. Altersmedizin

Sturzprophylaxe bei Senioren: Besser am Stock als am Rollator

Ab dem 80. Lebensjahr nimmt die Sturzgefahr bei Senioren zu. Der Gleichgewichtssinn schwindet. Als Sturzprophylaxe greifen viele zum Rollator. Falsch findet das ein Experte. Er plädiert für den Stock.
stock, alter, senior, gebrechen, sturzgefahr, sturzprophylaxe

Am Stock zu gehen sei für Senioren gesünder, als sich auf den Rollator zu verlassen

Ungefähr ab dem 80. Lebensjahr nimmt bei Senioren die Sturzgefahr zu - mit all ihren gesundheitsschädlichen Folgen. Ursache: der Gleichgewichtssinn schwindet. Um Stürze zu vermeiden wird dann auf Hilfsmittel wie Krücken oder Rollator zurückgegriffen.

Falsch findet das Prof. Klaus Ehrenberger, emeritierter Vorstand der HNO-Klinik der Universität Wien. Krücken und Rollator seien orthopädische Rehabilitationsgeräte oder - schlimmer noch - Vorboten des Rollstuhls, heißt es in seinem Blog-Beitrag für die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Stock gibt mechanisch und sensorisch Halt

Für rüstige 80-jährige sei der Stock das einfachste und bewährteste  Sturz-Prophylaktikum. Der Stock hat zwei wesentliche Funktionen. Er kann im Bedarfsfall als Stütze genutzt werden - und hilft als Tastinstrument , Informationen über den Zustand des Bodens an den somatosensorischen Sinneskanal des Orientierungssystems weiterzuleiten. Der Stock gibt mechanisch und sensorisch Halt, so Ehrenberger.

Hintergrund: Der aufrechte Gang erfordert ein hochkomplexes Gleichgewichts- und Orientierungssystem, basierend auf der zentralnervösen Interaktion vestibulärer, visueller und somatosensorischer Informationsflüsse. Die lösen eine Kaskade korrigierender muskulärer Bewegungen aus, um die aufrechte Position zu garantieren.

 

Sturzgefahr bei Senioren: Besser am Stock als am Rollator

Um aufrecht gehen zu können, müssen viele Sinneseindrücke verarbeitet werden. Die drei für die Balance verantwortlichen Sinneskanäle sind zentralnervös verschaltet. Teilweise Ausfälle eines Kanals können von den anderen beiden kompensiert werden - ein Paradebeispiel eines selbstregulierenden, komplexen, biologischen Systems. Der Stock liefere genug Informationen, um dieses System in Gang zu halten.

Er habe aber im öffentlichen Bewusstsein einen schweren Stand, gilt als altmodisch und Zeichen mangelnder Fitness. Ehrenberger würde ihn gern rehabilitieren, um der Sturzgefahr bei Senioren vorzubeugen. "Die Renaissance eines ansprechend gestalteten Spazierstockes würde dazu beitragen, persönliches Leid und Kosten für die Allgemeinheit zu reduzieren", so der Mediziner.

Auf alltägliche Hindernisse reagieren

Hintergrund: Der Körper ist kein statisches Gebilde: Um die Umwelt wahrzunehmen, muss er stets in ganz leichter Bewegung sein. Selbst die scheinbar ruhigste Körperstellung baut auf ruckartigen, minimalen, stochastischen Körper- und Augenbewegungen auf, die den Körper auf alltägliche Hindernisse reagieren lassen.

Foto: zynkevich/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sturzprophylaxe , Sturzprävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sturzprophylaxe

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Allerweltsymptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Verstopfung können Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch Kinder können daran leiden. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu bleibenden Schäden am Herzen oder zu Halluzinationen führen und gehört deshalb unbedingt behandelt.
Innere Unruhe und Anspannung kennt jeder. Doch bei manchen Menschen werden sie zum Dauerzustand. Verschiedene Methoden können helfen, innerer Unruhe entgegenzuwirken. Bei schwerwiegenden Problemen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.