. Hautkrebs

Sunface-App warnt vor Solarien

Der schwarze Hautkrebs ist die am meisten verbreitete Krebsart bei jungen Erwachsenen. Eine häufige Ursache ist eine übermäßige UV-Bestrahlung in Solarien. Nun soll die „Sunface-App“ vor allem Jugendliche vor der Nutzung von Solarien warnen.
Sunface-App

Solarien lassen die Haut schneller altern und begünstigen Hautkrebs

Für Jugendliche ist ihr Aussehen oft wichtiger als Gesundheitsfragen. Daher können auch Warnungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen von übermäßiger UV-Strahlung sie meist nicht abhalten, Solarien aufzusuchen. Nun hat Titus Brinker vom Uniklinikum Essen die sogenannte Sunface-App entwickelt, mit der Solarienbesucher ihr Gesicht virtuell in die Zukunft transformieren und sich anschauen können, wie sie in fünf bis 25 Jahren aussehen werden. Eine ähnliche App hatte Brinker bereits für Raucher entwickelt: Die Smokerface-App zeigt den Nutzern, wie regelmäßiger Tabakkonsum ihr Aussehen in mehreren Jahren beeinflusst.

Wer die Sunface-App benutzt, kann zunächst ein Selfie schießen, dann seinen Hauttyp wählen, um anschließend das eigene Gesicht in der Zukunft sehen. Dabei unterscheidet die App nach Verhalten, beispielsweise ob Sonnenschutzmittel benutzt werden, wie oft Solarien aufgesucht werden und ähnliches. Gleichzeitig berechnet die App, wie stark sich – je nach Verhalten – die Wahrscheinlichkeit erhöht, Hautkrebs zu bekommen.

Reaktionen des Umfelds können zu mehr Sonnenschutz motivieren

In einer Studie mit 205 Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren konnte ein Forscherteam um Brinker nun zeigen, wie die Zielgruppe auf die App reagiert. Dazu besuchten Medizinstudenten Schulklassen und ließen Jugendliche mit der App ihr Selfie vor der Klasse bearbeiten. Währenddessen hörten sie die Reaktionen ihrer Klassenkameraden.

„Die Reaktionen und Normen des sozialen Umfelds sind mitentscheidend für das Verhalten einer Person“, erklärt Brinker. Die Auswertung anonymer Fragebögen zur Intervention habe ergeben, dass die Sunface-App die Risikogruppe motivieren kann, sich besser vor UV-Strahlung zu schützen und das Solarium zu meiden. Die App erklärt dem Nutzer außerdem, wie er Krebs und seine Vorstufen frühzeitig erkennen kann. Darüber hinaus gibt sie Empfehlungen für richtigen Sonnenschutz und ermöglicht über soziale Kanäle das Teilen des animierten Selfies als Video oder Bild.

Experten loben neues Tool zur Hautkrebs-Prävention

Der Klinikdirektor und Melanomexperte Professor Dirk Schadendorf unterstützte Brinker bei seiner Idee: „UV-Schutz statt Solarien sind das Rezept für schöne und gesunde Haut. Durch die Integration von Leitlinienempfehlungen für den Nutzer hat Sunface das Potential, wichtiger Bestandteil einer nationalen Präventionsstrategie zu werden.“ Auch Professor Sven Schneider, Studienleiter der SUN Study 2012 an der Universität Heidelberg, äußerte sich zu der neuen Entwicklung: „Mehr als 60 Prozent der Solariennutzer wurden nie über gesundheitliche Risiken aufgeklärt. Die Mehrzahl der Nutzer gibt an, dass sie das Solarium besuchen, um ihre Attraktivität zu steigern. Aus meiner Sicht ist die Sunface-App von Herrn Brinker deswegen so vielversprechend, weil sie diese Aspekte zielgruppengerecht und innovativ verbindet.“

Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie , Schwarzer Hautkrebs , Sonnenschutz , Sonnenbrand

Weitere Nachrichten zum Thema Hautkrebs

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Immer mehr Menschen und Waren reisen um die Welt – und mit ihnen Krankheitserreger. Auch in Industrieländern sind scheinbar überwundene Infektionskrankheiten wieder auf dem Vormarsch. Ein Netzwerk deutscher Wissenschaftler warnt vor einer „post-antibiotischen Ära“, in der harmlose Krankheiten tödlich enden können, weil Antibiotika nicht mehr wirken, und fordert eine Intervention der Politik.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.