Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.04.2018

Sturzprophylaxe bei Senioren: Besser am Stock als am Rollator

Ab dem 80. Lebensjahr nimmt die Sturzgefahr bei Senioren zu. Der Gleichgewichtssinn schwindet. Als Sturzprophylaxe greifen viele zum Rollator. Falsch findet das ein Experte. Er plädiert für den Stock.
stock, alter, senior, gebrechen, sturzgefahr, sturzprophylaxe

Am Stock zu gehen sei für Senioren gesünder, als sich auf den Rollator zu verlassen

Ungefähr ab dem 80. Lebensjahr nimmt bei Senioren die Sturzgefahr zu - mit all ihren gesundheitsschädlichen Folgen. Ursache: der Gleichgewichtssinn schwindet. Um Stürze zu vermeiden wird dann auf Hilfsmittel wie Krücken oder Rollator zurückgegriffen.

Falsch findet das Prof. Klaus Ehrenberger, emeritierter Vorstand der HNO-Klinik der Universität Wien. Krücken und Rollator seien orthopädische Rehabilitationsgeräte oder - schlimmer noch - Vorboten des Rollstuhls, heißt es in seinem Blog-Beitrag für die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Stock gibt mechanisch und sensorisch Halt

Für rüstige 80-jährige sei der Stock das einfachste und bewährteste  Sturz-Prophylaktikum. Der Stock hat zwei wesentliche Funktionen. Er kann im Bedarfsfall als Stütze genutzt werden - und hilft als Tastinstrument , Informationen über den Zustand des Bodens an den somatosensorischen Sinneskanal des Orientierungssystems weiterzuleiten. Der Stock gibt mechanisch und sensorisch Halt, so Ehrenberger.

Hintergrund: Der aufrechte Gang erfordert ein hochkomplexes Gleichgewichts- und Orientierungssystem, basierend auf der zentralnervösen Interaktion vestibulärer, visueller und somatosensorischer Informationsflüsse. Die lösen eine Kaskade korrigierender muskulärer Bewegungen aus, um die aufrechte Position zu garantieren.

 

Sturzgefahr bei Senioren: Besser am Stock als am Rollator

Um aufrecht gehen zu können, müssen viele Sinneseindrücke verarbeitet werden. Die drei für die Balance verantwortlichen Sinneskanäle sind zentralnervös verschaltet. Teilweise Ausfälle eines Kanals können von den anderen beiden kompensiert werden - ein Paradebeispiel eines selbstregulierenden, komplexen, biologischen Systems. Der Stock liefere genug Informationen, um dieses System in Gang zu halten.

Er habe aber im öffentlichen Bewusstsein einen schweren Stand, gilt als altmodisch und Zeichen mangelnder Fitness. Ehrenberger würde ihn gern rehabilitieren, um der Sturzgefahr bei Senioren vorzubeugen. "Die Renaissance eines ansprechend gestalteten Spazierstockes würde dazu beitragen, persönliches Leid und Kosten für die Allgemeinheit zu reduzieren", so der Mediziner.

Auf alltägliche Hindernisse reagieren

Hintergrund: Der Körper ist kein statisches Gebilde: Um die Umwelt wahrzunehmen, muss er stets in ganz leichter Bewegung sein. Selbst die scheinbar ruhigste Körperstellung baut auf ruckartigen, minimalen, stochastischen Körper- und Augenbewegungen auf, die den Körper auf alltägliche Hindernisse reagieren lassen.

Foto: zynkevich/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sturzprophylaxe , Sturzprävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sturzprophylaxe

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.


In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Anteil der Geburten per Kaiserschnitt in Deutschland fast verdoppelt – auf zuletzt fast 30 Prozent. Der Richtwert der WHO liegt bei 15 Prozent. Geburtsspezialisten der Medizinischen Hochschule Hannover raten jedoch, pro und contra in jedem Einzelfall besonnen gegeneinander abzuwägen. Ein Kaiserschnitt sei „nicht automatisch besser“ und „in vielen Fällen medizinisch nicht notwendig“.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin