Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Sunface-App warnt vor Solarien

Dienstag, 17. Oktober 2017 – Autor:
Der schwarze Hautkrebs ist die am meisten verbreitete Krebsart bei jungen Erwachsenen. Eine häufige Ursache ist eine übermäßige UV-Bestrahlung in Solarien. Nun soll die „Sunface-App“ vor allem Jugendliche vor der Nutzung von Solarien warnen.
Sunface-App

Solarien lassen die Haut schneller altern und begünstigen Hautkrebs – Foto: ©nd3000 - stock.adobe.com

Für Jugendliche ist ihr Aussehen oft wichtiger als Gesundheitsfragen. Daher können auch Warnungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen von übermäßiger UV-Strahlung sie meist nicht abhalten, Solarien aufzusuchen. Nun hat Titus Brinker vom Uniklinikum Essen die sogenannte Sunface-App entwickelt, mit der Solarienbesucher ihr Gesicht virtuell in die Zukunft transformieren und sich anschauen können, wie sie in fünf bis 25 Jahren aussehen werden. Eine ähnliche App hatte Brinker bereits für Raucher entwickelt: Die Smokerface-App zeigt den Nutzern, wie regelmäßiger Tabakkonsum ihr Aussehen in mehreren Jahren beeinflusst.

Wer die Sunface-App benutzt, kann zunächst ein Selfie schießen, dann seinen Hauttyp wählen, um anschließend das eigene Gesicht in der Zukunft sehen. Dabei unterscheidet die App nach Verhalten, beispielsweise ob Sonnenschutzmittel benutzt werden, wie oft Solarien aufgesucht werden und ähnliches. Gleichzeitig berechnet die App, wie stark sich – je nach Verhalten – die Wahrscheinlichkeit erhöht, Hautkrebs zu bekommen.

Reaktionen des Umfelds können zu mehr Sonnenschutz motivieren

In einer Studie mit 205 Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren konnte ein Forscherteam um Brinker nun zeigen, wie die Zielgruppe auf die App reagiert. Dazu besuchten Medizinstudenten Schulklassen und ließen Jugendliche mit der App ihr Selfie vor der Klasse bearbeiten. Währenddessen hörten sie die Reaktionen ihrer Klassenkameraden.

„Die Reaktionen und Normen des sozialen Umfelds sind mitentscheidend für das Verhalten einer Person“, erklärt Brinker. Die Auswertung anonymer Fragebögen zur Intervention habe ergeben, dass die Sunface-App die Risikogruppe motivieren kann, sich besser vor UV-Strahlung zu schützen und das Solarium zu meiden. Die App erklärt dem Nutzer außerdem, wie er Krebs und seine Vorstufen frühzeitig erkennen kann. Darüber hinaus gibt sie Empfehlungen für richtigen Sonnenschutz und ermöglicht über soziale Kanäle das Teilen des animierten Selfies als Video oder Bild.

 

Experten loben neues Tool zur Hautkrebs-Prävention

Der Klinikdirektor und Melanomexperte Professor Dirk Schadendorf unterstützte Brinker bei seiner Idee: „UV-Schutz statt Solarien sind das Rezept für schöne und gesunde Haut. Durch die Integration von Leitlinienempfehlungen für den Nutzer hat Sunface das Potential, wichtiger Bestandteil einer nationalen Präventionsstrategie zu werden.“ Auch Professor Sven Schneider, Studienleiter der SUN Study 2012 an der Universität Heidelberg, äußerte sich zu der neuen Entwicklung: „Mehr als 60 Prozent der Solariennutzer wurden nie über gesundheitliche Risiken aufgeklärt. Die Mehrzahl der Nutzer gibt an, dass sie das Solarium besuchen, um ihre Attraktivität zu steigern. Aus meiner Sicht ist die Sunface-App von Herrn Brinker deswegen so vielversprechend, weil sie diese Aspekte zielgruppengerecht und innovativ verbindet.“

Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie , Schwarzer Hautkrebs , Sonnenschutz , Sonnenbrand
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hautkrebs

30.05.2019

Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland - die Fallzahlen steigen. Von 2009 bis 2015 nahmen der helle Hautkrebs um über 50 Prozent und der schwarze Hautkrebs um mehr als 30 Prozent zu.

23.05.2019

Mit den sommerlichen Temperaturen stellt sich wieder die Frage: Wieviel Sonne ist gesund? Sonnenlicht kurbelt die körpereigene Produktion von Vitamin D an, andererseits erhöht die UV-Strahlung das Hautkrebsrisiko.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Bisher schien Heuschnupfen vor allem ein Problem von Menschen in Ballungsräumen zu sein. Eine Datenauswertung der „Kaufmännischen Krankenkasse – KKH“ zeigt jetzt: Im zurückliegenden Jahrzehnt sind die Fälle von allergischem Schnupfen in drei dünn besiedelten Flächenländern am stärksten gestiegen – in einem Bundesland sogar um fast 20 Prozent.


In Deutschland kommen jährlich etwa 800 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt zur Welt – mit einer schweren Fehlbildung des Rückenmarks beziehungsweise des Gehirns. Durch die Einnahme des B-Vitamins Folsäure können werdende Mütter nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) die Wahrscheinlichkeit für dieses Gesundheitsrisiko deutlich senken.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin