub auf einer griechischen Insel haben wir einmal ein ungewöhnliches Spiel gespielt. Ein bisschen aus Verzweiflung über die Allgegenwärtigkeit von Kettenrauchern und über den Zigarettenqualm, der die gute Seeluft irritierte, haben wir einen Quadratmeter Sandstrand abgezirkelt und um die Wette nach achtlos weggeworfenen (und diskret vergrabenen) Zigarettenstummeln gesucht. Ergebnis: 121 Kippen pro Quadratmeter.

Tabakrauch verursacht nicht nur unmittelbar menschliches Leid – Krebsdiagnosen, Schmerzen und Chemotherapien und ein Drittel der vermeidbaren Krebstodesfälle in Deutschland. Die Produktion und der Konsum von Tabakprodukten haben massive negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima – und damit letztlich wieder die Gesundheit der Menschen. Darauf weisen das Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR), die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hin. Anlass dafür ist der „Welt-Nichtrauchertag“ am 31. Mai.

Tabakanbau: Abholzungen, Wasserverbrauch, Pestizide

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stammen rund 90 Prozent der weltweiten Tabakernte aus Entwicklungs- und Schwellenländern. „Für den Anbau und die Produktion werden vielfach Wälder abgeholzt, um neue Anbauflächen und Feuerholz für das Trocknen der Tabakblätter zu gewinnen“, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Krebshilfe. „Der Anbau in Monokultur schadet der Artenvielfalt, begünstigt die Erosion von Böden und lässt den Grundwasserspiegel absinken. Zudem belastet der Einsatz großer Mengen von Pestiziden und Dünger Böden, Gewässer sowie das Grundwasser.“

 

Zigarettenstummel: Giftig und schwer abbaubar

Gedankenlos weggeworfene Zigarettenkippen belasten die Umwelt massiv. Sie gehören weltweit zu den häufigsten unsachgemäß entsorgten Müllobjekten, insbesondere in Städten und an Stränden. „Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel sind Plastik- und Giftmüll mit ernstzunehmenden Folgen für die Umwelt", sagt Katrin Schaller, Expertin für Krebsprävention am DKFZ. „Die Filter von Zigarettenkippen bestehen aus Zelluloseacetat, einem aus Zellulose hergestellten Kunststoff, der nur sehr langsam abgebaut wird. Zudem enthalten sie krebserzeugende, erbgutverändernde und toxische Substanzen, die in Böden, Grundwasser, Flüsse und Meere gelangen und so Tieren und Pflanzen schaden.“ Auch E-Zigaretten und Tabakerhitzer verursachten nach Einschätzung von Experten Umweltschäden in einem noch nicht bekannten Ausmaß durch die Herstellung und Entsorgung von Plastik, Metall und Akkus.

Rauchsucht: Griechenland vorne, Deutschland vorderes Mittelfeld

Anders als viele denken, sind nicht etwa nur etwa die Griechen, sondern auch die Deutschen eine Rauchernation. Das zeigt der innereuropäische Vergleich. In Griechenland greifen 37 Prozent der Einwohner regelmäßig zur Zigarette. In Deutschland sind es 28 Prozent. Vorbildlicher geht es in den Niederlande und Belgien mit je 19 Prozent zu oder in den baltischen Staaten. In Schweden liegt der Anteil der Raucher sogar bei nur sieben Prozent.

Deutschland: 347 Rauch-Tote pro Tag

Rund acht Millionen Menschen weltweit – und 127.000 in Deutschland – sterben nach Angaben der Deutschen Krebshilfe jährlich an Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden. Das entspricht für Deutschland rechnerisch 347 Toten am Tag. Dreizehn Prozent aller Todesfälle in Deutschland sind demnach aufs Rauchen zurückzuführen. Zu den tabakbedingte Krankheiten zählen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, aber auch weitere Krebsarten wie Mund- Kehlkopf- und sogar Blasenkrebs. „Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland 85.000 Menschen aufgrund von Tabakkonsum an Krebs“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Rauchen ist damit der größte vermeidbare Krebsrisikofaktor." 

Tabak: Profite für die Industrie, Folgekosten für die Allgemeinheit

Neben den sehenden Auges eingegangenen Gesundheitsrisiken warnt die Deutsche Krebshilfe auch davor, dass die Allgemeinheit letztlich die Folgen des Tabakkonsums ausbaden muss. „Kaum ein anderes Massenkonsumprodukt ist bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung derart risikobelastet und schädlich wie Tabakwaren", betont Vorstandschef Nettekoven. Neben den individuellen Belastungen der Konsumenten zahle auch die Allgemeinheit für das Rauchen einen hohen Preis.

Experten: Folgeschäden müssen Teil des Zigarettenpreises sein

„Für die entstehenden Folgekosten im Gesundheits- und Umweltbereich muss die Gesellschaft aufkommen“, kritisiert Ulrich John, Vize-Vorstandschef des Aktionsbündnis Nichtrauchen. „Die Tabakindustrie hingegen wird als Verursacher kaum zur Verantwortung gezogen." Die an der aktuellen Kampagne beteiligten Organisationen fordern die Bundesregierung auf, nicht nur die Präventionsmaßnahmen und Ausstiegshilfen für Rauchende zu verbessern. Sie fordern auch eine Einpreisung der Folgeschäden ins Produkt – in Form einer Umweltabgabe zur Kompensation der durch Zigarettenkonsum entstehenden Schäden.

Kuriose Fakten zum Tabakkonsum

  • Tabakprodukte produzieren bei Herstellung, Vertrieb und Nutzung so viel klimaschädliche Gase wie ein kleines Industrieland.
  • Jedes dritte Abfallobjekt im Meer ist ein Zigarettenfilter.
  • Gut 157 Milliarden Euro an externen Netto-Kosten entstehen der Kranken- und Rentenversicherung in Deutschland jährlich durch den Tabakkonsum.
  • Rund 55 Milliarden Zigaretten werden Konsumenten im laufenden Jahr voraussichtlich deutschlandweit kaufen.

(Quellen: Deutsche Krebshilfe, DEBRA-Studie, AOK-Bundesverband; Bundesministerium der Finanzen; Centers for Disease Control and Prevention; Deutsche Rentenversicherung Bund; Deutscher Bundestag; Statistisches Bundesamt; Wirtschaftsdienst.eu, Statista)

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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