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09.09.2018

Stuhl-Tests zur Analyse der Bakterien im Darm unnütz

Die Zusammensetzung der Bakterien im Darm spielt eine Rolle bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen. Daher gibt es jetzt Stuhltests zur Analyse des Mikrobioms. Die sind teuer und unnütz, meinen Experten.
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Stuhltests zur Analyse der Bakterien im Darm sind teuer und unnütz, meinen Experten

Das Mikrobiom ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft geraten. Denn die Bakterien im Darm leisten nicht nur unverzichtbare Dienste bei der Verdauung und Verwertung der Nahrung, sondern die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen spielt eine Rolle bei der Entstehung verschiedenster Erkrankungen.

Dazu zählen Herz-Kreislauf-Leiden, psychische Störungen, Lebererkrankungen und Adipositas. Einige Hersteller und Labore bieten deshalb Untersuchungen von Stuhlproben zur Analyse der Darmflora an - und leiten aus den Ergebnissen Ernährungs- und Handlungsempfehlungen ab. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät von diesen Tests ab.

Test auf Bakterien im Darm wichtig bei Clostridium difficile

In vielen Bereichen der Gastroenterologie haben Stuhltests ihren festen Platz: Etwa in der Darmkrebsvorsorge, wo mit dem IFOB-Test verstecktes Blut im Stuhl aufgespürt wird, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Auch die DNA von Darmbakterien lässt sich aus dem Stuhl isolieren und analysieren - dies kommt beispielsweise bei der Diagnostik einzelner pathogener Erreger wie Clostridium difficile zum Einsatz.

Doch den Stuhltests zur Analyse der Bakterien im Darm fehlten derzeit die wissenschaftliche Grundlage, so die DGVS-Experten. "Eine Analyse des gesamten Spektrums der Mikroorganismen im Darm ist weitgehend sinnlos, da die Zusammensetzung des Mikrobioms und eventuelle Krankheitssymptome nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben", sagt Prof. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Kieler Universitätsklinikums.

 

Bakterien im Darm: Stuhl-Tests unnütz und teuer

Die Zusammensetzung der Bakterien im Darm kann individuell höchst unterschiedlich ausfallen und ist ständig kurzzeitigen Schwankungen unterworfen, etwa durch die Einnahme von Medikamenten, durch bestimmte Nahrungsmittel oder auf Reisen. „Aus bakteriellen Verschiebungen, die sich in solchen Stuhltests möglicherweise zeigen, lässt sich deshalb noch lange kein krankhafter Zustand oder ein Zusammenhang mit einer chronischen Erkrankung herleiten“, so Schreiber weiter.

Dennoch würden aus den Ergebnissen von Darmflora-Stuhltests oft Ernährungsempfehlungen abgeleitet, die die Lebensqualität des Patienten einschränken und im schlimmsten Fall sogar zu einer Mangelernährung führen könnten. Die Stuhl-Tests auf die Bakterien, die den Darm bewohnen, seien nicht nur unnütz, sondern auch teuer. Die Kosten für solche Tests betragen mitunter mehrere hunderte oder tausende Euro und werden von den Krankenkassen regelmäßig nicht übernommen. Oft werden diese Tests im Internet, manchmal auch als IGeL (individuelle Gesundheitsleistungen) beim Arzt angeboten.

Mikrobiom-Forschung steht noch am Anfang

"Die Erkenntnisse, die wir in den letzten Jahren über das Mikrobiom gewonnen haben, zeigen, dass in seiner Erforschung ein riesiges Potenzial liegt", ist Prof. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen und Mediensprecher der DGVS, überzeugt.

Vor allem die mit dem Mikrobiom in Verbindung gebrachten molekularen Prozesse, die zur Entstehung so unterschiedlicher Krankheiten wie Entzündungen, Leberzirrhosen, Krebserkrankungen oder koronarer Herzkrankheit beitragen, müssten genauer erforscht werden.

Bakterien im Darm: Experten fordern Forschungs-Zentrum

Um die wissenschaftlichen Bemühungen in der Mikrobiom- und Genomforschung stärker zu bündeln, plädiert die DGVS deshalb für die Einrichtung eines Deutschen Zentrums für Gastroenterologische Gesundheit. Dieses soll die bestehenden Gastro-Zentren in Deutschland vernetzen, um die genauen Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bakterien im Darm, Darmgesundheit und Zustand anderer Organe weiter zu erforschen und Präventions-, Früherkennungs- und Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Foto: absolutimages/fotolia.com

Autor: bab
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