Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Syphilis auch durchs Küssen übertragbar

Dienstag, 3. Mai 2016 – Autor:
In Deutschland steigt die Zahl der Syphilis-Fälle kontinuierlich an. Kondome schützen aber nur bedingt. Denn die Infektionskrankheit wird auch beim Küssen und Oralsex übertragen.
Küssen kann ein Infektionsrisiko sein: Schwule Männer am häufigsten von Syphilis betroffen

Küssen kann ein Infektionsrisiko sein: Schwule Männer am häufigsten von Syphilis betroffen – Foto: ©jarun011 - stock.adobe.com

Die Zahl der Syphilis-Infektionen hat sich seit 2009 etwa verdoppelt. Ende 2014 wurden dem Robert Koch-Institut rund 6.000 Neuinfektionen gemeldet. Über 80 Prozent der Fälle gehen nach den RKI-Daten vermutlich auf sexuelle Kontakte zwischen Männern zurück. Besonders häufig wird die Geschlechtskrankheit bei HIV-Infizierten festgestellt.

Nach Informationen des Berliner Infektiologen Dr. Christoph Schuler lässt sich die hohe Ko-Infektionsrate unter anderem damit erklären, dass HIV-Patienten regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen (STIs) gescreent werden. Dadurch werde Syphilis in dieser Gruppe eben eher entdeckt, sagte er der Deutschen AIDS-Hilfe in einem Interview. Zunehmend ließen sich aber auch nicht HIV-Positive auf Syphilis untersuchen, etwa bei verdächtigen Symptomen oder wenn die Infektion zuvor beim Partner festgestellt worden sei, berichtete er. „Wir haben sicherlich im Schnitt jede Woche einen neuen Fall in unserer Praxis, und das bereits seit einigen Jahren“, kommentiert der Allgemeinmediziner von der Praxisgemeinschaft Turmstraße den Trend zu mehr Syphilis-Fällen in Deutschland.

Küssen und Oralsex sind potenzielle Ansteckungsquellen für Syphilis

Bislang ist nicht genau erklärbar, warum sich die Syphilis in Deutschland wieder ausbreitet. Dass sich die Sexualpraktiken in der Schwulenszene geändert hätten, sieht HIV-Spezialist Schuler jedenfalls nicht als Grund, wenngleich Männer die zum Beispiel Sexpartys besuchen ein höheres Ansteckungsrisiko haben. „Wenn hier neue Infektionen auftreten, werden diese dann auch schnell weitergegeben“, so Schuler.

Außerdem werde heute beim Sex wieder öfter das Kondom weggelassen, bestätigte er der Deutschen AIDS-Hilfe. „Natürlich wird häufiger auf das Kondom verzichtet, weil die HIV-Behandlung effektiv ist.“ Auf der anderen Seite sei Safer Sex mit Kondom keine Praxis, mit der man eine Syphilis-Infektion gänzlich ausschließen könne, gibt der Mediziner zu bedenken. „Man kann sich eben auch beim Küssen oder beim Oralverkehr infizieren“, so Schuler.

 

Vielen Männern ist schon die Lust auf Sexpartys vergangen

Eine Syphilis-Infektion bleibt ein Leben lang im Blut sichtbar. Ärzte können dabei schwer zwischen einer neuen und alten Infektion unterscheiden. Anders als etwa bei Hepatitis A ist man nach einer ausgestandenen Syphilis nicht automatisch vor einer neuen Infektion geschützt. Das frustriert offenbar viele Patienten. Schuler meint, einigen seiner Patienten sei deshalb die Lust am Sex vergangen, zumindest was den Sex in öffentlichen Räumen betreffe. „Ich erlebe in letzter Zeit immer häufiger den Fall, dass Patienten deshalb sehr frustriert sind und sagen: Ich mach jetzt nichts mehr.“

© pololia - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
 

Weitere Nachrichten zum Thema Syphilis

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Erreger der durch Zecken übertragenen Lyma-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Zur Entdeckung trugen Mütter aus Lyme (Connecticut) bei - daher der Name –, deren Kinder gehäuft an Gelenksentzündungen litten.

 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin