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02.05.2018

T-Zellen gegen Herpes: Forscher finden Angriffspunkte

Das Herpesvirus 6 ist in der Bevölkerung weit verbreitet und kann bei schwacher Immunlage lebenswichtige Organe schädigen. Nun wollen Forscher körpereigene Killerzellen darauf ansetzen. Entsprechende Angriffspunkte wurden soeben identifiziert.
Herpes 6, Therapieansatz

Neuer Therapieansatz gegen Herpes? Wissenschaftler haben Bestandteile von Herpes 6 identifiziert, an denen Killer-T-Zellen angreifen können.

Herpes ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit. Normalerweise hält die Körperabwehr die Herpesviren in Schach. Doch bei geschwächtem Immunsystem können die Viren sehr gefährlich werden. Das humane Herpesvirus 6 (HHV 6) – ein Subtyp – kann bei Säuglingen und Kleinkindern das Dreitagefieber auslösen und verbleibt dann ein Leben lang im Körper. Vermutlich trägt es später zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen und dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) bei. Wissenschaftlich gesichert ist, dass das Herpesvirus nach Transplantationen zu schwersten Schädigungen verschiedener Organe führen kann.

Bislang keine Therapie gegen Herpes 6

Eine kausale Therapie gegen die tückische Herpesinfektion gibt es bislang nicht. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse könnten das jedoch bald ändern. Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben nämlich Virusbestandteile identifiziert, an denen so genannte Killer-T-Zellen angreifen können. Im Fachmagazin „PLOS Pathogens“ ist von einem möglichen Ansatz für neue Therapien die Rede.

„Ein Ausbruch des Virus könnte möglicherweise verhindert werden, indem man Patienten HHV-6-spezifische Killer T-Zellen verabreicht“, sagt PD Dr. Andreas Moosmann vom DZIF. „Bis dahin haben wir aber noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.“

In der Arbeit untersuchte das Team um Moosmann und Larissa Martin, welche Strukturen des Herpesvirus T-Zellen bevorzugt angreifen. Diese sogenannten Killerzellen können infizierte Zellen zerstören und so die Vermehrung des Virus im Körper verhindern. Insgesamt 16 Angriffspunkte konnte das Forscherteam identifizieren.

 

Werkzeuge nachgebaut

Zunächst durchsuchten die Infektionsforscher den Erreger digital mit Hilfe eines Algorithmus, der knapp 300 mögliche Angriffsstellen identifizierte. Weitere Analysen reduzierten den Kreis auf 77 Möglichkeiten. Den Wissenschaftlern gelang es, gegen 20 davon entsprechende T-Zellen herzustellen, von denen 16 tatsächlich ihr Ziel binden und die infizierte Zelle zerstören konnten.

„Es können offenbar sehr unterschiedliche Virusproteine als Zielstruktur für das Immunsystem dienen“, so Andreas Moosmann. „Zudem beobachten wir bei gesunden Personen regelmäßig T-Zellen gegen diese Strukturen genauso wie bei Transplantationspatienten, die das Virus in Schach halten können.“ Da einige dieser Immunsystem eigenen Werkzeuge bereits nachgebaut werden konnten, hoffen die Wissenschaftler, die Erkenntnisse für neue Therapien nutzbar zu machen.

Die Forscher sind nun dabei, diesen Fund bei einer größeren Anzahl von Patienten zu überprüfen.

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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