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Süchtig nach Glücksspiel? Das sind die Anzeichen

Dienstag, 27. September 2022 – Autor:
Alkohol, Zigaretten, Kokain: Bei Süchten denkt man zunächst an rauschig machende und teils illegale Substanzen. Doch Süchte brauchen keine Stoffe, um gefährlich zu sein. Beispiel: die Sucht nach Befriedigung durch ganz legale Glücksspiele – vor allem im Internet.
Glücksspiel: Spielkarten, Jetons, Smartphone mit Online-Spielautomat, Würfel, Roulette.

Bin ich spielsüchtig? Das kann jeder sofort für sich klären: mit einem Online-Selbsttest der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). – Foto: AdobeStock/Maksym Yemelyanov

Alle nannten ihn nur den „Automaten-Peter“. Peter rauchte gerne und trank gerne Alkohol. Aber das war nicht sein Problem. Sein Problem waren diese Spielautomaten mit den blinkenden Joker-Gesichtern, Früchtchen, Königskronen und Ziffern, die bei der richtigen Kombination klingelten, klack-klack-klack machten und Münzen regnen ließen. Und die Peter sein Sekundenglück schenkten. Als Peter wieder einmal viel mehr Münzen hineingeklackert hatte in seinen Automaten, als herausgeklackert kamen, und er völlig blank war, stürmte er auf seine Freundin zu und untersuchte Hand-, Jacken- und Hosentaschen auf Hartgeld wie ein Security-Mann am Flughafen – fahrig und mit Schweißperlen auf der Stirn. Das zeigt: Nicht nur von rauschig machenden Substanzen geht ein Suchtrisiko aus – auch nicht-stoffliche und scheinbar harmloser wirkende Verlockungen können krankhaft süchtig machen.

Online-Glücksspiele: Besonders hohes Suchtpotenzial

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist jetzt auf die Gefahren durch Glücksspiel hin – vor allem im Internet. Anlass ist der jährliche „Aktionstag Glücksspielsucht“ am 28. September. Die vermeintliche Aussicht auf hohe und schnelle Gewinne macht laut BZgA vor allem Online-Sportwetten beliebt. „Online-Glücksspiele haben ein erhöhtes Suchtpotenzial, weil sie fast immer und überall verfügbar sind und zu jeder Tages- und Nachtzeit am Smartphone, Tablet oder PC gespielt werden können“, sagt Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention der BZgA. „Durch die Anonymität im Netz und die virtuellen Geldeinsätze können sich Verluste schnell unkontrolliert erhöhen und in eine Schuldenfalle führen.“

 

Glücksspiel: Das sind die Risikogruppen

Pathologisches Glücksspiel ist seit der Aufnahme in internationale Klassifikationssysteme wie den ICD-10-Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Krankheit anerkannt. Das Krankheitsbild ist als „Gambling Disorder“ beziehungsweise „Glücksspielstörung“ den Verhaltenssüchten zugeordnet.

In Deutschland sind laut aktuellen Studiendaten der BZgA rund 430.000 Menschen von einem problematischen Glücksspielverhalten oder einer Glücksspielsucht betroffen. Aktuelle Daten des BZgA-Glücksspielsurveys zeigen: Bei hochgerechnet etwa 229.000 Menschen deutschlandweit ist das Glücksspielverhalten „problematisch“, bei rund 200.000 weiteren sogar „pathologisch“ – es besitzt also Krankheitswert. Zu den Hauptrisikogruppen zählen junge männliche Erwachsene bis 25 Jahre sowie mit Migrationshintergrund oder einem eher niedrigen Einkommen.

Eine Glücksspielsucht entwickelt sich langsam

Zunächst ist Spielen etwas Positives und auch Glücksspiel ist mit Spannung, Spaß und Abwechslung verbunden. Irgendwann kann die Beschäftigung aber ins Problematische kippen oder sogar zur Sucht werden. „Eine Glücksspielsucht entwickelt sich langsam“, heißt es in einer Information der Bundeszentrale für Betroffene und Angehörige. „Anfangs merken Sie das gar nicht. Oder vielleicht wollen Sie es nicht merken?“

Folgende Verhaltensmuster weisen laut BZgA auf ein zumindest problematisches, wenn nicht sogar bereits krankhaftes Spielverhalten hin – sei es an Geldspielautomaten, im Kasino oder beim Glücksspiel im Internet.

Glücksspielsucht: Das sind die Alarmsignale

  • Die spielen öfter und länger, als Sie eigentlich wollten.
  • Sie können mit dem Spielen nicht selbstbestimmt aufhören.
  • Sie hören erst dann auf, wenn Sie kein Geld mehr haben.
  • Sie verspielen das ganze Geld, das Sie bei sich haben.
  • Sie setzen mehr Geld ein, als Sie übrighaben.
  • Wenn Sie gewonnen haben, spielen Sie weiter, um noch mehr zu gewinnen.
  • Wenn Sie verlieren, spielen Sie weiter, um das verlorene Geld wieder hereinzuholen.
  • Wenn Sie verlieren, suchen Sie einen Schuldigen.
  • Sie haben sich bei anderen Menschen Geld geliehen, um spielen zu können.
  • Ihre Gedanken kreisen ständig ums Spielen.
  • Sie spüren den Drang, möglichst bald wieder spielen zu gehen.

Die Folgen von Glücksspielsucht – ein Teufelskreis

Süchte können das eigene Leben zerstören und die eigene Familie. Freunde wenden sich ab, der Job geht verloren. Laut BZgA sind dies typische Folgen einer Glücksspielsucht:

  • Das Geld für Essen und Miete fehlt.
  • Man erfindet Ausreden und Lügen, weil man sich selbst schämt.
  • Man leiht sich Geld und kann es nicht zurückzahlen.
  • Beziehungen und Freundschaften zerbrechen.
  • Man spielt noch mehr, um seine Sorgen zu vergessen.

Hilfsangebote für Spielsüchtige und deren Angehörige

Spielsüchtigen kann eine Psychtherapie oder der Aufenthalt in einer Fachklinik helfen. Für die ersten Schritte hat die BZgA eine eigene Hilfs- und Informations-Website für Betroffene und Angehörige geschaltet. Die Seite www.check-dein-spiel.de enthält folgenden Angebote:

  • Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspielen
  • einen Online-Selbsttest: Bin ich spielsüchtig?
  • Online-Hilfe bei problematischem Spielverhalten: Verhaltensänderungsprogramm „Check Out“
  • Kontakte für weiterführende Unterstützungs- und Beratungsangebote – auch für Angehörige.
Hauptkategorie: Medizin
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