. Herzinfarkt und Schlaganfall

Studie widerlegt „gesunde Adipositas“ bei Frauen

Übergewichtige Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, auch wenn ihr Stoffwechsel ansonsten gesund ist. Das zeigt eine Langzeitstudie mit über 90.000 Teilnehmerinnen. Demnach ist eine „gesunde Adipositas“ ein Mythos.
Gesunde Adipositas

Übergewicht erhöht auf Dauer das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Aber auch schlanke Frauen müssen auf ihre Stoffwechselgesundheit achten

Eigentlich gilt Übergewicht als großes Gesundheitsrisiko. Doch immer wieder stellen Studien das in Frage, weil es auch gesunde Dicke und kranke Schlanke gibt. Nun ist in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology eine Langzeitstudie erschienen, die die Annahme bestätigt, dass Übergewicht bei Frauen doch langfristig zu Herz-Kreislauferkrankungen führt, auch wenn sie als stoffwechselgesund (metabolisch gesund) gelten. Übergewicht ist demnach also ein eigenständiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei schlanken Frauen war das Risiko für diese beiden Krankheiten dagegen nur dann erhöht, wenn sie mindestens an einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden.

Langfristig ist Übergewicht nicht gesund

Für die Studie werteten Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), der Harvard University und der Universitätsklinik Tübingen die Daten von 90.257 Frauen aus der Nurses‘ Health Study aus. In der amerikanischen Kohortenstudie wurden die Frauen bis zu 30 Jahre lang beobachtet. Erfasst wurden Körpergewicht, die metabolische Gesundheit und das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall. Als metabolisch gesund galten dabei alle Frauen, bei denen weder Bluthochdruck, Diabetes oder Hypercholesterinämie diagnostiziert wurden.

Wie die Auswertung der Daten zeigt, haben metabolisch gesunde Frauen mit Übergewicht oder Adipositas im Vergleich zu metabolisch gesunden Frauen mit Normalgewicht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Lag jedoch mindestens ein Risikofaktor vor, erhöhte sich das Erkrankungsrisiko bei allen Frauen unabhängig vom Körpergewicht. Im Verlauf von 20 Jahren entwickelten unter den metabolisch gesunden adipösen Frauen mehr als 80 Prozent mindestens einen Risikofaktor. Aber auch von den normalgewichtigen gesunden Frauen blieben nur etwa ein Drittel metabolisch gesund. Bluthochdruck und Diabetes waren dabei die Stoffwechselkrankheiten, die maßgeblich zu einem 2- 3-fach erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall beitrugen.

 

Keine Hinweise auf „Gesunde Adipositas“ gefunden

„Wir beobachteten, dass adipöse Frauen auch dann ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten, wenn sie über 10 oder gar 20 Jahre metabolisch gesund blieben“, sagt Erstautorin Nathalie Eckel vom DIfE. „Adipositas stellt somit ein ernst zu nehmendes Erkrankungsrisiko dar, unabhängig davon, ob man jahrelang keine Auffälligkeiten im Stoffwechsel hatte. Es gibt somit nach wie vor keine eindeutigen Hinweise darauf, dass es eine Untergruppe bei Menschen mit Adipositas gibt, die kein erhöhtes Risiko hat.“ Die Ergebnisse bestätigen eine frühere Untersuchung der Wissenschaftler, in der sie systematisch Studien auswerteten, um eine geeignete Definition einer gesunden Adipositas zu finden.

Auch Schlanke haben ein Risiko

Die Forscher waren indes überrascht, dass auch Schlanksein nicht vor Krankheiten schützt. Der Anteil der schlanken Frauen, die im Laufe von 20 Jahren entweder an Bluthochdruck, Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung erkrankten, sei sehr hoch gewesen, meint Matthias Schulze vom DIfE. „Da diese Krankheiten maßgeblich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall beeinflussen, ist es wichtig, langfristig die Stoffwechselgesundheit durch einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährung zu erhalten – unabhängig davon, ob man normal- oder übergewichtig ist“, so der Epidemiologe.

Foto: © sangriana - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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