Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Studien bestätigen positiven Effekt von Sonnenlicht bei MS

Montag, 17. November 2014 – Autor:
Sonnenlicht kann den Verlauf einer Multiplen Sklerose positiv beeinflussen. Das bestätigen zwei neue Studien im Fachmagazin Annals of Neurology. Anders als bei der Schuppenflechte wird UV-Licht therapeutisch aber noch nicht eingesetzt.
Studien bestätigen positiven Effekt von Sonnenlicht bei MS

Sonnenlicht stimuliert das Immunsystem. Wissenschaftler vermuten, dass es auch bei Multipler Sklerose helfen könnte

Multiple Sklerose ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Weltweit sind etwa zwei Millionen Menschen daran erkrankt. Allerdings ist die Häufigkeit der Erkrankung ungleich über den Globus verteilt. Menschen erkranken seltener an Multipler Sklerose, wenn sie in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung leben. Je weiter weg vom Äquator sie wohnen, desto schlechter für die MS-Patienten: Jeder Breitengrad weiter entfernt verstärkt die Krankheit durch den Lichtmangel im Winter. Das rechneten Wissenschaftler vom Royal Melbourne Hospital in Australien in der bislang größten internationalen Studie zu diesem Thema aus. „Die Studie belegt mit ihrer umfangreichen und globalen Datenbasis eindrücklich den Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und den Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose: Je höher die natürliche UV-Strahlung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit der Schübe“, kommentiert Professor Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Studie, deren Ergebnisse im Oktober im Annals of Neurology erschienen waren.

MS-Schübe von 32.000 Patienten ausgewertet

Für ihre Studie werteten die Forscher um den Australier Dr. Tim Spelman eine Daten von mehr als 32.000 MS-Patienten aus über 30 Zentren aus.Dabei zeigten sie, dass die MS-Schübe besonders häufig zu Beginn des meteorologischen Frühjahrs auftreten, also nach der geringen UV-Strahlung im Winter. Im Herbst dagegen traten MS-Schübe deutlich seltener auf. Die Autoren vermuten, dass Menschen mit einem niedrigeren Vitamin-D-Level nach dem Winter früher einen Vitamin-D-Mangel erleiden, der die Wahrscheinlichkeit von Schüben erhöhen könnte. Sonnenlicht bewirkt, dass in der Haut mehr Vitamin D gebildet wird. Dem Vitamin wird eine positive Wirkung bei Autoimmunerkrankungen zugeschrieben.

 

Zusammenhang zwischen Licht und Multipler Sklerose

Auch eine Studie aus Deutschland belegte gerade den Zusammenhang zwischen Licht und Multipler Sklerose. Professor Wiendl von der Universitätsklinik Münster und sein Team fanden im Blut von MS-Patienten, die zuvor mit UV-B-Licht bestrahlt wurden, schon einen Tag später vermehrt bestimmte Zelltypen, die regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen genannt werden. Diese Zelltypen halten das Immunsystem davon ab, sich selbst anzugreifen – verhindern also Autoimmunreaktionen. Die UV-B-Strahlung löst die Bildung von regulatorischen Zellen aus, die über das Blut bis zum Nervensystem wandern und dort ihre schützende Wirkung entfalten. Allerdings hält diese nur kurz: Wurde die Bestrahlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunsystem wieder.

Bei Schuppenflechte wird die Lichttherapie schon seit längerer Zeit therapeutisch eingesetzt. Ob UV-Licht therapeutisch auch bei Multipler Sklerose wirkt, weiß man noch nicht. Derzeit werden aber mehrere Studien mit Vitamin D als Wirkstoff durchgeführt. Wiendl:  „Die Wirkung des Lichts auf das Immunsystem geht aber deutlich über das hinaus, was wir mit einer erhöhten Vitamin-D-Produktion erklären können."

Foto: © evgenyatamanenko/ Fotolia

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Neurologie , Multiple Sklerose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sonne

Abermals bestätigt eine Studie: Sonnenlicht beeinflusst den Verlauf von Multiple Sklerose positiv. Der Vitamin-D-Spiegel scheint dabei aber nicht die einzige Rolle zu spielen. Die Studienautoren konnten eine weitere Ursache für die Effekte von UV-Licht identifizieren.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Die Zahl der offiziell registrierten Corona-Fälle sinkt. Aber die Zahl der wegen Covid-19 Krankgeschriebenen schnellt in die Höhe – allein bei der „Barmer“ um 175 Prozent binnen weniger Wochen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Männer trinken vor anderen Alkohol, Frauen nehmen heimlich Tabletten: nur ein Beispiel dafür, dass Frauen auf eigene Weise süchtig sind. Und sie haben auch ihre eigenen Motive, sich einer Suchterkrankung zu stellen und von Süchten zu befreien.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin