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Studie zu Long-Covid: Fast jeder zweite berichtet über Langzeitfolgen

Samstag, 12. März 2022 – Autor:
Eine Befragung von Personen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, zeigt: Fast jeder zweite ambulante Patient berichtet über Langzeitfolgen wie Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten. Bei hospitalisierten Patienten treten Long-Covid Symptome noch häufiger auf.
Genesen, aber nicht gesund: Laut einer aktuellen Studie ist Long-Covid sehr häufig

Genesen, aber nicht gesund: Laut einer aktuellen Studie ist Long-Covid sehr häufig – Foto: © Adobe Stock/ agenturfotografin

Die Erholung nach einer Virusinfektion dauert oft lange. So auch bei Covid-19. Das Phänomen heißt Long-Covid oder Post-Covid und umfasst eine weite Bandbreite an Symptomen. Riech- und Geschmacksstörungen bleiben oft noch lange bestehen, ebenso Kurzatmigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen oder kognitive Probleme. Letzteres ist auch als Neuro-Covid bekannt.

Um herauszufinden, wie häufig diese Langzeitfolgen auftreten, haben Wissenschaftler der Universität Tübingen eine bevölkerungsbasierte Befragung durchgeführt. An der Studie nahmen 1.907 Personen teil, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, und formal als genesen galten. 87 Prozent der Teilnehmenden waren ambulante Patienten, hatten also einen relativ milden Verlauf. Die restlichen 13 Prozent mussten wegen ihrer Covid-19-Infektion im Krankenhaus behandelt werden.

Nach drei Monaten noch nicht gesund

Dabei zeigte sich, dass 46 Prozent der ambulant behandelten Patienten auch drei Monate nach der Infektion weiterhin unter Beschwerden litten. Noch häufiger von Long-Covid waren hospitalisierte Patienten betroffen: Von ihnen klagten 73 Prozent über Langzeitsymptome. Am häufigsten wurde über Müdigkeit, körperliche Erschöpfung, Konzentrationsstörungen sowie Geschmacks- und Geruchsverlust berichtet.

 

Frauen fast doppelt so häufig von Long-Covid betroffen wie Männer

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Frauen waren von Post-COVID 1,8 mal häufiger betroffen als Männer. Zudem erhöhten Vorerkrankungen das Risiko für Long-COVID-Beschwerden. Dieses Risiko stieg an, je mehr Diagnosen die Studienteilnehmer schon vor ihrer Coronavirus-Infektion hatten.

Dass es nach manchen Virusinfektionen zu anhaltenden Beschwerden kommen könne, sei nicht neu, meint Studienkoordinator Dr. Christian Förster. „Trotzdem hat es uns überrascht, dass so viele Betroffene nach dieser Zeit über so gravierende Symptome berichteten.“

Zahl der Betroffenen dürfte geringer sein

Allerdings könnte die nun ermittelte Zahl an Long-Covid-Betroffenen in Realität geringer sein, geben die Studienverantwortlichen zu bedenken. Zum einen ist bekannt, dass sich eher Betroffene mit Symptomen an solchen Befragungsstudien beteiligen als beschwerdefreie Betroffene. Denn ihr Leidensdruck ist größer.

Zum anderen gab es bei dieser Studie keine Kontrollgruppe. Ein Vergleich mit einer nicht-infizierten Population hätte gezeigt, ob Symptome wie Erschöpfung tatsächlich mit der vorausgegangenen Corona-Virus-Infektion in Zusammenhang stehen oder vielleicht andere Ursachen haben.

Dennoch gibt die Studie zumindest einen Anhaltspunkt über die Häufigkeit von Long-Covid nach mildem wie auch schwerem Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse sind jetzt im Deutschen Ärzteblatt unter dem Titel „Persistierende Symptome nach COVID-19“ erschienen.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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